29.03.2017

Tove Lo - Die Frau mit dem Ständer

Von Manuela Fritz


© Bianca Schubert

Wenn Indie-Pop, Vagina-Logos und eine talentierte Sängerin aufeinander treffen, dann ist Tove Lo in der Stadt! Die schwedische Sängerin hat im Rahmen ihrer „Lady-Wood“-Tour eines ihrer wenigen Deutschland-Konzerte in Köln gegeben und für einen stimmungsvollen Abend in der Live Music Hall gesorgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Tove Lo
Lady Wood
Island Records / VÖ 28.10.16


Tove Lo live:
14.06.17 - Leipzig, Red Bull Arena
30.06.17 - Frankfurt/M, Commerzbank-Arena
01.07.17 - Frankfurt/M, Commerzbank-Arena


 

 


Drei Jahre nachdem ihr Debutalbum „Queen of the Clouds“ erschienen ist, startete Ebba Tove Elsa Nilsson, wie Tove Lo mit bürgerlichem Namen heißt, ihre weltweite Tour zu ihrem neuen musikalischen Werk „Lady Wood“. Am 10. März 2017 hat sie im Zuge dessen einen Zwischenstopp in Köln eingelegt und die nahezu ausverkaufte Live Music Hall mit feinsten Indie-Pop Klängen verzückt. Es waren Fans sämtlicher Altersklassen und sowohl viele Frauen, als auch Männer anwesend um einen Abend lang ihre rauchig-sanfte Stimme zu hören. Nachdem die neuseeländische Vorband Broods – ein Geschwister-Duo, das ähnlich wie Lo Indie-Pop Musik macht und gerade mit dem Album „Conscious“ durchstartet– das Publikum schon gut vorgewärmt hatte, übernahm Tove Lo. Die Musik auf dem in zwei Kapitel unterteilten Album zeichnet die Facetten der Liebe und der Sexualität in all ihren Höhen und Tiefen nach, so Lo. Das erste Kapitel „Fairy Dust“ fängt die leidenschaftliche Stimmung der Vorfreude, die eine neue Liebe mit sich bringt, ein. Diese Lieder haben mehr Tempo als die im zweiten Kapitel „Fire Fade“. Es ist eine Kompilation aus energetischen, tanzbaren Songs. Die Lieder des zweiten Kapitels demonstrieren den Zustand, der entsteht, wenn diese Emotionen wieder abflauen. Die Songs sind vergleichsweise ruhiger und sanfter.


© Bianca Schubert

Diese Unterteilung setzt sie geschickt in ihrer Show um, wenn sie ihre Fans erst kräftig anheizt, um am Mittelpunkt der Stimmung, nachdem sie ihren Hit „Talking Body“ gesungen hat, zu den leiseren Tönen über zu gehen und es dabei trotz der weniger uptempo-lastigen Songs schafft, die Stimmung auf der Bühne und im Publikum zu halten. Der Zuschauer fixiert sie, lässt sie nicht aus den Augen und lässt sich von ihrer Stimme und ihrer Präsenz einnehmen. Es ist aber nicht die wenig ablenkende, spartanische Bühnendeko, die dafür sorgt, dass man sie als Fixpunkt anvisiert, sondern ihre Ausstrahlung. Zugegebenermaßen trägt das riesige Vagina-Logo, das über der Bühne hängt, ebenfalls dazu bei, dass man den Blick stets nach vorne richtet. Sie singt sozusagen unter dem Schutze ihrer eigenen Vagina, die über ihr und der Crowd thront und alles überwacht. Pussy Power in einer anderen Dimension.


© Bianca Schubert

Es wirkt, als wäre ihre Weiblichkeit ihre Triebfeder und ihre Vagina der Teil, über den sie sich ausdrückt und definiert. Dazu ist ein entspanntes Verhältnis zum eigenen Körper und der eigenen Sexualität nötig. Dass sie beides zu haben scheint, wird einem spätestens dann klar, wenn sie ihr Shirt lüftet und der tobenden Menge ihre blanke Brust darbietet. An dieser Stelle sei auch der Titel des Albums – „Lady Wood“ näher zu erläutern. "Wood", ist im Englischen ein umgangssprachlicher Ausdruck für "Ständer" (das Cover-Bild ist eine Hommage an Madonnas „Like a Prayer“). Lo beschreibt quasi wie es ist, einen "Damen-Ständer" zu haben und Weiblichkeit und Sexualität zu genießen. Sie singt von Sex, Liebe und den kontroversen Gefühlen, die dabei hervorgerufen werden, bzw. von Leidenschaft und Anziehungskraft. Dass Tove Lo ein offenes Verhältnis zu Sex hat, wird auch dadurch deutlich, dass ihr riesiges Vagina-Logo nicht nur ihr Bühnenbild, sondern auch ihren linken Arm ziert.


© Bianca Schubert

Man fragt sich, was sie damit ausdrücken möchte. In ihr scheint eine spannende Mischung aus Indie-Göre und Feministin zu stecken. Welches Image sie auch immer verkörpern möchte - der Spaß an dem, was sie tut, ist der Energie geladenen Sängerin anzumerken und überträgt sich auf ihr Publikum, welches mit jedem Song immer mehr mitgeht und sich von ihren Bewegungen und der Lust am Genuss des Augenblickes anstecken lässt. Aber Lo kann auch "low". Nach der Hälfte ihrer Show beweist sie, dass sie auch unplugged kann. Am Keyboard singt sie „Imaginary Friend“ und nimmt das Publikum mit auf eine melodische Reise in ihr Innerstes. Die ruhigen Töne stehen ihr gut und zeigen eine andere Facette, machen sie verletzlich. Dabei wird einem klar, dass es schade ist, dass sie sich so explizit sexualisiert, weil sie das bei ihrem Talent überhaupt nicht nötig hat!


© Bianca Schubert

Wer mehr von Tove Lo erleben möchte, der kann eines ihrer nächsten Konzerte besuchen. Am 14. Juni 2017 spielt sie in Leipzig; am 30. Juni und am 01. Juli 2017 wird sie in Frankfurt am Main zu sehen und zu hören sein. Oder aber man erwirbt eines der Kleidungsstücke, die sie für die Marke „Junkyard“ designed hat (auf den stylischen Teilen sind übrigens Lyrics ihrer Songs aufgedruckt). Die Fans dürfen auf jeden Fall gespannt sein, wie es musikalisch weitergeht, denn Tove Lo hat angekündigt, dass das kommende Album eine Weiterführung der Kapitelstruktur sein wird. Und wer weiß, mit welchen Körperteilen sie uns bei der nächsten Tour verzücken wird?


Weitere Infos unter:

http://www.tove-lo.com/

https://www.facebook.com/tovelo

https://www.instagram.com/tovelo/

https://twitter.com/tovelo

https://www.youtube.com/user/ToveLoVEVO