07.12.2015

ASD in Köln – das Beste wenn es um Rap geht

Von Hannah Holzt


© Sylwia Jedryka

Afrob und Samy Deluxe haben am Sonntag, den 22. November, in der ausverkauften Live Music Hall bewiesen, dass sie definitiv noch nicht zum alten Eisen der größten Live-Acts des deutschen HipHop gehören. Das Publikum konnte die zwei Wortakrobaten in Bestform erleben, von denen sich so mancher Newcomer noch eine Scheibe abschneiden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





ASD
Blockbasta

Four Music (Sony Music)




Der eisigen Kälte zum Trotz bildete sich bereits über eine Stunde vor Einlass eine beachtliche Schlange vor der Live Music Hall in Köln. Die Zuschauer kamen früh, um ihren HipHop-Stars später ganz nahe sein zu können. Nicht verwunderlich, dennn die letzte Tour von ASD liegt schon einige Jahre zurück. Eine Stunde nach Einlass betrat um 20 Uhr der Düsseldorfer Rapper „Haben“ die Bühne, der die HipHop-Fans vor Afrobs und Samys Auftritt aufwärmen sollte. Sein Motto des Abends: Alle wollen Haben! Damit hatte er nur bis zu einem gewissen Punkt recht, denn nach ein paar Songs wurde das Publikum ungeduldig und es hieß: Alle wollen ASD!


© Sylwia Jedryka

Dem Rufen der Zuschauer wurde um 20.45 Uhr mit leichter Verspätung nachgegeben. Gewaltige Bässe und flackernde Schweinwerfer kündigten den Auftritt der beiden Protagonisten an. Mit „Mensch gegen Maschine“ eröffneten sie ihre Show. Kaum auf der Bühne hatten sie die Menge bereits für sich gewonnen. Das zum Großteil männliche Publikum feierte die beiden „HipHop-Urgesteine“ ab der ersten Sekunde. Bei „Mittelfinga hoch“ dann die Überraschung: Rapper Eko Fresh war als Special Guest mit dabei. Er rappte seinen Part in dem Remix des Songs, der nur auf der aktuellen „Director's Cut“-Version des aktuellen ASD-Albums zu hören ist, live vor Ort. Zwei Djs sorgten in braunen Latzhosen für den richtigen Sound und die eindrucksvollen Beats. Dj Vito, langjähriger Begleiter von Samy Deluxe, griff selbst immer wieder zum Mikrofon, um den zahlreichen Fans weiter einzuheizen.


© Sylwia Jedryka

Beeindruckender Sound und Bässe, die die ganze Halle zum Beben brachten, dominierten den Abend. Auf der Playlist standen nicht nur die Songs der neuen Platte, auch wichtige Tracks aus den Solokarrieren der beiden durften nicht fehlen. Mit „Weck mich auf“ präsentierte Samy eins seiner Werke, das 14 Jahre nach der Erstveröffentlichung, an Aktualität kaum zu übertreffen ist. Zeilen wie „Wir leben in einem Land, in dem mehr Schranken steh'n, als es Wege gibt, mehr Mauern als Brücken, die Stimmung ist negativ,“ regen heutzutage auch auf einer rauschenden Party wie dieser zum Nachdenken an. Trotz vieler ernster Themen und kritischer Texte der beiden („Überall is' Krieg“, „die Partei“) kamen die entspannenden Momente nicht zu kurz. Spätestens bei „Tortellini-Augen“, ein Song der regelmäßiges Kiffen thematisiert, passte sich der Geruch in der Halle den Textinhalten an und die Bühnenbeleuchtung zeigte im Wechsel die drei LED-Buchstaben „ A S D“ sowie „T H C“.

Obwohl sie in älteren Interviews oft betonten, dass sie einige Lieder nicht mehr spielen wollen, waren am Sonntag ebenfalls Klassiker aus anderen Kollaborationen vertreten. Afrobs HipHop Hymne „Reimemonster“, genau wie Dynamite Deluxes „Grüne Brille“ und der Absolute Beginner Song „Füchse“, den Samy 1999 mit Jan Delay und Denyo rappte, wurden performt und von der Menge gefeiert. Das Publikum, weit jünger als erwartet, zeigte sich auch bei den älteren Songs textsicher.


© Sylwia Jedryka

Eine ausgiebige Zugabe vollendete das Konzert. Absolutes Highlight und gleichzeitig den Abschluss der Veranstaltung bildete die Performance zur ersten ASD-Single, denn „Sneak Preview“ war wie immer ein Garant für das komplette Ausrasten der Menge. Sobald die ersten Töne des einzigartigen und altbekannten Beats ertönten, begann jeder einzelne der Angereisten zu hüpfen und gab noch einmal alles. Nach fast zwei Stunden war das Spektakel dann beendet. Erschöpft aber sichtlich zufrieden verließ die Masse die Halle.


© Sylwia Jedryka

Muteten einige Tracks beim Hören des „Blockbasta“-Albums noch ungewöhnlich an, wurde bei der Show deutlich: Afrob und Samy Deluxe verstehen ihr Handwerk und beherrschen es perfekt. Das meisterhafte Spiel mit der deutschen Sprache in Kombination mit den herausragenden Rap-Qualitäten der beiden machen einen ASD-Liveauftritt zu einem sehenswerten Erlebnis, selbst für Kritiker des HipHop. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht noch einmal über zehn Jahre dauert, bis die Musikwelt wieder in diesen Genuss kommen wird.