11.05.2016

Hope For All

Von Richard-Heinrich Tarenz


© Tiberius Film

„Hope For All“ ist ein österreichischer Dokumentarfilm, der die destruktiven Folgen unserer westlichen Ernährungsweise beleuchtet. Regisseurin Nina Messinger setzt mit diesem Film ein sehr persönliches Zeichen für einen Wandel im Denken der Menschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





Hope For All
A 2016 | Tiberius Film | START: 12.05.
Regie: Nina Messinger
Dokumentation


Immer mehr Menschen leben auf der Erde, immer mehr Menschen essen Fleisch und andere tierische Produkte. Das kann schlecht sein für die Gesundheit, z. B. weil Übergewicht aufs Herz-Kreislauf-System drückt. Es ist in jedem Fall schlecht für Tiere, die in Massenbetrieben gehalten werden – und für die Umwelt, z. B. weil bei der Fleischproduktion klimaschädliche Gase entstehen. Regisseurin Nina Messinger will mit ihrem Dokumentarfilm erreichen, dass sich Zuschauer Gedanken machen – und sie versucht, eine Lösung für den weltweiten Hunger zu finden, den es trotz der industrialisierten Nahrungsmittelerzeugung gibt. Sie reist umher und spricht mit Menschen, die sich auskennen mit der Produktionskette und ihren Folgen: Ernährungswissenschaftler, Ärzte, Umweltaktivisten und Bauern. Eine pflanzliche Ernährung sei besser, findet Messinger: für den einzelnen, für den gesamten Planten...


© Tiberius Film

Nina Messinger ist keine gelernte Filmemacherin. Mit diesem Wissen sollten man die Dokumentation „Hope for All“ betrachten und bewerten. Schließlich sollen handwerkliche Schwächen nicht von der wichtigen Thematik ablenken, welcher dieser Film behandelt und die einer breiten gesellschaftlichen Diskussion würdig ist. In der westlichen Welt greifen sogenannte „Zivilisationskrankheiten“, wie Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck, immer mehr um sich und werden zu einem großen Problem für die Gesellschaften. Enorme Kosten werden in den Jahrzehnten entstehen, wenn diese Krankheiten behandelt werden müssen. Häufig werden diese „Zivilisationskrankheiten“ mit den Ernährungsgewohnheiten in der westlichen Welt in Verbindung gebracht. Der übermäßige Konsum von Fleisch- und Milchprodukten sowie zu wenig Bewegung sind ein wichtiger Grund für die erschreckende gesundheitliche Entwicklung der letzten Jahre. „Hope for All“ geht der Frage nach, was man als Verbraucher gegen diese Entwicklung tun kann. Dabei legt die Dokumentation nahe, dass nur ein radikaler Wandel im Verhalten der Menschen, diese Entwicklung noch stoppen und umkehren kann. Denn schließlich geht es nicht nur um die Gesundheit der Menschen, sondern auch um das Wohl der Tiere und schließlich darum, unsere Umwelt vor Zerstörung und Vergiftung zu retten. Die industrielle Produktion von tierischen Produkten zerstört nicht nur die traditionelle Landwirtschaft und gebiert enorme Umweltprobleme, sondern ist auch verantwortlich für Tierquälerei in unvorstellbaren Ausmaßen.


© Tiberius Film

Eine artgerechte Haltung von Tieren, sofern das überhaupt möglich ist, wird dabei grob missachtet. In der Dokumentation wird sehr detailliert dargestellt, wie die einzelnen Themenbereiche mit einander in Zusammenhang stehen und sich beeinflussen. Ärzte, Ernährungswissenschaftler, Aktivisten und Landwirte kommen zu Wort und beschreiben die Probleme und zeigen mögliche Lösungen auf. Diese Dokumentation verharrt jedoch nicht in einer westlich-zentrierten Perspektive, sondern geht einen Schritt weiter und stellt die Probleme in einen globalen Zusammenhang. Dafür reist Nina Messinger nach Indien und zeigt dort auf, wie der Hunger in den sogenannten „Entwicklungsländern“ mit dem Lebensstil in der westlichen Welt zusammenhängt. „Hope for All“ erhebt nicht den Anspruch auf Ausgewogenheit und Objektivität. Vielmehr ist diese Dokumentation ein sehr persönliches und zugleich bewegendes und emotionales Plädoyer für eine bessere Welt und für mehr Nachhaltigkeit auf diesem Planeten. Die Themen, die in „Hope for All“ behandelt werden, gehen alle Menschen etwas an. Auch wenn die Bilder aus dem Schlachthof und der Massentierhaltung nichts für schwache Nerven sind, so ist es doch wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Dieser Film polarisiert und ist deswegen ein wichtiger Beitrag in einer überfälligen Diskussion.