WICKED:
TEIL 2
Zwischen Mythos, Musical und Moderne
Ein visuell
überwältigendes, doch erzählerisch zwiespältiges
Finale: „Wicked: Teil 2“ wagt den Balanceakt zwischen
Mythos und Moderne – und stolpert mehr als einmal über
seine eigenen Ambitionen. Doch dank Cynthia Erivos grandioser Präsenz
bleibt das Musical ein emotionales Erlebnis, das lange nachklingt.
Mit
„Wicked: Teil 2“, der am 12. Februar als Steelbook, als
4K UHD+Blu-ray und als Blu-ray und DVD für das Heimkino erscheint,
schließt Jon M. Chu den monumentalen Zweiteiler ab, der die
Vorgeschichte des „Wizard of Oz“-Universums neu erzählt.
Wo der erste Teil noch mit orchestraler Wucht, märchenhafter
Farbdramaturgie und zeitgenössischer Musical-Eleganz verführte,
zeigt sich das Finale ambivalenter: ambitioniert, glänzend ausgestattet,
herausragend gespielt – und doch erzählerisch ungleich
gewichtiger, teils überfrachtet. Prequels stehen vor der Herausforderung,
auf ein Ziel zuzusteuern, das das Publikum längst kennt. „Wicked:
Teil 2“ begegnet dieser Last mit einer Mischung aus Respekt
und Kühnheit: Der Film führt die Handlung konsequent an
die ikonischen Ereignisse der Kansas-Windhose heran, muss aber zugleich
erklären, wie aus Elphaba, der missverstandenen Aktivistin des
ersten Teils, die vermeintlich „böse“ Hexe wird,
die uns aus der klassischen Filmfassung vertraut ist. Gerade hier
zeigt der Film Brüche. Chu bemüht sich, die moralische Ambiguität
des Figurenkosmos zu bewahren – und schafft das nur teilweise.
Der Übergang Elphabas von Idealismus zu Radikalität wird
zwar psychologisch angedeutet, aber selten konsequent vertieft. Das
Resultat ist eine Figur, die nur begrenzt nachvollziehbar im Mythos
ankommt, den sie erfüllen muss. Der zweite Teil konzentriert
sich deutlich stärker auf die emotionalen Konflikte seiner Hauptfiguren.
Chu versucht, politische und romantische Spannung miteinander zu verflechten
– teils überzeugend, teils überladen. Die Dynamik
zwischen Glinda und Elphaba bleibt berührend, doch der Liebeskonflikt
wirkt gelegentlich wie ein dramaturgischer Reflex, der die Figuren
in vertraute Bahnen zwingt. Die große Stärke des Films
liegt jedoch in den Blicken, Berührungen und leisen Brüchen
zwischen den beiden Frauen – Momente, in denen die Musicalform
unerwartet Tiefe gewinnt. Was erzählerisch wankt, wird schauspielerisch
getragen: Cynthia Erivo verleiht Elphaba eine emotionale Gravitation,
die den gesamten Film zusammenhält. Ihre Stimme ist nicht nur
Instrument, sondern Handlungsträger. In ihren stillen Momenten
findet die Figur zu jener Verletzlichkeit, die die tragische Fallhöhe
erst ermöglicht.
Ariana
Grande als Glinda überrascht mit kontrollierter Ernsthaftigkeit,
auch wenn das Drehbuch ihr weniger komödiantische Entfaltung
erlaubt als im ersten Teil. Jeff Goldblum dominert als Zauberer jede
seiner Szenen – eine Mischung aus schelmischem Charme und dunkler
Selbstzerstörung, die das moralische Zentrum der Geschichte überzeugender
repräsentiert als die Drehbuchstruktur es vorgibt. Daneben zeigen
Marissa Bode, Ethan Slater und Michelle Yeoh fein herausgearbeitete
Charakterakzente, die jedoch gelegentlich im visuell-musikalischen
Bombast untergehen. Die dramaturgisch brisanteste Aufgabe besteht
darin, die Prequelhandlung mit dem ikonischen Ausgangspunkt zu verbinden.
Der Auftritt Dorothys, der erst spät und schlaglichtartig erfolgt,
wirkt filmisch eher wie ein Fremdkörper als wie eine organische
Kulmination. Die Einführung der Ursprungsgeschichten von Löwe,
Blechmann und Vogelscheuche trägt Spuren einer modernen Franchise-Logik:
pointiert, aber oberflächlich. Gerade die Transformation der
Vogelscheuche bleibt erzählerisch unsauber gelöst und erzeugt
ein Moment der Irritation, das weder mit dem Originalfilm noch mit
der eigenen Logik des Prequels harmoniert. Inszenatorisch bleibt „Wicked:
Teil 2“ ein Triumph des Designs: Es finden sich leuchtende Farbwelten
in pastellgrundierten Düstertönen, es eröffnen sich
fließende Kamerafahrten, die magische Räume öffnen
und ein Score, der Broadway-Energie mit melodischer Melancholie kombiniert
dominiert im Hintergrund. Doch die visuelle Opulenz kann nicht vollständig
verdecken, dass der Film dramaturgisch mäandernd wirkt. Wo Teil
1 mit rhythmischer Klarheit punktete, verliert Teil 2 mitunter die
Balance zwischen Spektakel und Erzählung. „Wicked: Teil
2“ ist ein Film der Spannungen: zwischen Pflicht und Freiheit,
Mythos und Moderne, Musical-Überhöhung und psychologischem
Erzählen. Er ist weder ein triumphales Meisterstück noch
ein gescheitertes Experiment, sondern ein hybrides Werk, das seine
Ambitionen offen zur Schau stellt – und in seiner Unvollkommenheit
eine überraschende Resonanz entfaltet. Es ist letztlich Cynthia
Erivos Darstellung, die den Film über seine strukturellen Schwächen
hinaushebt und ihm jene emotionale Wahrheit verleiht, die die Geschichte
von Oz – in all ihren Versionen – seit jeher lebendig
hält.
WICKED: TEIL 2
ET:
12.02.26: Steelbook, als 4K UHD+Blu-ray und als Blu-ray & DVD
| FSK 12
R: Jon M. Chu | D: Ariana Grande, Cynthia Erivo, Jonathan Bailey
USA 2025 | PLAION PICTURES
Bonusmaterial:
Alle 3 Kinofassungen (Deutsch, Englisch, Deutsch mit englischen
Songs und deutschen Untertiteln),
Sing-Along-Version (engl.), Unveröffentlichte Szenen, Die Entstehung
von "Wicked"