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DVD & BLU-RAY | 11.02.2026

KAMASUTRA – LUST UND RACHE

Ein Film zwischen Anspruch und Ausschweifung, zwischen Mythos und Marktschreierei. „Kamasutra – Lust und Rache“ sucht die große Synthese aus Erotik, Philosophie und Spektakel. Gefunden wird vor allem ein ästhetisches Versprechen, das erzählerisch nicht eingelöst wird.

von Franziska Keil


© Busch Media Group

„Kamasutra – Lust und Rache“ ist ein Film, der von Beginn an mit Übermaß operiert. Erotik, Mythologie, Action, Musik und philosophischer Tiefgang sollen sich zu einem provokanten Gesamterlebnis verbinden. Dieses ambitionierte Vorhaben verortet den Film in der Tradition des exotistischen Historienkinos, das weniger an narrativer Stringenz interessiert ist als an der Suggestion von Sinnlichkeit und kultureller Tiefe. Doch genau an dieser Stelle beginnt das grundlegende Problem des Werks: Die Vielzahl der ästhetischen Versprechen steht in keinem stabilen Verhältnis zu seiner erzählerischen Substanz. Im Zentrum stehen zwei weibliche Figuren, deren Lebenswege von Machtkämpfen, Intrigen und patriarchaler Gewalt bestimmt werden. Der Film greift Motive von Zwangsheirat, Rivalität und Vergeltung auf, bleibt jedoch auffallend oberflächlich in der Ausarbeitung dieser Konflikte. Die Handlung fungiert weniger als dramatisches Rückgrat denn als lose Abfolge von Situationen, die primär dazu dienen, visuelle Attraktionen und erotische Tableaus aneinanderzureihen. Psychologische Entwicklung wird dabei weitgehend durch symbolische Gesten ersetzt. Gerade die Erotikszenen, die dem Film seinen programmatischen Titel verleihen, offenbaren diese Leerstelle. Sie folgen einem repetitiven Muster und entfalten weder narrative Spannung noch emotionale Progression. Lust erscheint hier nicht als Ausdruck von Macht, Intimität oder Erkenntnis, sondern als bloßes Schauobjekt. Damit verfehlt der Film nicht nur sein philosophisches Ziel, sondern entleert auch die Erotik selbst ihrer transgressiven Kraft. Hinzu kommen musikalische und tänzerische Einlagen, die sich formal am indischen Kino orientieren, dramaturgisch jedoch kaum integriert sind. Statt den Rhythmus des Films zu strukturieren oder emotionale Verdichtung zu erzeugen, unterbrechen sie den ohnehin fragmentierten Erzählfluss. Ähnliches gilt für die Actionsequenzen, die schwach choreografiert und uneinheitlich montiert wirken.


© Busch Media Group

Musik und Bild stehen hier oft in einem irritierenden Missverhältnis, das jede Form von Spannung unterläuft. Visuell hingegen zeigt „Kamasutra – Lust und Rache“ unbestreitbare Ambitionen. Fantastische Elemente, exotische Schauplätze und mythologische Versatzstücke erzeugen einzelne eindrucksvolle Momente, die jedoch isoliert bleiben. Sie wirken wie Ausstellungstücke innerhalb eines Films, der es nicht schafft, diese Bilder funktional zu verknüpfen. Die häufig eingesetzte Zeitlupe verstärkt diesen Eindruck: Statt Erhabenheit zu erzeugen, legt sie technische Schwächen offen und verleiht dem Film stellenweise eine unfreiwillig amateurhafte Anmutung. Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich auf solidem Niveau, ohne jedoch Akzente zu setzen. Die Figuren bleiben Typen, ihre Motivationen schematisch. Dass der Film einst mit Superlativen beworben wurde, steht in auffälligem Kontrast zu seiner tatsächlichen Wirkung. Weder gelingt es ihm, als erotisches Kino zu provozieren, noch als historisches Drama zu überzeugen. Besonders deutlich wird dieses Scheitern im Umgang mit seiner literarisch-philosophischen Referenz. Der Versuch, zentrale Gedanken des Kamasutra – Lust als Erkenntnisform, als soziale und spirituelle Praxis – filmisch zu verarbeiten, bleibt auf der Ebene der Behauptung stehen. Komplexe Ideen über Begehren, Macht und Körperlichkeit werden auf dekorative Konflikte reduziert, Dialoge wirken häufig gestelzt und erklärend. „Kamasutra – Lust und Rache“ ist somit ein Film der großen Ambitionen und der begrenzten filmischen Umsetzung. Er schwankt zwischen erotischem Spektakel und pseudophilosophischem Anspruch, ohne eines von beidem konsequent einzulösen. Als filmhistorisches Dokument eines überschätzten Grenzgangs mag er heute von Interesse sein – zumal er seit dem 15. Januar auf DVD, Blu-ray und digital fürs Heimkino verfügbar ist. Als geschlossenes Kunstwerk jedoch bleibt er ein Beispiel dafür, wie schnell Überladung in Beliebigkeit umschlagen kann.


KAMASUTRA – LUST UND RACHE

ET: 15.01.26: DVD, Blu-ray & digital | FSK 16
R: Rupesh Paul | D: Sherlyn Chopra, Milind Gunaji, Nassar
USA, Indien 2014 | Busch Media Group


 


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