06.01.2016
Marsimoto – Live in Green Cologne

Von Hannah Holzt


© Sylwia Jedryka

Marsimoto stattete seinen irdischen Anhängern am 15. Dezember einen Besuch in Köln ab und spielte dort seine bisher größte Solo-Show. Grüne Nebelschwaden, verräterischer Duft und die charakteristisch hochgepitchte Stimme versetzten das Publikum in einen tranceartigen Zustand, bei dem so manch Hypnotiseur vor Neid erblasst wäre.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





MARSIMOTO
Ring der Nebelungen

No,Butyes! (Sony BMG)



Marteria wird den meisten Menschen ein Begriff sein, sein Alter Ego Marsimoto ist jedoch weniger bekannt. Das ist Absicht, denn die grün-maskierte Kunstfigur des Rappers grenzt sich bewusst vom Mainstream ab. Dennoch kamen 3500 Marsianer ins Palladium, wie er seine Fans selbst bezeichnet, um ein vorweihnachtliches Fest der etwas anderen Art zu erleben. Dominant war an diesem Abend vor allem die Farbe grün. Wie soll es anders sein, fand sich doch kaum ein Zuhörer ohne farbliche Anpassung. Die Meisten trugen Marsimoto-Shirts, Caps oder sogar die Maske des Hauptakteur des Abends, andere deckten sich noch kurz vor der Show am Merchandise-Stand mit den grünen Artikeln ein.


© Sylwia Jedryka

Dead Rabbit, DJ und einer der Visionäre hinter dem Phänomen Marsimoto, stand bereits kurz nach Einlass auf der Bühne und versorgte die langsam wachsende Menge mit Musik. Als zweiter Support-Act betrat dann Kid Simius – deutlich lauter und präsenter als sein Vorgänger – den Platz hinter dem DJ-Pult. Mit viel Bass und elektronischen Tracks wie „Jalapeños Horror“ und „Hola Chica“ brachte das langjährige Mitglied der Marsimoto Tour-Crew das Publikum schon im Vorfeld zum Tanzen und Feiern.


© Sylwia Jedryka

Nach dieser beachtlichen Aufwärmphase war es Zeit für den Protagonisten des Abends. Die Zuschauer drängten sich mittlerweile dicht an dicht und die Halle war erfüllt von einem verdächtig herb-süßen Geruch. Zusätzlich stieg nun massenhaft grüner Rauch von der Bühne auf und blitzende Lichter bereiteten den Auftritt vor. Jedem, der bis dahin noch einen klaren Verstand hatte, waren spätestens jetzt die Sinne vernebelt. „Green Cologne“ war bereit für Marsimoto! Die Menge jubelte bei den ersten Worten der allseits bekannten Helium-Stimme. Nach der Show-Eröffnung mit „La Saga“ gab der Rapper noch weitere Songs seines aktuellen Albums „Ring der Nebelungen“ zum Besten. In „Illegalize It“ rief er dazu auf, Marihuana-Konsum nur für seine Anhänger zu legalisieren, anschließend schallte es „Tijuana Flow“ und "Green Pangea" durch die Halle und die gekommenen Erdlinge feierten ihren Gast von einem anderen Planeten.


© Sylwia Jedryka

Allerdings spielte Marsimoto nicht nur die Tracks des aktuellen Albums, auch Songs der vorangegangenen drei Alben fanden Eingang in die Setliste des Konzerts, allen voran „Grüner Samt“ und „Hallohziehnation“. Bei „Indianer“ hüpfte der Wortakrobat wie ein Häuptling vor seinem Stamm mit prachtvollem Federschmuck auf die Bühne und begeisterte die Zuschauer. Live inszeniert waren die Songs weitaus kraftvoller als auf den CDs. Die meisten Gekommenen waren textsicher, egal ob Marsi etwas von seinem fast zehn Jahre zurückliegenden Debütalbum oder seinem aktuellen Werk präsentierte. Eines hatten die Stücke allesamt gemeinsam: Unglaubliche Textraffinesse, markante Beats und mehr Tiefgang, als es das vorherrschende Thema des Drogenkonsums auf den ersten Blick vermuten lässt. Nach über anderthalb Stunden war die psychedelische Reise beendet und die Zuschauer sichtlich zufrieden und tiefenentspannt.


© Sylwia Jedryka

Marten Laciny, Marsimotos bürgerlicher Name, hat es geschafft, die Anwesenden in eine fremde Welt zu entführen. Das gesamte Palladium in Nebel getaucht, grüne und rote Schweinwerfer und dazu der Künstler selbst, in grün-gold-schwarzem Ganzkörperanzug mit der typischen Maske, ließen das Publikum sogar ohne bewusstseinserweiternde Mittel in anderen Sphären schweben. Marsimoto ist auch für Nicht-Fans immer ein Erlebnis. Einen Konzertgänger erwartet HipHop mit elektronischen Elementen, einem Hauch Reggae und ein sehr unterhaltsamer Abend. Wer also die Chance hat, den aufgeweckten Fremdling live zu erleben, sollte es sich nicht entgehen lassen.