Ein Science-Fiction-Thriller
zwischen atmosphärischer Verdichtung und narrativer Vorhersehbarkeit.
„Control Room“ inszeniert Überwachung, Verantwortung
und Angst als technologische Ethikfrage. Zwischen Hommage und Genre-Repetition
entfaltet sich ein ambivalentes Zukunftsszenario.
„Control
Room“ ist ein Film, der sich bewusst in die Traditionslinie
des klassischen Science-Fiction-Horrors stellt und dabei unübersehbar
an die großen Mythen des Genres anknüpft. Die ikonografischen
Spuren des kosmischen Survival-Kinos – von industriellen Kolonien
auf feindlichen Planeten bis hin zu unsichtbaren, überlegenen
Lebensformen – sind nicht bloß Referenzen, sondern strukturierende
Elemente der gesamten Narration. Der Film operiert weniger als eigenständige
Neuschöpfung denn als Variation eines vertrauten Erzählmodells,
dessen archaische Kraft er formal durchaus versteht, dessen narrative
Erneuerung ihm jedoch nur bedingt gelingt. Das Grundszenario ist archetypisch:
Eine abgelegene Bergbaukolonie, bewohnt von Familien, gerät unter
den Angriff einer unbekannten, scheinbar unaufhaltsamen Bedrohung.
Im Zentrum steht Olivia, deren Position im titelgebenden Kontrollraum
sie zunächst zur distanzierten Beobachterin eines eskalierenden
Ausnahmezustands macht. Diese räumliche Trennung – Steuerzentrale
hier, Gefahrenzone dort – ist nicht nur funktional, sondern
symbolisch aufgeladen: Sie inszeniert Macht als mediale Vermittlung,
als Kontrolle durch Daten, Koordinaten und Bildpunkte auf Monitoren.
Der Mensch erscheint hier nicht als handelndes Subjekt, sondern als
Operator innerhalb eines technokratischen Systems. Die erste Hälfte
des Films nutzt dieses Setting bemerkenswert effektiv. Die Reduktion
auf abstrakte Bewegungen auf Bildschirmen, auf akustische Fragmente
und fragmentierte Kommunikation erzeugt eine Form von Spannung, die
weniger auf Schockeffekten als auf Imagination beruht. Bedrohung wird
nicht sichtbar gemacht, sondern auditiv und strukturell erfahrbar
– als Unsichtbarkeit, als Informationsdefizit, als Kontrollverlust
innerhalb eines Systems, das vorgibt, alles zu überwachen. In
diesen Momenten entfaltet „Control Room“ seine größte
ästhetische Stärke: als paranoides Überwachungsdrama,
in dem Technologie nicht Sicherheit, sondern Entfremdung produziert.
Problematisch wird der Film dort, wo er diese mediale Distanz aufgibt.
Sobald Olivia den geschützten Raum der Kontrolle verlässt
und selbst zur Akteurin im physischen Gefahrenraum wird, verschiebt
sich die Ästhetik vom klaustrophobischen Tech-Thriller zum konventionellen
Monsterfilm. Die zuvor aufgebaute Spannung der Unsichtbarkeit transformiert
sich in eine Abfolge vorhersehbarer Überlebensmotive, deren Dramaturgie
kaum Überraschungen bereithält.
Die
narrative Entwicklung folgt dabei einem streng teleologischen Muster:
von der distanzierten Funktionsträgerin zur moralisch geläuterten
Retterfigur. Diese Transformation ist thematisch schlüssig, dramaturgisch
jedoch allzu transparent. Olivias biografischer Hintergrund –
traumatische Vergangenheit, emotionale Bindungsängste, institutionelle
Loyalität – ist weniger psychologisch komplex als symbolisch
funktional. Sie steht für den Typus der technokratisch sozialisierten
Subjektivität: regelorientiert, rationalisiert, emotional entkoppelt.
Ihre Entwicklung zur empathischen Heldin ist folgerichtig, aber so
klar antizipierbar, dass sie kaum narrative Spannung erzeugt. Die
Figurenkonstellation wirkt dabei weniger wie ein organisches Beziehungsgeflecht
als wie eine archetypische Struktur aus Pflicht, Schuld und Erlösung.
Auch die Darstellung der Bedrohung bleibt ambivalent. Die Entscheidung,
die Angreifer visuell weitgehend zu verbergen, verleiht ihnen zunächst
eine mythische Qualität, verliert jedoch im Verlauf des Films
an Wirkung. Was als atmosphärische Strategie beginnt, wird zunehmend
zur ästhetischen Leerstelle, da die Unsichtbarkeit nicht mehr
als Spannungsträger, sondern als erzählerische Routine erscheint.
Die Bedrohung bleibt abstrakt – nicht im philosophischen, sondern
im dramaturgischen Sinne. Formal überzeugt „Control Room“
durch präzise Inszenierung, stringente Raumdramaturgie und eine
klare visuelle Ordnung. Inhaltlich jedoch bleibt der Film in einer
paradoxen Zwischenposition: Er reflektiert die Illusion von Kontrolle
in technologischen Systemen, reproduziert aber zugleich klassische
narrative Kontrollmechanismen des Genres. Die Geschichte bewegt sich
innerhalb bekannter Bahnen, ohne diese substanziell zu transformieren.
So entsteht ein Film, der in seiner Anlage intelligenter ist als in
seiner Ausführung. Seine stärksten Momente liegen in der
Reduktion, in der Abstraktion, in der medialen Vermittlung von Angst
– seine schwächsten in der heroischen Konventionalisierung
des Ausnahmezustands. „Control Room“ ist damit weniger
eine innovative Genreerweiterung als eine formal solide, atmosphärisch
dichte Variation bekannter Motive. In der Gesamtbetrachtung bleibt
ein ambivalentes Werk: technisch versiert, ästhetisch kontrolliert,
dramaturgisch jedoch vorhersehbar. Ein Film, der mehr verspricht,
als er letztlich einlöst – und gerade deshalb als interessantes
Studienobjekt für die gegenwärtige Science-Fiction-Ästhetik
fungiert. Der Sci-Fi-Horror-Film erscheint am 17. Juli für das
Heimkino und bietet damit die Möglichkeit, ihn in einem konzentrierten
Rezeptionsraum zu bewerten – als atmosphärische Genrearbeit
zwischen technologischem Existenzialismus und narrativer Konventionalität.
CONTROL ROOM
ET:
17.07.25: digital / 24.07.25: DVD & Blu-ray | FSK 16
R: Luiso Berdejo | D: Loreto Mauleón, Oscar Casas, Aitor
Luna
Spanien 2025 | PLAION PICTURES