Ein Bär,
ein Geldfund und ein Dorf, das lieber schweigt als explodiert: „How
To Make A Killing“ kultiviert die Kunst der leisen Eskalation.
Zwischen Krimi, Thriller und schwarzer Komödie entfaltet sich
ein präzise beobachtetes Gesellschaftspanorama. Franck Dubosc
setzt auf Gelassenheit statt Sensation – und gewinnt gerade
dadurch an Schärfe.
„How
To Make A Killing“ ist ein Film, der sich demonstrativ jeder
Form von dramaturgischer Hast verweigert – und gerade daraus
seine eigentümliche Kraft bezieht. Inmitten der winterlichen
Abgeschiedenheit des französischen Juragebirges entfaltet sich
eine Kette von Ereignissen, deren Auslöser ebenso zufällig
wie symbolisch ist: das Auftauchen eines Bären. Was folgt, ist
kein reißerischer Thriller, sondern eine sorgfältig austarierte
Studie über Zufall, Schuld und die trügerische Hoffnung,
dass sich moralische Entscheidungen im Stillen treffen ließen.
Der Film erzählt von Menschen, die nicht nach dem Verbrechen
suchen, sondern über es stolpern. Michel, ein verschuldeter Christbaumverkäufer,
und seine Frau Cathy geraten durch einen Unfall in den Besitz eines
enormen Geldbetrags – und damit in ein moralisches Vakuum. Dubosc
interessiert sich weniger für die Frage, ob diese Entscheidung
falsch ist, als dafür, wie selbstverständlich sie im Alltag
verankert wird. Die Figuren handeln nicht aus Gier, sondern aus Überforderung,
aus dem Wunsch nach Ordnung in einem Leben, das längst aus den
Fugen geraten ist. Diese Perspektive verleiht dem Film eine leise
Humanität, die selbst im Angesicht steigender Opferzahlen nicht
verloren geht. Formal verbindet „How To Make A Killing“
Elemente des Thrillers, des Kriminalfilms und der schwarzen Komödie,
ohne sich je eindeutig festzulegen. Die Gewalt tritt beiläufig
auf, fast unkommentiert, und wirkt gerade deshalb nachhaltiger. Der
Bodycount ist beträchtlich, doch Dubosc inszeniert ihn ohne Schauwert,
ohne voyeuristische Zuspitzung. Stattdessen dominiert eine französische
Gelassenheit, die Panik und Pathos konsequent meidet. In dieser kontrollierten
Tonlage erinnert der Film an jene existenziellen Noir-Erzählungen,
in denen das Verhängnis nicht von außen hereinbricht, sondern
sich langsam aus alltäglichen Entscheidungen zusammensetzt. Besonders
bemerkenswert ist das Figurenensemble, das den Film trägt. Sowohl
auf Seiten der provinziellen Polizei als auch innerhalb der Bauernfamilie
begegnet man Menschen, die nicht inkompetent, sondern schlicht begrenzt
sind – sprachlich, emotional, institutionell.
Der
alternde Ermittler Major Bodin ist weniger Hüter der Ordnung
als Verwalter des Unzulänglichen: familiäre Spannungen,
bürokratische Hürden und eine Dorfgemeinschaft, die Konflikte
lieber verdrängt als aufarbeitet. In dieser Konstellation wird
das Verbrechen nicht zur Ausnahme, sondern zur logischen Konsequenz
sozialer Reibungslosigkeit. Dass „How To Make A Killing“
trotz seiner vergleichsweise konventionellen Grundidee überzeugt,
liegt an seiner Atmosphäre. Der Film lebt von skurrilen Details,
von scheinbar nebensächlichen Motiven – einem Swingerclub,
Eheproblemen, vorweihnachtlichem Stress –, die sich zu einem
dichten Geflecht aus Alltäglichkeit und Abgrund verbinden. Die
Laufzeit von knapp zwei Stunden erweist sich dabei als ambivalent:
Die erzählerische Ruhe schlägt stellenweise in Dehnung um,
einzelne Szenen wirken ausgestellt. Doch auch diese Längen fügen
sich in das Gesamtbild eines Films, der lieber verweilt als zuspitzt.
Franck Dubosc, der hier zugleich Hauptdarsteller, Drehbuchautor und
Regisseur ist, beweist ein feines Gespür für Tonalität,
auch wenn die Mehrfachbelastung gelegentlich sichtbar wird. Seine
Inszenierung vertraut darauf, dass das Publikum Zwischentöne
wahrnimmt: das Unbehagen hinter der Komik, die Melancholie unter der
Kriminalhandlung. Logische Brüche – etwa die erstaunlich
lange Unbeobachtetheit von Tatorten – lassen sich dabei als
Teil einer bewusst unrealistischen Dorfwelt lesen, in der Zeit und
Konsequenzen anders funktionieren. So erweist sich „How To Make
A Killing“ als ein Film von stiller Nachhaltigkeit. Er verzichtet
auf Weihnachtskitsch, ohne die Jahreszeit zu verleugnen, und entfaltet
einen morbiden Charme, der zur Wiederentdeckung einlädt. Gerade
in seiner Zurückhaltung liegt seine Qualität: als lakonische
Parabel über das Scheitern moralischer Kontrolle und als Beweis
dafür, dass Spannung nicht aus Tempo, sondern aus präziser
Beobachtung entstehen kann. Dass dieser moderne Klassiker ab dem 6.
Februar auf DVD, Blu-ray und digital für das Heimkino erscheint,
bietet die willkommene Gelegenheit, seine feinen Verschiebungen und
leisen Grausamkeiten erneut – oder erstmals – zu würdigen.
DAS TIEFSTE BLAU
ET:
06.02.26: DVD, Blu-ray & digital | FSK 16
R: Franck Dubosc | D: Franck Dubosc, Laure Calamy, Benoît
Poelvoorde
Frankreich 2024 | Weltkino