BUGONIA
entfaltet ein verstörend präzises Duell zwischen Konzernmacht
und radikalisierter Gegenwehr. Yorgos Lanthimos seziert moralische
Gewissheiten mit kalter Eleganz und schwarzem Humor. Ein schonungslos
faszinierendes Filmereignis über Verantwortung, Gewalt und zeitgenössische
Entfremdung.
Mit
BUGONIA, nun erstmals als Premium Digital Release fürs Heimkino
verfügbar, setzt Yorgos Lanthimos seine einzigartige Erkundung
moralischer Grenzräume konsequent fort. Der Film erweist sich
als weiteres Glied in jener Kette von Werken, mit denen der griechische
Regisseur das Publikum dazu zwingt, sich mit Figuren zu identifizieren,
deren Weltbilder, Handlungen und ethische Koordinaten zutiefst verstören.
Gerade in dieser Zumutung liegt die besondere Stärke von Bugonia:
Der Film ist weniger als Erzählung im klassischen Sinne angelegt
denn als kalkuliertes Kräftemessen zweier radikal gegensätzlicher,
gleichermaßen problematischer Existenzen. Im Zentrum steht Michelle
Fuller, Vorstandsvorsitzende eines global agierenden Pharmaunternehmens,
dessen architektonische Kälte und ästhetische Perfektion
die ideologische Glätte moderner Konzernkulturen widerspiegeln.
Emma Stone verkörpert diese Figur mit einer kontrollierten, beinahe
manischen Eloquenz, die permanent Nähe, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein
simuliert. Ihre Sprache ist ein Werkzeug der Verschleierung, ihre
permanente Kommunikationsbereitschaft Ausdruck einer Macht, die sich
hinter Begriffen wie Transparenz, Diversität und individueller
Freiheit verschanzt. Lanthimos inszeniert diese Corporate-Rhetorik
als ritualisierte Performance, in der jede scheinbar progressive Geste
zugleich ein Akt subtiler Gewalt ist. Stone nutzt dabei bewusst jene
Empathie, die ihr Spiel sonst prägt, als ironisches Gegengift.
Gerade weil ihre Michelle so geschult darin ist, Fürsorge zu
behaupten, wirkt ihre innere Leere umso schärfer konturiert.
Die Figur verkörpert eine zeitgenössische Form des Soziopathischen,
die nicht mehr auf offene Rücksichtslosigkeit setzt, sondern
auf moralische Selbstinszenierung. BUGONIA legt diese Mechanismen
mit chirurgischer Präzision frei und reiht sich damit in eine
filmische Tradition ein, die von Kubrick bis zum exzessiven Politkino
der 1990er-Jahre reicht, dabei jedoch eine ganz eigene, spielerisch-grausame
Tonlage findet. Der Gegenpol zu Michelle ist Teddy, ein isolierter
Außenseiter, der fernab urbaner Ordnungssysteme auf einem heruntergekommenen
Anwesen lebt.
Jesse
Plemons hat seine Physis und Ausstrahlung radikal transformiert, um
diese Figur als gebrochene, zugleich gefährlich fokussierte Existenz
erfahrbar zu machen. Teddy ist ein Mann, dessen ökologisches
Bewusstsein und persönlicher Verlust sich zu einem obsessiven
Racheimpuls verdichtet haben. Seine Wahrnehmung der Welt ist von Misstrauen,
Ressentiment und einer toxischen Mischung aus Ohnmacht und Sendungsbewusstsein
geprägt. Lanthimos vermeidet es konsequent, Teddy als moralisches
Gegengewicht zur Konzernmacht zu idealisieren. Vielmehr entlarvt der
Film auch seine Ideologie als verkürzt, gewaltförmig und
letztlich zutiefst menschenfeindlich. Das Verhältnis zwischen
Teddy und Michelle entwickelt sich so zu einem Duell, in dem keine
Seite moralische Überlegenheit beanspruchen kann. Beide Figuren
stehen exemplarisch für extreme Ausformungen einer Gesellschaft,
in der Verantwortung entweder delegiert oder fanatisch individualisiert
wird. Formal ist BUGONIA von einer kühlen Strenge geprägt,
die die psychologischen Machtspiele zusätzlich akzentuiert. Lanthimos’
präzise Bildkompositionen, die kontrollierte Kameraführung
und der bewusst reduzierte Einsatz von Musik erzeugen eine Atmosphäre
permanenter Anspannung. Gewalt – physisch wie strukturell –
wird nicht spektakulär ausgestellt, sondern als logische Konsequenz
ideologischer Verhärtung präsentiert. Der Film zwingt sein
Publikum, die eigene Faszination für moralische Radikalität
zu reflektieren, ohne einfache Distanzierungsangebote zu machen. Gerade
im Heimkino entfaltet BUGONIA seine volle Wirkung. Die konzentrierte
Rezeption verstärkt das Gefühl eines hermetischen Experiments,
in dem jede Geste, jeder Dialog und jede Verschiebung der Machtverhältnisse
genau kalkuliert ist. Lanthimos gelingt es, ökologische Fragen,
Kapitalismuskritik und Psychogramme moderner Einsamkeit nicht zu illustrieren,
sondern miteinander kollidieren zu lassen. So erweist sich BUGONIA
als ebenso beunruhigendes wie intellektuell stimulierendes Werk: ein
Film, der sein Publikum nicht belehrt, sondern in ein moralisches
Spannungsfeld hineinzieht, aus dem es keine sauberen Auswege gibt.
In seiner kompromisslosen Haltung und formalen Konsequenz bestätigt
Lanthimos einmal mehr seinen Rang als einer der schärfsten Chronisten
einer Gegenwart, in der Empathie zur Ware und Gewalt zur vermeintlichen
Lösung wird.
BUGONIA
Exklusiv
digital zum Kaufen oder Leihen | FSK 16
R: Yorgos Lanthimos | D: Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis
Großbritannien, Südkorea 2025 | Universal
EXKLUSIVE
BONUS-FEATURES (NUR VERFÜGBAR BEI APPLE TV):
DIE GEBURT DER BIENEN: DIE ENTSTEHUNG VON BUGONIA