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DVD & BLU-RAY | 16.07.2025

CONTROL ROOM

Ein Science-Fiction-Thriller zwischen atmosphärischer Verdichtung und narrativer Vorhersehbarkeit. „Control Room“ inszeniert Überwachung, Verantwortung und Angst als technologische Ethikfrage. Zwischen Hommage und Genre-Repetition entfaltet sich ein ambivalentes Zukunftsszenario.

von Franziska Keil


© PLAION PICTURES

„Control Room“ ist ein Film, der sich bewusst in die Traditionslinie des klassischen Science-Fiction-Horrors stellt und dabei unübersehbar an die großen Mythen des Genres anknüpft. Die ikonografischen Spuren des kosmischen Survival-Kinos – von industriellen Kolonien auf feindlichen Planeten bis hin zu unsichtbaren, überlegenen Lebensformen – sind nicht bloß Referenzen, sondern strukturierende Elemente der gesamten Narration. Der Film operiert weniger als eigenständige Neuschöpfung denn als Variation eines vertrauten Erzählmodells, dessen archaische Kraft er formal durchaus versteht, dessen narrative Erneuerung ihm jedoch nur bedingt gelingt. Das Grundszenario ist archetypisch: Eine abgelegene Bergbaukolonie, bewohnt von Familien, gerät unter den Angriff einer unbekannten, scheinbar unaufhaltsamen Bedrohung. Im Zentrum steht Olivia, deren Position im titelgebenden Kontrollraum sie zunächst zur distanzierten Beobachterin eines eskalierenden Ausnahmezustands macht. Diese räumliche Trennung – Steuerzentrale hier, Gefahrenzone dort – ist nicht nur funktional, sondern symbolisch aufgeladen: Sie inszeniert Macht als mediale Vermittlung, als Kontrolle durch Daten, Koordinaten und Bildpunkte auf Monitoren. Der Mensch erscheint hier nicht als handelndes Subjekt, sondern als Operator innerhalb eines technokratischen Systems. Die erste Hälfte des Films nutzt dieses Setting bemerkenswert effektiv. Die Reduktion auf abstrakte Bewegungen auf Bildschirmen, auf akustische Fragmente und fragmentierte Kommunikation erzeugt eine Form von Spannung, die weniger auf Schockeffekten als auf Imagination beruht. Bedrohung wird nicht sichtbar gemacht, sondern auditiv und strukturell erfahrbar – als Unsichtbarkeit, als Informationsdefizit, als Kontrollverlust innerhalb eines Systems, das vorgibt, alles zu überwachen. In diesen Momenten entfaltet „Control Room“ seine größte ästhetische Stärke: als paranoides Überwachungsdrama, in dem Technologie nicht Sicherheit, sondern Entfremdung produziert. Problematisch wird der Film dort, wo er diese mediale Distanz aufgibt. Sobald Olivia den geschützten Raum der Kontrolle verlässt und selbst zur Akteurin im physischen Gefahrenraum wird, verschiebt sich die Ästhetik vom klaustrophobischen Tech-Thriller zum konventionellen Monsterfilm. Die zuvor aufgebaute Spannung der Unsichtbarkeit transformiert sich in eine Abfolge vorhersehbarer Überlebensmotive, deren Dramaturgie kaum Überraschungen bereithält.


© PLAION PICTURES

Die narrative Entwicklung folgt dabei einem streng teleologischen Muster: von der distanzierten Funktionsträgerin zur moralisch geläuterten Retterfigur. Diese Transformation ist thematisch schlüssig, dramaturgisch jedoch allzu transparent. Olivias biografischer Hintergrund – traumatische Vergangenheit, emotionale Bindungsängste, institutionelle Loyalität – ist weniger psychologisch komplex als symbolisch funktional. Sie steht für den Typus der technokratisch sozialisierten Subjektivität: regelorientiert, rationalisiert, emotional entkoppelt. Ihre Entwicklung zur empathischen Heldin ist folgerichtig, aber so klar antizipierbar, dass sie kaum narrative Spannung erzeugt. Die Figurenkonstellation wirkt dabei weniger wie ein organisches Beziehungsgeflecht als wie eine archetypische Struktur aus Pflicht, Schuld und Erlösung. Auch die Darstellung der Bedrohung bleibt ambivalent. Die Entscheidung, die Angreifer visuell weitgehend zu verbergen, verleiht ihnen zunächst eine mythische Qualität, verliert jedoch im Verlauf des Films an Wirkung. Was als atmosphärische Strategie beginnt, wird zunehmend zur ästhetischen Leerstelle, da die Unsichtbarkeit nicht mehr als Spannungsträger, sondern als erzählerische Routine erscheint. Die Bedrohung bleibt abstrakt – nicht im philosophischen, sondern im dramaturgischen Sinne. Formal überzeugt „Control Room“ durch präzise Inszenierung, stringente Raumdramaturgie und eine klare visuelle Ordnung. Inhaltlich jedoch bleibt der Film in einer paradoxen Zwischenposition: Er reflektiert die Illusion von Kontrolle in technologischen Systemen, reproduziert aber zugleich klassische narrative Kontrollmechanismen des Genres. Die Geschichte bewegt sich innerhalb bekannter Bahnen, ohne diese substanziell zu transformieren. So entsteht ein Film, der in seiner Anlage intelligenter ist als in seiner Ausführung. Seine stärksten Momente liegen in der Reduktion, in der Abstraktion, in der medialen Vermittlung von Angst – seine schwächsten in der heroischen Konventionalisierung des Ausnahmezustands. „Control Room“ ist damit weniger eine innovative Genreerweiterung als eine formal solide, atmosphärisch dichte Variation bekannter Motive. In der Gesamtbetrachtung bleibt ein ambivalentes Werk: technisch versiert, ästhetisch kontrolliert, dramaturgisch jedoch vorhersehbar. Ein Film, der mehr verspricht, als er letztlich einlöst – und gerade deshalb als interessantes Studienobjekt für die gegenwärtige Science-Fiction-Ästhetik fungiert. Der Sci-Fi-Horror-Film erscheint am 17. Juli für das Heimkino und bietet damit die Möglichkeit, ihn in einem konzentrierten Rezeptionsraum zu bewerten – als atmosphärische Genrearbeit zwischen technologischem Existenzialismus und narrativer Konventionalität.


CONTROL ROOM

ET: 17.07.25: digital / 24.07.25: DVD & Blu-ray | FSK 16
R: Luiso Berdejo | D: Loreto Mauleón, Oscar Casas, Aitor Luna
Spanien 2025 | PLAION PICTURES


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