05.07.2017

LECTURA
Empfehlenswerte Buch-
Neuerscheinungen


BUCH DER WOCHE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Timothy Ferriss
Die 4-Stunden-Woche
Ullstein | jetzt erhältlich

Timothy Ferriss ist ein „Self Made Millionaire“. Wie er das mit minimalem Zeitaufwand und maximalem Freizeitspaß geschafft hat, erläutert er in seinem Buch „Die 4-Stunden Woche – mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“. Dabei bedient er sich an Basis-Begriffen der Betriebswirtschaftslehre. Sein Bestreben ist es aber nicht, ein Patentrezept fürs Millionär-Werden zu geben, sondern dem Leser einen Leitfaden anzubieten, den dieser auf sein eigenes (Berufs-)Leben anwenden und so sein Freizeitkonto maximieren kann, ohne finanzielle Einbußen zu erleiden. Für alle die, die einen Schritt weiter gehen möchten und doch den Sprung in die Selbstständigkeit wagen möchten, bietet er ebenfalls Beispiellösungen an. Was wie ein langweiliges BWL-Lehrbuch klingt, ist tatsächlich höchst informativ und interessant, denn wer möchte nicht mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben haben? Die Lektüre ist gepaart mit Lachern und Aha-Momenten. Viele der Tipps kann man direkt umsetzten. Wie zum Beispiel die Restrukturierung des eigenen Zeitmanagements in puncto E-Mails. So schlägt er vor, dass man seine E-Mails nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters checken soll, um den Kopf in der übrigen Zeit frei für seine Aufgaben zu haben, was die Konzentration beim Arbeiten steigert und letzten Endes Zeit spart. Simpel, aber effizient. Sein Konzept gliedert sich in vier Schritte. Nach diesen Schritten ist das Buch in Kapitel unterteilt – der Ferriss‘sche Weg zum sogenannten „lifestyledesign“.

In Zeiten, in denen Zeit Mangelware ist, kommt diesen Buch wie gerufen. Es liest sich leicht. Dafür sorgen der lockere Schreibstil des Autors und die übersichtliche Unterteilung. Darüber hinaus machen die schemenhaften Palmen am Seitenrand Lust auf Urlaub und fungieren wie ein Reminder an den Leser, um diesen daran zu erinnern, warum er das Buch überhaupt liest – um weniger zu arbeiten und mehr Zeit am Strand zu verbringen. Das Konzept klingt plausibel und umsetzbar, nur einige Punkte wirken (moralisch) fragwürdig. So schreibt er beispielsweise, dass man Aufgaben delegieren und outsourcen soll. Am günstigsten würde man diesbezüglich mit unbezahlten Praktikanten fahren. Diese Form der Ausbeutung ist mehr als unangemessen und fast schon unverschämt. An diesen Stellen kann es Ferriss‘ charmanter Humor auch nicht überdecken, dass der kapitalistische Unternehmer durchblitzt. Manuela Fritz


Michael Tsokos
Dem Tod auf der Spur
Ullstein | jetzt erhältlich

In seinem zweiten Buch beleuchtet der bekannteste Rechtsmediziner Deutschlands einige der spannendsten Fälle seiner langjährigen Karriere und räumt nebenbei mit Mythen um den Beruf des Rechtsmediziners auf. Die dreizehn Fälle sind so spannend und für den Laien verständlich geschrieben, dass man das Buch nahezu an einem Stück durchlesen muss. Für Fans der dazugehörigen Sat.1 Serie und Hobby-Rechtsmediziner ist das Buch wärmstens zu empfehlen. Prof. Dr. Michael Tsokos, Jahrgang 1967, leitet das Institut für Rechtsmedizin der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin. Als Mitglied der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes war er an zahlreichen gerichtsmedizinischen Projekten im In- und Ausland beteiligt, u.a. 1998 in Bosnien. Für seinen Einsatz zur Identifizierung deutscher Tsunami-Opfer in Thailand erhielt er 2005 den Medienpreis Bambi. Manuela Fritz


J. D. Vance
Hillbilly-Elegie
Ullstein | jetzt erhältlich

Mit diesem Buch ist J.D. Vance etwas ganz Besonderes gelungen. Er hat die Geschichte seiner Familie niedergeschrieben und zugleich ein packendes und interessantes Buch über die Bewohner des sogenannten Rust Belts in den USA geschrieben. Damit ist „Hillbilly Elegie“ ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument, dass sehr gut die Umstände beleuchtet, unter denen Donald Trump US-Präsident werden konnte. Der Rust Belt war früher der Manufacturing Belt, die größte und älteste Industrieregion der USA. Mit harter Arbeit war ein sozialer Aufstieg möglich. Der Begriff „Hillbillys“ bezeichnet die Einwohner dieser Region und rührt vom Appalachengebirge her. Anfang der 1970er Jahre setzte dort der Niedergang der Industrie ein. Es folgten Armut, Perspektivlosigkeit und Apathie. J.D. Vance beschreibt diesen Ist-Zustand und erklärt zugleich die Gedankenwelt der Menschen dieser Region. Dieses Buch ist glänzend geschrieben, bewegt den Leser und reißt ihn mit. Richard-Heinrich Tarenz