17.07.2015

The Disco Boys
20 jähriges Jubiläum und kein Ende in Sicht!

Warum die beiden ein Buch schreiben könnten, Gordon gerne wüsste, ob seine Haarbürste nach der Ruhr in Love beim neuen Besitzer gut aufgehoben ist und vieles mehr, könnt ihr in unserem ausführlichen Interview mit The Disco Boys nachlesen.


INHALT
Pünktlich zum runden Geburtstag ist ihr Album „The Disco Boys Vo.15“ erschienen. Besonders stolz sind die Beiden auf ihre dritte CD, welche die künstlerischen Highlights der letzten Jahre präsentiert – ein Best of. Ans Aufhören denken sie nicht ansatzweise, eher etwas kürzer treten. Gordon und Raphael sprechen über ihre Freundschaft und die letzten (musikalischen) 20 Jahre. Welchen Ratschlag sie jungen DJs mit auf den Weg geben möchten, worauf es wirklich ankommt und was anders ist als damals. Euch viel Spaß beim Nachlesen und von uns „ Glückwunsch – auf die nächsten 20 Jahre ;)“
20 Jahre The Disco Boys! Wie ist es, so lange dabei zu sein?

Gordon: Ist wirklich schon so viel Zeit ins Land gegangen? Haben wir gar nicht mitbekommen... Das Auflegen und das ganze damit verbundene Drumherum macht uns immer noch wahnsinnig viel Spaß!

Raphael: Als wir 1995 anfingen, dachten wir, wir machen das mal ein Jahr. Sind jetzt 20 geworden. Durch die gesammelte Erfahrung sieht man Vieles gelassener als jüngere Kollegen.

Wie würdet ihr die Entwicklung/Veränderung der Feiermeute beschreiben?

Gordon: Man kann nicht von der Hand weisen, dass Erfindungen wie Smartphones und Facebook die Aufmerksamkeit der Meute in Anspruch nehmen. Es ist nicht mehr so leicht wie früher, die Aufmerksamkeit der Anwesenden allein durch besondere Musik auf sich zu ziehen. Und das DJs Set ist dank Shazam auch kein Mysterium mehr. Sofern denn Gäste im Raum sind: Da das Balzverhalten heute vielfach übers Smartphone angeschoben wird, ist der Club als Begegnungs- und Bagger-Stätte leider nicht mehr so angesagt wie vor 20 Jahren. Wir kämpfen dagegen an mit guter Musik. Zumindest versuchen wir es!

Was ist besonders an eurem neuen Album Disco Boys Vol.15?
Gibt es bestimmte Gründe für die Farbwahl?

Raphael: Das besondere ist in erster Linie die 3. CD, auf der nur „Oldies“ aus unserer Anfangszeit vereint sind. Das ist auch ein parallel laufendes Tourmotto, nämlich „The Disco Boys - Originals“, wo wir einen ganzen Abend nur Sachen von früher spielen. Und zwar außerdem noch von Vinyl. Die Farbkombination gefiel uns einfach und die gibt’s auch noch nicht in der
Serie.

Habt ihr ein spezielles Motto zum 20 - jährigen, z.B. spezielle Kleidung?

Raphael: Ja, „20 Jahre The Disco Boys“. Das sollte reichen.

Den Weg als Disco Boys zu gehen – welche Träume haben sich dadurch für euch
erfüllt? Welche musstet ihr aufgeben?

Raphael: Na ja, wir wollten wohl schon immer lieber hinter den Plattentellern stehen, als davor. Der Traum ist auf jeden Fall in Erfüllung gegangen. Was will man mehr. Dafür sind wir sehr dankbar. Trotzdem ist der Preis dafür ein ziemlich hoher, was man aber erst nach langer Zeit
realisiert.

Gordon: Was als Spaß und Gegenvorschlag zur aufkeimenden Techno-Kultur 1995 begann, wurde zu unserer Berufung. Wir hätten niemals gedacht, dass wir diesen Spaß so lange mitmachen, in Fußballstadien und in China unsere Musik auflegen würden. Und es geht weiter, denn da draußen sind gerade zu viele am Werk, die sich nur „DJ“ nennen, aber keine sind.

Gibt es besondere Herausforderungen, die ihr gemeistert habt?
Peinliche / witzige Fauxpas?

Raphael: Jeder Abend auf einer Bühne ist auch jedes Mal eine neue Herausforderung, die man meistern muss. Ein Club mit 200 Leuten ist anders als Mayday, Sonne Mond Sterne oder der Hessentag mit 30.000 Gästen. In 20 Jahren gibt es unzählige Anekdoten, die ein Buch füllen würden.

Gordon: Wir haben schon ohne eigenen Plattenkoffer auflegen müssen, weil er von der Airline nicht transportiert worden ist. Dank USB-Stick in der Hosentasche gehört dieses Malheur zum Glück der Vergangenheit an. Oder als ich mir einmal Leuchtkugeln hinter die Sonnenbrille gesteckt habe und prompt von der Bühne gefallen bin. Eigentlich gibt es da jede Menge zu berichten, wir sollten vielleicht wirklich einmal ein Buch schreiben.

Wie würdet ihr eure 20 - jährige berufliche Partnerschaft / Freundschaft
beschreiben? Einfach ist es nicht immer! Wie habt ihr euch und eure
Beziehung verändert?

Raphael: Natürlich haben wir uns verändert und sind privat eher die jeweils eigenen Wege gegangen. Aber der gemeinsame Nenner ist das Projekt und das immer noch gleiche Interesse, die Menschen mit unserer eigenen Musik und dem dazugehörigen DJ-Set zu begeistern. Das ist der der Kern, mit dem wir professionell umgehen.

Gordon: Wir waren ja ganz am Anfang schon „Kollegen“, Raphael war Art Director des ersten deutschen Dj-Magazins „Network Press“. Beim Nachfolgeblatt „Cut“ stieß ich als Volontär hinzu. Auf den vielen beruflichen Fahrten zur Mayday und anderen Großveranstaltungen freundeten wir uns an und hoben unsere eigene Veranstaltungsreihe aus der Taufe: „Disco Fever“ in der Hamburger Prinzenbar. Damals waren wir Mitte 20 - und es ist klar, dass man sich in 20 Jahren weiterentwickelt, sowohl persönlich als auch musikalisch. Trotzdem kennen wir den jeweils anderen natürlich ziemlich gut - wir sind manchmal wie ein altes Ehepaar. Aber bei allen Reibereien, die es im Laufe der Zeit gegeben hat, wollten wir stets dasselbe: Erfolg für unser gemeinsames Projekt. Mit Raphael habe ich auf jeden Fall einen verlässlichen, treuen Partner an meiner Seite. Wir haben beide keine Beziehung zu irgendwem oder irgendwas, die länger andauert - außer ich vielleicht zu meiner Mutter.

Gibt es Ratschläge eurerseits an junge DJs und denen, die es werden möchten
und lange im Business bleiben wollen?

Raphael: Fleißarbeit und Leidenschaft. Ruhm und Geld sind natürlich die falschen Ziele, auch wenn gewisse Vorbilder das suggerieren. Aber am Ende muss das jeder selbst herausfinden. Die wenigsten können von diesem Beruf leben. Das sollte man wissen.

Gordon: Werde nicht DJ, weil Du denkst, dass das der coolste und bestbezahlte Job auf der Welt ist. Du musst für diesen Lifestyle geboren sein. Du musst Musik lieben und Deinen eigenen Stil finden. Du solltest eine Nachteule sein und es mögen, im Mittelpunkt zu stehen. Auch solltest Du Dein Handwerk beherrschen und einen Übergang auch ohne Sync-Button hinbekommen. Du musst Dir im klaren darüber sein, dass vor der Selbstverwirklichung die Dienstleistung steht. Bevor Du den Leuten Deinen Stil aufzwingst, wirst Du musikalische Kompromisse eingehen, damit Du die Tanzfläche nicht leerst. Du wirst auch in weniger gefüllten Läden stehen und musst genau die gleiche Begeisterung rüberbringen als wenn es voll wäre. Du wirst viel Zeit alleine vor dem Computer verbringen, im Zug und bei Erfolg vielleicht auch in Hotels und Flughäfen - im Gegensatz dazu ist die Zeit, die Du hinterm Mischpult stehen wirst, relativ kurz. Kurzum: Überlege es Dir gut, denn es ist ein unüberschaubares Ellenbogen-Business geworden, wo es schwer geworden ist, sich abzuheben und rauszustechen. Wer aber die nötige Leidenschaft und Kreativität mitbringt, der wird wie in jedem anderen Job auch seinen Weg über kurz oder lang machen. Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg.

Was werdet ihr nach den Disco Boys machen – oder Disco Boys für immer?
Habt ihr Pläne oder Träume, die ihr euch erfüllen wollt?

Raphael: Generell etwas kürzer in allem treten und ein paar Gänge runterschalten. 20 Jahre sind sowieso schon eher ungewöhnlich in dieser Sparte der Musikindustrie.

Gordon: Wir haben früher einmal gesagt, dass wir es wie die Rolling Stones machen werden: Solange die Leute uns hören wollen, werden wir auftreten. Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächsten zwanzig Jahre!

Wie hat euch euer Auftritt bei der Ruhr in Love gefallen?
Wie fandet ihr die Atmosphäre?

Raphael: Im Grunde bekommt man nicht wirklich viel davon mit. Das liegt vor allem daran, dass man nicht als Gast dort ist, sondern als Aktiver und sich um seinen Job kümmern muss. D.h. man quetscht sich durch die Massen um zum Pult zu kommen. Der Backstage Bereich ist komplett überfüllt mit Menschen, die man nicht kennt. Und man muss versuchen, in die extrem kurze Playtime
das zu packen, was man den Leuten vor sich präsentieren will. Es war voll, die Stimmung und das Wetter waren super! Besser geht’s nicht. Viele Floors haben aber den Nachteil, dass man parallel alle anderen durchhört und viele Gäste Floorhopping betreiben.

Gordon: Die Ruhr in Love hat uns sehr gut gefallen. Was gibt es Schöneres, als einen Tag bei Sonnenschein mit der großen elektronischen Tanzfamilie zu verbringen? Es war uns leider nicht möglich, die Displays der CDJs in der gleißenden Sonne zu lesen, so dass wir einfach irgendetwas aufgelegt haben, aber die Reaktionen aus dem Publikum waren so euphorisch, dass ich denke,
dass es allen sehr gut gefallen hat. Vielleicht kann sich der Junge, der meine Haarbürste gefangen hat, bitte bei uns melden, damit ich weiß, dass sie in guten Händen gelandet ist?

Worauf freut ihr euch besonders diesen Sommer?

Raphael: Auf die vielen Open Air Festivals die noch kommen. Und es werden immer mehr, was allerdings dazu geführt hat, dass auch immer mehr Clubs über den Sommer mangels Besucher schließen.

Gordon: Natürlich auf blauen Himmel und viel Sonne, obwohl das der größte Feind des Nachtlebens ist. Uns DJs ist eigentlich die dunkle Jahreszeit lieber, denn fast nichts ist schlimmer, als nach Sonnenaufgang aus dem Club zu torkeln - auch ein Grund, warum wir uns ausschließlich mit Sonnenbrille zeigen. Auf jeden Fall freuen wir uns auf den Sundance und die Sonne Mond Sterne, die beiden großen Festivals, auf denen wir diesen Sommer noch spielen werden, genauso wie auf jeden nachtdunklen Auftritt, der noch vor uns liegt. Wenn es keine Freude mehr macht, sollte man die Finger davon lassen.

Was denkt ihr, wie sich die Gesellschaft dank medialer Plattformen und
Smartphones verändert hat (positiv & negativ)?

Raphael: Auf unseren Job bezogen – also Clubs, Partys und Tanzflächen – hat es dazu geführt, dass die frühere Community nicht mehr im Club ist, sondern dezentral auf den sozialen Plattformen. Der Gemeinschaftsgedanke, den man mal als Grund hatte auf diese oder jene Party zu gehen, oder diesem oder jenem DJ zuzuhören ist praktisch nicht mehr vorhanden. Es ist wichtiger, was die anderen im Channel gerade machen. Eine Abgrenzug zwischen denen, die gerade heute und hier eine einzigartige Nacht feiern, zu denen, die nicht dabei sind, gibt es nicht mehr. Alle sind involviert, aber kaum jemand interessiert sich für das, was gerade vor Ort stattfindet. Das geht ja auch kaum vor lauter Online-Teilerei.

Gordon: Smartphones und Plattformen wie Facebook haben die Gesellschaft nachhaltig verändert. Die gekrümmte Haltung mit dem Blick auf das Leuchten in den Händen, das gab es bis vor 8 Jahren nicht. Die Zukunft sieht nach unten und rennt gegen den Laternenpfahl. Fiel Männern das Zuhören schon früher schwer, ist es heute definitiv nicht mehr möglich. Manchmal sollte man die Dinger wirklich ausschalten oder Zuhause lassen, damit die Zwischenmenschlichkeit nicht vollends auf der Strecke bleibt.

Wie geht ihr mit negativen Gedanken um?

Gordon: Das müsstest Du Raphael fragen, denn ich habe so gut wie nie negative Gedanken.

Raphael: Immer eine Nacht drüber schlafen.

Worauf kommt es eurer Meinung im Leben an?

Raphael: Sein Leben zu leben und nicht das der anderen.

Gordon: Es kommt darauf an, dass man glücklich und gesund ist und jemanden hat, mit dem man sein Leben teilt. Was mich betrifft, habe ich diese drei Dinge zur Zeit - und das, obwohl ich in letzter Zeit keine Fee getroffen habe.

WILD Magazin bedankt sich für das Interview!


The Disco Boys Website: www.discoboys.de/

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DISCO BOYS
The Disco Boys Vol. 15 Box-Set
Weplay (Warner)

Text & Interview: Sylwia Jedryka