18.10.2017

Wie zur Hölle machen wir unsere Gesundheit kaputt?

What the Health?


© Polyband Medien

Volkskrankheit Diabetes. Der Verursacher und Übeltäter ist schnell ausfindig gemacht – Zucker, der weiße Tod! Doch weit gefehlt. Kip Andersen und Keegan Kuhn, die Regisseure der Dokumentation „What the Health“ behaup-ten, dass der raffinierten Süße gar keine Schuld zuzuschreiben ist an der Krankheit, die in unserer überernährten Gesellschaft längst keine Frage des Alters mehr ist. Vielmehr seien es ein exzessiver Fleischkonsum und der Genuss von tierischen Lebensmitteln im Allgemeinen. Und vertuscht würden diese Erkenntnisse und die Entstehungsgründe für zahlreiche weitere ernährungsbedingte Krankheiten aufgrund wirtschaftlicher Interessen von der Lebensmittelindustrie, der Pharmaindustrie und sogar von der Regierung. Kann es tatsächlich sein, dass wir Jahrzehnte lang an der Nase herum geführt wurden? Von Manuela Fritz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





WHAT THE HEALTH
Polyband/WVG / : 29. September 2017
Regie: Kip Andersen, Keegan Kuhn
Dokumentation




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Du bist, was du isst! An diesem Spruch scheint tatsächlich etwas Wahres dran zu sein. Dass die Ernährung unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit beeinflusst, dass ist keine neue Erkenntnis. Dass die Gründe für Volkskrankheiten wie Diabetes, Krebs, Bluthochdruck und Arteriosklerose aber ganz andere als bisher angenommene Ursachen haben könnte, das ist tatsächlich neu. Die Regisseure Kip Andersen und Keegan Kuhn decken ein Uhrwerk auf, dessen Zahnräder geschickt ineinander passen. Das Uhrwerk sind die ernährungsbedingten Krankheiten. Die Zahnräder sind die Lebensmittelindustrie, die Regierung und die Pharmaindustrie, sowie Verbände und Organisationen, die sich der Bekämpfung von Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Co. Verschrieben haben. Die Verbraucher und Erkrankten werden angeblich mit Absicht dumm gehalten und mit falschen Informationen versorgt, um bloß nicht der Fleischindustrie zu entsagen, bzw. um niemals zu gesunden (denn das würde den großen Pharmakonzernen Milliarden-Einbußen bescheren).

Es soll eine regelrechte Strategie dahinter stecken, mit der bereits Kinder an ungesunde, fleischbasierte Nahrung in der Schule herangeführt werden, damit sie fettleibig und krank werden und letzten Endes zu zahlender Kundschaft für die Pharmaindustrie werden. Wir alle sind uns der Triebkraft des Lobbyismus bewusst. So entspricht es durchaus der Wahrheit, dass die Parteien sich verständigt haben um ihre jeweiligen Interessen durchzusetzen – die Regierung erhält Unterstützung in Sachen Wählerschaft und finanzieller Mittel. Im Gegenzug bleiben die verschiedenen Industrien durch Gesetzesreglungen geschützt. Ganz am Ende der Nahrungskette lacht die Pharmaindustrie, welcher Tag für Tag neue Kunden zugespielt werden. Diese Aufdeckung der „unfairen Machenschaften“ ist aber nur ein Aspekt der Doku. Im zweiten Schritt liefern Andersen und Kuhn Argumente die dafür sprechen, dass wir Menschen gar nicht auf tierische Nahrungsmittel angewiesen sind, sondern aus mehreren Gründen sowieso Pflanzenfresser sind.


© Polyband Medien

Theorien zu hundert Prozent Glauben schenken mag, bleibt natürlich jeden selbst überlassen. Die Argumente gegen den Konsum tierischer Lebensmittel klingen zumindest alle schlüssig und werden bewiesen. Sobald in der Doku davon geredet wird, dass in Kuhmilch Eiter enthalten ist und es sogar eine gesetzliche „Eiter-Freigrenze“ gibt, überlegt man sowieso, ob man sich nicht künftig vegan ernähren sollte.

Ein wenig abschreckend ist dabei allerding die „brainwash“-artige Darstellung von Expertenmeinungen gegen Ende des Films. Knapp 30 Minuten lang bekommt man gefühlt alle 10 Sekunden gesagt, dass vegane Ernährung der Schlüssel dafür sei, den Körper selbst zu heilen. So hat eine Frau angeblich ihren Schilddrüsenkrebs innerhalb eines Jahres mithilfe pflanzlicher Nahrung besiegt. Außerdem sieht man mehrere Beispiele von schwerkranken Menschen, die jeden Tag Unmassen an Medikamenten zu sich nehmen müssen. Am Ende des Films sieht man alle noch einmal – alle geheilt! Und dass nach nur zwei Wochen veganer Ernährung. Das scheint mir doch ein bisschen utopisch. Eine Frau mit Osteoarthritis, die am Rollator geht und fast 20 verschiedene Dosen und Tiegel mit Arznei nehmen muss, geht munter und optisch wie ein anderer Mensch die Straße entlang – ohne Rollator! Außerdem braucht sie angeblich kein einziges Medikament mehr. Man kann nur hoffen, dass er der Frau wirklich wieder gut geht ein wenig Zweifel an der Wunderwirkung der veganen Lebensweise bleibt dennoch.

Selbst wenn es stimmen sollte und vegane Ernährung unsere Gesellschaft heilen könnte? Was macht man dann mit dem Problem von behandeltem Obst und Gemüse, welches oft Rückstände von Düngern oder anderen Schadstoffen enthält? Vielleicht wäre das Stoff für die nächste Dokumentation von Andersen und Kuhn.