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DVD & BLU-RAY | 11.02.2026

ALL DAS UNGESAGTE ZWISCHEN UNS

Ein Melodram der großen Gefühle und der kleinen Nuancen. „All das Ungesagte zwischen uns“ verhandelt Liebe, Verlust und Verrat im Modus des Übermaßes. Zwischen emotionaler Wucht und dramaturgischer Ermüdung sucht der Film nach Wahrhaftigkeit.

von Franziska Keil


© Constantin Film Distribution GmbH

Josh Boones Verfilmung von Colleen Hoovers Roman „Regretting You“, im Deutschen unter dem Titel „All das Ungesagte zwischen uns“ erschienen, reiht sich nahtlos in eine Tradition des populären Liebesdramas ein, das weniger auf Ambivalenz als auf emotionale Intensität setzt. Der Film entfaltet ein Panorama aus verpassten Chancen, familiären Verwerfungen und generationsübergreifenden Projektionen, das bewusst auf maximale affektive Wirkung zielt – und sich genau daran mitunter übernimmt. Die Erzählung spannt einen weiten zeitlichen Bogen: von einer jugendlichen Freundesgruppe in den späten 2000er-Jahren bis zu den Konsequenzen ihrer Entscheidungen fast zwei Jahrzehnte später. Im Zentrum steht eine Mutter-Tochter-Konstellation, deren Beziehung von unausgesprochenen Konflikten, enttäuschten Erwartungen und spiegelbildlichen Liebeserfahrungen geprägt ist. Diese Parallelführung zweier Coming-of-Age-Geschichten – die eine rückblickend, die andere im Vollzug – bildet das konzeptuelle Rückgrat des Films. Seine dramaturgische Zäsur findet das Werk in einem plötzlichen, schicksalhaften Ereignis, das nicht nur familiäre Gewissheiten zerstört, sondern auch die moralischen Fundamente der Figuren erschüttert. Untreue fungiert hier weniger als individueller Fehltritt denn als tektonische Verschiebung, die rückwirkend ganze Lebensentwürfe infrage stellt. Der Film interessiert sich dabei stärker für die Schockwellen dieser Enthüllung als für deren psychologische Tiefenschärfe. Formal setzt „All das Ungesagte zwischen uns“ auf eine Bildsprache und Inszenierung, die an das Fernsehen vergangener Jahrzehnte erinnert: wohlkomponierte Innenräume, betonte Dialogszenen, emotionsgeladene Konfrontationen. Kameraarbeit und Schnitt sind darauf ausgerichtet, jede Gefühlsregung sichtbar zu machen, jede Eskalation auszukosten. Diese Strategie erzeugt zwar eine konstante emotionale Lautstärke, lässt aber wenig Raum für Zwischentöne oder stille Resonanz.


© Constantin Film Distribution GmbH

Auch die schauspielerischen Leistungen fügen sich diesem Konzept. Die Darstellerinnen und Darsteller erfüllen ihre Rollen professionell, bleiben jedoch häufig im Modus des Vorzeigens von Emotionen verhaftet. Tränen, Ausbrüche und Versöhnungen wirken weniger erarbeitet als abgefordert. Eine wohltuende Zurückhaltung zeigt sich punktuell in den jüngeren Figuren, deren Unsicherheit und Suchbewegungen glaubhafter erscheinen als die affektiv überzeichneten Reaktionen der Erwachsenen. Problematisch wird der Film dort, wo sein emotionaler Ernst durch äußere Faktoren unterlaufen wird. Auffällige Produktplatzierungen und eine stark kommerzialisierte Alltagsästhetik reißen immer wieder aus der Erzählung heraus und verstärken den Eindruck kalkulierter Sentimentalität. Selbst neu entstehende Liebesmomente bleiben davon nicht unberührt: Sie wirken eher wie narrative Pflichtübungen denn wie organisch gewachsene Beziehungen. In seiner Gesamtheit erinnert der Film an die Kinoadaptionen romantischer Bestseller der frühen 2000er-Jahre, deren Erfolgsrezept auf Tränen, Schicksalsschlägen und klaren moralischen Zuordnungen beruhte. Dass diese Erzählweise derzeit eine Renaissance erlebt, ist kaum zufällig. „All das Ungesagte zwischen uns“ bedient ein Bedürfnis nach überschaubaren Emotionen und eindeutigen Gefühlen in einer zunehmend komplexen Welt. Als ausgewogene Betrachtung bleibt festzuhalten: Der Film besitzt handwerkliche Routine und ein Gespür für publikumswirksame Dramaturgie, scheitert jedoch daran, seine Themen über die Oberfläche hinaus zu vertiefen. Er bevorzugt die große Geste gegenüber der leisen Erkenntnis und opfert emotionale Glaubwürdigkeit zugunsten permanenter Intensität. Seit dem 09. Januar im Heimkino erhältlich, eignet sich „All das Ungesagte zwischen uns“ weniger als zeitloses Liebesdrama denn als exemplarisches Zeugnis einer Erzählform, die Gefühle vor allem als Effekt versteht.


ALL DAS UNGESAGTE ZWISCHEN UNS

ET: 09.01.26: DVD, Blu-ray & online | FSK 12
R: Josh Boone | D: Allison Williams, Mckenna Grace, Dave Franco
USA, Deutschland 2025 | Constantin Film / LEONINE


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