05.07.2017

Die Frau im Mond -
Erinnerung an die Liebe

Von Richard-Heinrich Tarenz


© STUDIOCANAL

Frankreich, Anfang der vierziger Jahre. Gabrielle ist von der Sehnsucht erfüllt, die große Liebe zu erfahren. Doch mit ihren glühenden Liebesbriefen vertreibt die leidenschaftliche Bauerntochter jeden Verehrer. Erst nach Jahren in einer unglücklichen Vernunftehe scheint ihr ein spätes Glück gegönnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Die Frau im Mond - Erinnerung an die Liebe
F/B 2016 | STUDIOCANAL
: 06. Juli 2017
Regie: Nicole Garcia
Darsteller: Marion Cotillard, Louis Garrel,
Alex Brendemühl

 


Frankreich während der vierziger Jahre: In einer Zeit, in der Ehen eher zur Absicherung geschlossen werden und nicht aus Zuneigung, träumt die junge Gabrielle (Marion Cotillard) von der vollkommenen Liebe. Doch mit ihrer früh erwachten Sexualität löst sie in ihrem Heimartort einen handfesten Skandal aus. Man hält sie für verrückt bis ihre Eltern sie mit dem Saisonarbeiter José (Alex Brendemühl) verheiraten, der aus ihr eine ehrbare Frau machen soll. Doch in dieser Vernunftsehe fühlt sich Gabrielle lebendig begraben. Als sie dann wegen ihrer zerbrechlichen Gesundheit in ein Sanatorium in den Alpen geschickt wird, lernt sie den im Krieg verwundeten André Sauvage (Louis Garrel) kennen, der in ihr das Feuer leidenschaftlicher Liebe neu entfacht. Nach Jahren in einer falschen Ehe scheint ihr endlich etwas Glück vergönnt zu sein…


© STUDIOCANAL

„Die Frau im Mond“ von Regisseurin Nicole Garcia („Weekend für zwei“) basiert auf der literarischen Vorlage von Milena Agus. Dabei weicht der Film in wesentlichen Punkten ab von der Vorlage und geht neue, eigenständige Wege. Das wird mit Sicherheit vielen Fans des Buches nicht gefallen. Trotzdem ist „Die Frau im Mond“ ein gelungenes Drama mit einer überragenden Marion Cotillard („Inception“) in der Hauptrolle. Ist die literarische Vorlage noch stark fixiert auf die ideologischen Verwerfungen jener Zeit, konzentriert sich Nicole Garcia auf die menschlichen Aspekte dieser zutiefst anrührenden Geschichte. Es ist die Geschichte einer besonderen Frau, die ihren Weg geht. Sie geht diesen Weg gegen alle Widerstände von Seiten ihrer Familie und den vorherrschenden gesellschaftlichen Zwängen und Konventionen. Hantiert das Buch sehr viel mit sexuellen Rollenspielen und expliziten Darstellungen, geht der Film andere Wege.


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Er ist zutiefst mechanisch und reduktionistisch inszeniert und spiegelt damit hervorragend die innere Seelenwelt der Protagonisten wider. Nicht Leidenschaft oder sexuelle Energie sind das Thema. Es geht um eine Frau, die gefangen in ihren Zwängen versucht sich ihren Weg zu gehen. Für kitschige Romantik aus dem Roman ist da kein Platz. Es ist dieses kontrollierte Spiel von Marion Cotillard, welches dem Film seinen Glanz verleiht. Dagegen müssen die anderen Darsteller zwangsläufig verblassen. Der Twist zum Ende des Films, der in der literarischen Vorlage nicht existiert, entführt den Zuschauer in ein ambivalentes Verhältnis der Selbstbetrachtung.