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DVD & BLU-RAY | 23.07.2025

DIE LAUTLOSEN

Ein Heist-Movie von nüchterner Konsequenz und kühler Präzision. „Die Lautlosen – Der perfekte Coup“ seziert kriminelle Ökonomie ohne romantische Verklärung. Zwischen True-Crime-Chronik und Thriller entfaltet sich ein Drama der Selbstüberschätzung. Ein distanziertes, aber nachhaltiges Genrewerk von bedrückender Aktualität.

von Franziska Keil


© PLAION PICTURES

„Die Lautlosen – Der perfekte Coup“ reiht sich in jene Tradition des europäischen Heist-Kinos ein, die weniger an der Glorifizierung des Verbrechens interessiert ist als an dessen struktureller, beinahe soziologischer Durchdringung. Der Film erzählt keinen Coup als Triumph, sondern als Prozess zunehmender Verengung: eine Abfolge von Entscheidungen, die aus ökonomischem Druck, verletztem Stolz und fataler Selbstüberschätzung hervorgehen. Damit positioniert sich das Werk bewusst fernab jener mythischen Überhöhung, die das Genre seit Jahrzehnten begleitet, und nähert sich stattdessen einer ernüchternden Chronik organisierter Gewalt. Ausgangspunkt ist ein gescheiterter Raubüberfall, der nicht nur narrativ, sondern auch ästhetisch als Menetekel fungiert. Diese frühe Sequenz setzt den Ton: kalt, effizient, ohne spektakuläre Überhöhung. Von hier aus entfaltet der Film seine eigentliche Geschichte im suburbanen Raum, wo mit Kasper eine Hauptfigur eingeführt wird, deren physische Präsenz in scharfem Kontrast zu ihrer existenziellen Prekarität steht. Der Körper als Kapital – einst im Boxring ein Versprechen – wird nun zum letzten Pfand in einem System, das keinen Aufstieg mehr bereithält. Kaspers Motivation bleibt bewusst unterbestimmt. Weder seine Vergangenheit noch seine finanziellen Zwänge werden explizit ausbuchstabiert, was die Figur weniger psychologisch vertieft als vielmehr funktional erscheinen lässt. Gerade darin liegt jedoch eine programmatische Entscheidung: „Die Lautlosen“ interessiert sich weniger für individuelle Innenwelten als für Rollen innerhalb eines kriminellen Apparats. Kasper ist Projektionsfläche, nicht Held – der einzige halbwegs identifikatorische Anker in einem Ensemble, das von Misstrauen, instrumentellen Beziehungen und latenter Gewalt geprägt ist. Die Gegenspieler und Komplizen bleiben skizzenhaft, fast austauschbar. Besonders die Figur des Strippenziehers Slimani wird nicht psychologisch vertieft, sondern als strukturelle Bedrohung inszeniert: manipulierend, rücksichtslos, emotionslos. Auch hier verweigert der Film klassische Dramatisierung zugunsten einer spröden Sachlichkeit, die Gewalt nicht erklärt, sondern als gegebenen Bestandteil eines ökonomischen Kalküls ausstellt.


© PLAION PICTURES

Beziehungen – selbst intime – erscheinen als Mittel zum Zweck und werden folgerichtig fallengelassen, sobald sie ihre Funktion verlieren. Formal unterstützt diese Haltung eine Bildsprache von auffälliger Distanz. Die Kamera beobachtet, statt zu umarmen, und wahrt selbst in Momenten höchster Spannung eine kontrollierte Zurückhaltung. Große ikonische Set-Pieces bleiben aus; stattdessen entwickelt sich die Spannung aus Verdichtung, aus der stetigen Erweiterung eines fragilen Plans, der mit jedem neuen Beteiligten instabiler wird. Der eigentliche Überfall markiert nicht den Höhepunkt, sondern den Kipppunkt: Ab hier dominiert nicht mehr Planung, sondern Schadensbegrenzung. Erst im letzten Akt gewinnt der Film zusätzliche Schärfe, wenn die Konsequenzen des Verbrechens unausweichlich werden. Die narrative Perspektive verschiebt sich von der Durchführung zur Abwicklung, vom illegalen Erfolg zur juristischen Realität. Besonders eindrücklich ist dabei der Kontrast zwischen dem enormen finanziellen Schaden und der geringen Rückgewinnung der Beute – ein nüchterner Schlussakkord, der den Mythos des perfekten Coups endgültig entzaubert. Musikalisch wird diese Atmosphäre von einer elektronischen, pulsierenden Komposition getragen, die weniger emotionalisiert als vielmehr unter Spannung setzt. Die Anklänge an klassische Thriller-Scores der späten 1970er- und 1980er-Jahre verleihen dem Film eine zeitlose Qualität, ohne ihn nostalgisch wirken zu lassen. Ton und Bild arbeiten hier konsequent an einer Ästhetik der Kälte, die das Publikum auf Distanz hält – vielleicht zu sehr, um nachhaltige emotionale Bindung zu erzeugen, aber ausreichend, um intellektuell zu fesseln. In der Summe ist „Die Lautlosen – Der perfekte Coup“ ein kontrolliertes, handwerklich präzises Genrewerk, das seine Stärken in Struktur, Atmosphäre und Konsequenz findet, weniger in Figurenzeichnung oder ikonischer Wucht. Gerade diese Zurückhaltung macht den Film zu einem interessanten Gegenentwurf zu glamourösen Heist-Narrativen: ein Thriller über Kriminalität als Sackgasse, nicht als Verheißung. Dass dieser Filmklassiker am 24. Juli für das Heimkino erscheint, bietet nun die Gelegenheit, ihn in Ruhe als das zu betrachten, was er ist: eine kühle, fast dokumentarische Studie über das Scheitern krimineller Rationalität – und über die Illusion, Gewalt ließe sich jemals vollständig kontrollieren.


DIE LAUTLOSEN

ET: 24.07.25: digital, DVD & Blu-ray | FSK 16
R: Frederik Louis Hviid | D: Gustav Dyekjaer Giese, Amanda Collin
Dänemark, Frankreich 2024 | PLAION PICTURES


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