12.04.2017

Schnell, schneller – Fast & Furious 8

Von Manuela Fritz


© Universal Pictures International Germany

Seit über 16 Jahren kann man die „Fast & Furious“-Reihe nun schon auf der Leinwand mit verfolgen. Das Rezept ist immer gleich – was zählt sind Autos, Action und die "Familie". Doch in Teil 8 ist etwas anders…die "Familie" zerbricht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Fast & Furious 8
USA/GB 2017 | Universal Pictures International Germany
Start: 12.04.2017
Regie: F. Gary Gray
Darsteller: Vin Diesel, Dwayne Johnson, Jason Statham

 


Dominik Toretto (Vin Diesel) küsst eine blonde Frau. Letty (Michel Rodriguez) muss dabei zusehen, wie sich Cipher (Charlize Theron) ihren Mann zu krallen scheint. Kurz vorher haben Toretto und Cipher das Gebäude, in dem Doms alte Crew sitzt und plant ihn aufzuspüren, eingenommen und alle außer Gefecht gesetzt. Switched roles – Dom scheint zur anderen Seite übergewechselt zu haben. Was hat ihn dazu veranlasst seine "Familie", wie er seine Crew aufgrund der familiären Beziehungen und deren Loyalität ihm gegenüber nennt, zu verraten und sich gegen diese zu stellen?

Zunächst scheint alles wie immer zu sein. Wir hören rhythmische Reggaeton-Musik, sehen auf den Straßen feiernde Latinos, leicht bekleidete Frauen und ein illegales Autorennen. Wer gewinnt am Ende? Na klar - Dominik Toretto, der Inbegriff von "fast" und "furious". Doch wer die „Fast & Furious“-Reihe kennt, der weiß, dass es nicht bei dieser Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung bleiben wird und irgendetwas Großes im Anrollen ist. Und tatsächlich scheint nichts mehr zu sein, wie es einmal war. Brian und Mia haben sich am Ende des letzten Teils von der "Familie" verabschiedet und führen nun ihr eignes Familienleben mit ihren beiden Kindern (was daran liegt, dass Brian-Darsteller Paul Walker bei den Dreharbeiten zum siebten Teil bei einem Autounfall (tragische Ironie) verstarb und seine Rolle deshalb nicht weiter existieren kann).


© Universal Pictures International Germany

Letty und Dom sind zwar endlich verheiratet, doch verlässt er sie für eine andere Frau – die durchtriebene Hackerin Cipher, die einen großen Coup plant und ihn für die Durchsetzung benutzt. Auf der Suche nach Dominik werden wieder massig teure Schlitten geschrottet. The Rock und Jason Statham können ihre Muskelkraft in zahlreichen Schlägereien unter Beweis stellen. Was wie ein ausgelutschtes Thema klingt, ist tatsächlich höchst unterhaltsam. Vor allem, wenn Statham sich in alter Crank-Manier seinen Weg freikämpft und dabei coole Sprüche ablässt - absolut sehenswert! Der Film ist an vielen Stellen gewollt und ungewollt lustig. Für gut platzierte Lacher sorgt Roman (Tyrese Gibson), wenn er deplatzierte Selfies schießt oder sich verbal mit Little Nobody (Scott Eastwood) anlegt.


© Universal Pictures International Germany

Schauspielerisch sticht vor allem Charlize Theron heraus, die man seit „Monster“ (2003) nicht mehr in einer solch bösen Rolle gesehen hat. Eine der größten Stärken und Schwächen zugleich sind die Actionszenen, die filmtechnisch gesehen neue Maßstäbe setzen (oder haben sie schon mal ein U-Boot in einer Verfolgungsjagd gesehen?), aber sowas von überzogen und unrealistisch sind, dass man an mehreren Stellen ungewollt kräftig lachen muss. Den Anspruch an realitätsnahe Action sollte man aber spätestens im sechsten Teil abgelegt haben, als man die vermeintlich längste Flugzeuglandebahn der Welt und einen gefühlt ewig dauernden Landeanflug präsentiert bekommen hat. Wer erinnert sich noch? Ein weiteres Manko ist die dünne schauspielerische Leistung von Clint Eastwoods Sohn Scott, der einen Agenten-Lehrling mimt und dabei verweichlicht und lächerlich wirkt. Aber nicht nur er, auch die (ernsten) Dialoge sind zuweilen hölzern und sorgen für Gelächter. Doch trotz der Mängel hat die „Fast & Furious“-Reihe mittlerweile schon Traditions-Charakter, was bestimmt auch ein Grund ist, warum hochkarätige Schauspieler wie Kurt Russell und Helen Mirren auf den PS-starken Film-Autocorso aufgesprungen sind.

Wer Lust hat auf einen guten Soundtrack, einen gewohnt charismatischen Cast, Action und schnelle Autos, der wird auch von Teil acht der „Fast & Furious“-Reihe nicht enttäuscht sein.