KINO | 10.06.2020

Nationalstrasse

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust sitzt ihm locker. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen.

von Richard-Heinrich Tarenz


© Jan Hromadko

Vandam (Hynek Cermak) ist in der Vorstadt groß geworden, dementsprechend groß ist seine Klappe und so locker sitzt auch seine Faust. Kein Wunder, dass sein Name an die französische Action-Legende Jean-Claude Van Damme erinnert. Noch nie hat Vandam seinen Bezirk verlassen und auf diese Tatsache ist er sichtlich stolz. Doch wenn man nicht über den Tellerrand hinausblickt, wird der eigene Horizont immer enger – und die Entwicklung der restlichen Welt macht nicht vor Stadtgrenzen halt. Denn wenn es Investoren in der Stadt zu eng wird, machen sie sich auf den umliegenden Gebieten breit. So geschieht es auch mit Vandams liebster Kneipe. Ein Immobilien-Investor hat es auf die Gaststätte abgesehen.

Sie soll abgerissen werden und Platz für Neues machen. Dazu kommt, dass die Kneipe Vandams heimlicher Liebe Lucka (Katerina Jandácková) gehört. Von nun an macht es sich der Vorstadt-Prolet zur Aufgabe, seine Kneipe und somit seine Flamme vor dem Aus zu retten. Dafür ist ihm jedes Mittel recht und er schreckt auch nicht vor ungewöhnlichen Maßnahmen zurück…


© Jan Hromadko

Der Film „Nationalstraße“, der am 11. Juni in den Kinos startet, basiert auf dem gleichnamigen Buch von Jaroslav Rudis, der hierzulande mit „Alois Nebel“ bekannt wurde. Der Film handelt vom Verabschieden und vom Loslassen. Das ist niemals einfach und mit Schmerz und Trauer verbunden. Es sind Symbole, Orte, Dinge, die symbolisch für die Vergangenheit stehen. Man möchte sie festhalten und so den Glanz der Vergangenheit bewahren. Doch oftmals ist der Blick auf die Vergangenheit verklärt und nicht objektiv. So kann Veränderung auch eine große Chance sein, sich neuen Dingen zu öffnen und sich weiterzuentwickeln. Was bedeutet Vergangenheit? Welchen Wert hat sie für uns? Kann man seine Vergangenheit so einfach hinter sich lassen, sie wegwerfen? So einfach geht das nicht, sind doch viele Gefühle mit eben dieser Vergangenheit verbunden. Genau diese Fragen verhandelt dieser Film auf eine sehr unterhaltsame und sehenswerte Art und Weise. Vandams Kneipe ist so ein Sehnsuchtsort, der für eine verklärte Vergangenheit steht. Wenig ansehnlich, aber voller Erinnerungen an eine goldene Vergangenheit, die es so gar nicht gab. Es ist ein Ort wo die Menschen von einer Vergangenheit träumen, die so nie stattgefunden hat.

Ein Ort, der mit vielen Emotionen behaftet ist und den man so schnell nicht hergibt. Der Film handelt aber auch von Gentrifizierung. Geld regiert die Welt und schafft sich eine schöne neue Heimat – auf Kosten vieler Menschen. Vandam ist in „Nationalstraße“ kein strahlender Held gegen Ungerechtigkeit. Vielmehr schlägt er verzweifelt wild um sich, um seine Würde zu bewahren und ohne wirklich zu wissen wofür er in die Schlacht zieht. Im Laufe des von Anfang aussichtslosen Kampfes beschreitet er den klassischen Weg der inneren Wandlung. Er erkennt seine Ausweglosigkeit und reflektiert zum ersten Mal über sich, seine Vergangenheit und seine Zukunft. Der Kampf als Mittel der Veränderung. „Nationalstraße“ ist eine sehenswerte Mischung aus Komödie und Drama mit einem tollen Hynek Cermák in der Hauptrolle.


NATIONALSTRASSE

Deutschland, Tschechische Republik 2019 | 42Film GmbH | Start: 11. Juni 2020 (FSK 16)
R: Stepan Altrichter | D: Hynek Cermák, Jan Cina, Katerina Jandácková


 

Verlosung zum Kinostart zu
NATIONALSTRASSE am 11. Juni 2020

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust sitzt ihm locker. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen.…

 

Wir verlosen 2 Bücher zum Film (NATIONALSTRASSE)
für ein spannendes Lesevergnügen!

Teilnahme ab 18 Jahre. Einsendeschluss ist der 15. Juni 2020. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Zur Teilnahme am Gewinnspiel bitte eine EMail an wildgewinnspiel@gmail.com senden.
Darin bitte folgende
Punkte aufführen: Vorname, Nachname, E-Mail, Anschrift (Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Stadt), Betreff: NATIONALSTRASSE

Mit der Teilnahme an diesem Gewinnspiel bestätigt der Teilnehmer / die Teilnehmerin,
dass er/sie die AGB gelesen und akzeptiert hat.

 


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