01.04.2015

Das neue Album der Bieler Rockband Death by Chocolate überzeugt mit einem Sound, der zugleich roh, schlagkräftig und sehr intensiv ist. Im Interview sprechen die Musiker über ihr aktuelles Album, ihre Zukunftspläne und vieles mehr.


«Among Sirens» ist nicht nur das Resultat purer Leidenschaft, Mut und höchster Kreativität. Spürbar ist auch die Live-Erfahrung, die die Band in den letzten zwei Jahren an namhaften Locations im In- und Ausland (Musexpo in L.A., EXIT Festival in Serbien, Woodstock Polen) sammeln konnte. Eine Horizonterweiterung, die Death by Chocolate zu neuen Leistungen angespornt und gleichzeitig gelehrt hat, verlockende Angebote pragmatisch einzuschätzen und sich selber treu zu bleiben.

Musikalisch gesehen ist es den Musikern gelungen, die Live-Energie, die in so manchen Studios durch die Finger der Sorgfalt rinnt, mit dem Fleissschweiss verdampft oder im Hinblick auf Radio- Radiotauglichkeit gar absichtlich entzogen wird, zu 100 Prozent aufrecht zu erhalten. Titel wie «Siren Calls», «Alfred» oder „If You Ask Me“, die live mit richtig viel Druck daherkommen, stehen den Albumversionen in nichts nach, während auch den ruhigeren Nummern das richtige Maß an Live-Charme geblieben ist.

Nach «From Birthdays to Funerals» haben Death by Chocolate den Fokus diesmal noch mehr auf Instrumentenvielfalt und moderne Technik gelegt. Ohne den Draht zu den Vorbildern der Vergangenheit zu verlieren, öffnete sich die Band den mitunter ungewöhnlichen Herangehensweisen, die das heutige internationale Musikschaffen ausmachen. Und das mit Erfolg: Das Album ist in die Schweizer Albumcharts auf Platz 10 eingestiegen, die Band wurde als Best Talent in der national wichtigsten Radiostation (SRF3) im Monat September gefeiert, die Vorabsingle „Family“ schaffte es in die Tagesrotationen der wichtigsten Radiosender und das Album erhielt durchgehend positive Kritiken in der Schweizer Tages-presse. Auch wenn „Among Sirens" erst in der Schweiz herausgegeben wurde, haben Death by Chocolate schon vier Konzerte in Dänemark als Support von "The Blue Van" absolviert.

Das neue Jahr begann verheißungsvoll mit einer Nominierung für den „Best Live Act“ an den Swiss Music Awards. «Among Sirens» ist die einzig richtige Art, den unmittelbaren, vielschichtigen und melodiösen Death by Chocolate-Rock’n’Roll in die heimischen Soundanlagen zu bringen. Eine Kraft, die nur darauf wartet, sich gnadenlos zu entfalten.

Ende März erscheint das neues Album "Among Sirens". Was erwartet uns darauf?
Ein breites Spektrum aktueller Rockmusik mit hohem Fokus auf Gitarren und Gesängen.

Was macht dieses Album besonders?
Sicherlich dass viel Wert aufs Detail gelegt wurde. Sei es Arrangement- oder Sound-technisch. Es wurde auf beiden Ebenen viel Zeit investiert, so viel wie bisher noch nie.

Die Texte auf Ihrem Album behandeln zeitlose Themen und kommen mit einer großer Sprachgewalt und Wucht daher, wie man sie heutzutage nur noch selten findet. ?Wie sind die Texte entstanden und was waren die Inspirationsquellen?
Die Texte sind durch unseren Alltag entstanden. Es gab eine Zeit, in welcher wir von vielen Seiten her beeinflusst wurden. Das machte uns bewusst, dass wir umso mehr auf uns selbst hören müssen. Soviel zum Überthema "Among Sirens". Inspirationsquellen waren Geschehnisse aus der Vergangenheit, aktuelle Wutanfälle oder einfach nur fragwürdige Tage.

Inwiefern haben die Live-Erfahrungen der letzten 2 Jahre die Band und auch dieses Album beeinflusst?
Live Erfahrung ist meines Erachtens das wichtigste für eine Band. Die Dinge welche wir live machen konnten wie die Konzerte in Los Angeles, oder das Polish Woodstock waren für uns wichtige Ereignisse. Natürlich auch die kleineren Dinge die wir gespielt haben. An Konzerten erleben wir viel, dies kann Auswirkungen auf Songs haben, aber vor allem lernt man als Band immer mehr dazu (auch wenn man nicht jedes Mal neue Songs spielt). Die Eindrücke die wir an Konzerten sammeln, bringen einem neuen Schwung und teilweise auch Ideen zu neuen Songs. Sprich: die live Erfahrung beeinflusst unser musikalisches Schaffen sehr, also haben im Grunde genommen die letzten 13 Jahre dieses Album beeinflusst.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Produzenten Ronald Bood?
Ronald hat uns sehr stark gefordert und wir hatten eine harte Zeit im Studio. Er wollte dass wir in jedem Take unser Bestes geben und wehe dem, der's nicht gegeben hat. Die Zusammenarbeit war stark daran orientiert das Optimum aus der Studiozeit herauszuholen und hart zu arbeiten, was wir schlussendlich auch gemacht haben. Es war also keine "wir sind alle nett und super drauf"-Produktion, vielmehr wurde nicht lange um den heissen Brei gesprochen und Probleme irgendwelcher Art sofort angesprochen. Die Zeit war hart, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat mit Ronald zusammen zu arbeiten und ich sehr froh bin, dass ihm sehr viel an dieser Produktion gelegen hat.

Was bedeutet es, vor Publikum live auf der Bühne zu stehen und die Songs zu präsentieren?
Ich glaube, dass wir genau deswegen Musik machen. Es ist ein unglaubliches Gefühl live auf der Bühne den Menschen die eigenen Songs um die Ohren zu hauen. Wenn sie gut ankommen ist es sogar noch besser. Ein Album aufzunehmen ist das Eine, das Andere ist, die Songs live mit der richtigen Energie zu performen. Wenn man merkt dass man das schafft, ist man auf dem richtigen Weg.

Wo kann man Sie in den nächsten Monaten überall live erleben?
In Deutschland spielen wir vorerst drei Konzerte: am 16. April im Sage Club in Berlin, am 17. April im Stereo Wonderland in Köln und am 18. April im Rock Café St. Pauli in Hamburg.

Ihre Pläne für die nächsten Monate, was können wir in diesem Jahr noch von Ihnen erwarten?
Wir werden weiter durch Europa touren und schon bald beginnen an neuen Songs zu arbeiten. Diese wird man zwar erst hören, wenn das nächste Album fertig ist, aber dennoch kann man das erwähnen. Dieses Jahr steht ansonsten sicherlich stark fürs touren und dafür unsere Musik live über die Landesgrenzen hinaus zu tragen.

Wie wichtig sind soziale Medien und der Kontakt zu den Fans?
Soziale Medien sind natürlich sehr wichtig und ein wichtiger Teil des Fankontaktes. Außer an Konzerten ist man den Fans nie so nahe wie im Internet. Meinungen werden gebildet durch den medialen Auftritt einer Band und wenn man die Macht der sozialen Medien unterschätzt, dann wird es in der heutigen Zeit schwierig als Band Aufmerksamkeit zu kriegen. Natürlich ist mir der persönliche Kontakt zu Leuten die an unser Konzert kommen lieber als der virtuelle, beides ist jedoch sehr wichtig.

Das Interview mit Death by Chocolate führte Richard-Heinrich Tarenz



DEATH BY COCOLATE
Among Sirene
Deepdive records / H´art