05.04.2017

Feuer frei für “Free Fire”

Von Manuela Fritz


© Splendid Film GmbH

Ab dem 6. April heißt es "rubbing in the dirt at it’s finest", wenn der neue Film von Ben Wheatley in den deutschen Kinos startet. Dass die Regie-Größe Martin Scorsese als Produzent mit von der Partie ist, lässt ein gelungenes Kino-Spektakel erwarten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Free Fire
F/GB 2016 | Splendid Film GmbH
Start: 06.04.2017
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Brie Larson, Cillian Murphy, Armie Hammer


Boston in den späten Siebzigern. Eine Lagerhalle, zwei Truppen undurchsichtiger Gestalten, die zusammengekommen sind um einen Waffendeal abzuwickeln. Keiner traut dem anderen. Keiner weiß, was der andere im Schilde führt. Eine Patt-Situation, wie sie im Buche steht. Und dann kommt auch noch raus, dass der fiese Junkie der einen Crew die Cousine eines Nachwuchsgangsters aus der anderen Gang entehrt hat. Das bringt das Fass zum Überlaufen und das Kreuzfeuer beginnt…

Ben Wheatley inszeniert ein modernes Kammerspiel à la Quentin Tarantino. Ein ganzer Film in nur vier Wänden inszeniert- dass das funktioniert, hat Tarantino mit seinem letzten Meisterwerk „The Hateful Eight“ bewiesen. Dass sich Wheatley diesen Film zum Vorbild genommen hat, ist überaus offensichtlich. Dabei hätte er vielleicht besser etwas detailgetreuer vom Großmeister Tarantino abkupfern sollen, denn Wheatleys Versuch tarantinoeske Dialoge zu adaptieren scheitert an der einen oder anderen Stelle kläglich. Manche Dinge sollte man eben dem wahren Könner überlassen.


© Splendid Film GmbH

Dabei hat der britische Regisseur es gar nicht nötig den Stil eines anderen Filmemachers nachzuahmen. Er erzählt eine pointierte Story und zeichnet interessante, wenn auch schräge, Charaktere, die so undurchsichtig sind, dass man bis zum Ende nicht weiß, wer eigentlich zu welcher Seite gehört und wer mit wem heimliche Deals abgemacht hat, um die anderen zu linken. Und auch beim Cast beweist er ein Händchen für Talente. Der Film hat ein gutes Tempo und man ist gespannt, wer wohl der "last man standing" bei all den Verstrickungen und dem wirren Geballer sein wird. Ben Wheatley hat das Setting übrigens nicht deshalb in die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts verlagert, weil er ein Faible für Föhnwellen und Schlaghosen hat, sondern aus einem viel plausibleren, aber ebenso spitzfindigen Grund – dem nicht Vorhandensein modernster Kommunikationstechniken.

Keiner der Möchtegern-Gangster hat ein Mobiltelefon, einen ein Pager oder sonstiges Gerät dabei, mit welchem er oder sie Kontakt nach draußen aufnehmen könnte. Dadurch entsteht das Katz- und Maus-Spiel auf Leben und Tod. Wer heil aus der Nummer rauskommen will, muss sich ohne Rücksicht auf Verluste seinen Weg nach draußen, bzw. zum, in einem der angrenzenden Räumen befindlichen, Telefon schießen, um Verstärkung anzufordern. Wheatley inszeniert eine schmutzige Pausenhofschlägerei und verlangt seinem brillanten Cast dabei viel Mut zur Hässlichkeit ab. Verschwitzt und verschmutzt robben zuletzt alle über den kalten, dreckigen Hallenboden um die nicht von Kugeln durchlöcherten Überreste ihrer selbst in Sicherheit zu bringen. Überragend ist dabei die von Sharlto Copley verkörperte Figur Vernon – mehr Blender als echter Bösewicht, der sich zu schade ist, seinen (menschlichen) Dreck selbst aus dem Weg zu räumen. Copley sorgt für jede Menge Lacher, wenn er mit seiner piepsigen Fistelstimme und dem südafrikanischen Akzent Befehle erteilt und sich um Kopf und Kragen redet.


© Splendid Film GmbH

Nicht minder bemerkenswert ist die Leistung von Sam Riley (übrigens der Ehemann der deutschen Schauspielerin Alexandra Maria Lara). Er spielt Stevo, einen abgefuckten Junkie, der nichts so sehr liebt wie Drogen und seinen besten Freund Bernie (Enzo Cilenti). Das einzig "Schöne" an „Free Fire“ ist der von Armie Hammer dargestellte Ord – ein gut gestylter Anzug-Typ, der selbst im Kugelhagel seinen Kamm zückt, um die Gel-Tolle auf Vordermann zu bringen. Die Rolle scheint dem Schönling Hammer wie auf den Leib geschrieben zu sein. Die Mischung aus Bad Boy und Adonis macht seine Rolle interessant. Einzig Oscar-Gewinnerin Brie Larson bleibt hinter den Erwartungen zurück und wirkt, auch als sie ihre Knarre zückt um zurück zu schießen, eher wie ein langweiliges Mauerblümchen. Ihr Spiel hat wenig Tiefe und Ausdruck. Wenn sie versucht den Männern (verbal) überlegen zu sein, gelingt es ihr nicht die Powerfrau zu verkörpern, die sie sein möchte. „Free Fire“ ist eine gut gelungene Mischung aus Gangster-Film und Komödie und trotz des einfachen Settings ist keine der 90 Minuten Laufzeit langweilig. Ein sehenswerter Film, der wichtige Elemente eines sehenswerten Filmes vereint – ein guter Cast, Spannung und eine clevere Story. Vor allem eignet sich der Film für Tarantino-Fans, um die Zeit bis zu seinem nächsten filmischen Erguss zu überbrücken.