Mit „Predator:
Badlands“ verwandelt Dan Trachtenberg das ikonische Sci-Fi-Franchise
in eine poetische Reflexion über Macht, Empathie und die Evolution
des Mythos. Ein bildgewaltiger, emotional kluger Film – brutal,
schön und tief menschlich zugleich.
Mit
Predator: Badlands“ hat eines der langlebigsten Science-Fiction-Franchises
der Filmgeschichte, neues Terrain – erzählerisch, ästhetisch
und moralisch, betreten. Seit John McTiernans „Predator“
(1987) Arnold Schwarzenegger und einen der faszinierendsten Leinwandjäger
der 1980er in den Dschungel Mittelamerikas schickte, hat sich die
Reihe mehrfach gehäutet: vom testosterongetränkten Actionkino
der Reagan-Ära über urbane Dystopien („Predator 2“)
und existenzielle Überlebensdramen („Predators“)
bis zu Dan Trachtenbergs gefeiertem „Prey“ (2022), das
mit ethnografischer Präzision und archaischer Wucht zur Urgewalt
des Mythos zurückfand. Mit „Badlands“, der am 27.
Februar auf DVD, Blu-ray, 4K UHD Blu-ray und als limitiertes 4K UHD.Steelbook
für das Heimkino erscheint, schlägt Trachtenberg, der hier
erneut Regie führt, einen radikal anderen Weg ein – und
schafft damit vielleicht den ungewöhnlichsten, aber auch klügsten
Beitrag zur gesamten Saga. „Badlands“ ist kein bloßer
Aufguss bekannter Motive, kein weiteres Kapitel im ewigen Duell zwischen
Mensch und Jäger. Der Film verlegt die Perspektive – und
damit die gesamte Moral – ins Reich der Yautja selbst. Zum ersten
Mal steht nicht der Mensch im Zentrum der Angstfantasie, sondern der
Predator als tragische Figur: Dek, ein verstoßener Sohn einer
kriegerischen Kaste, der beweisen will, dass Würde nicht im Töten,
sondern im Überleben liegt. Trachtenberg, der schon in „Prey“
das archaisch Tierische des Franchises mit einer fast spirituellen
Dimension versah, wagt hier die Humanisierung des Inhumanen. In der
Begegnung zwischen Dek und der künstlichen Lebensform Thia (Elle
Fanning in einer Doppelrolle von hypnotischer Ambivalenz) entsteht
ein Wechselspiel aus Vertrauen und Verrat, aus Instinkt und Intelligenz,
das die Serie von Grund auf neu definiert. Der Film führt damit
fort, was das Franchise seit jeher auszeichnet: das Spiegeln menschlicher
Gewaltfantasien in der Kreatur des Anderen. Nur dass dieser „Andere“
nun selbst ein Bewusstsein entwickelt – und damit zur Projektionsfläche
für das Menschlichste wird, was wir kennen: Zweifel. „Badlands“
beginnt dort, wo frühere Filme endeten – im mythologischen
Herzen der Predator-Zivilisation. Die düstere Architektur von
Yautja Prime, ein visuelles Inferno aus Metall, Nebel und Ritual,
erinnert an Ridley Scotts industrielle Kathedralen in „Alien“.
Doch
Trachtenberg führt die Handlung bald auf den lebensfeindlichen
Planeten Genna, einen Schauplatz, der wie ein Fiebertraum aus Moos,
Fleisch und Maschinen wirkt. Hier verschmelzen die Kategorien von
Natur und Technologie, organischer Wildnis und künstlicher Intelligenz
– ein Raum, in dem die Trennung zwischen Beute und Bewusstsein
aufgehoben wird. Die Beziehung zwischen Dek und Thia, die buchstäblich
aus Fragmenten besteht – ihr Körper ist halb zerstört,
ihre Seele halb programmiert –, trägt die poetische Energie
eines modernen Frankenstein-Motivs in sich. Ihr Dialog über Stärke,
Mitgefühl und die Angst vor Bedeutungslosigkeit gibt dem Film
jene emotionale Gravität, die ihn weit über das Genre hinaushebt.
Wo frühere Predator-Filme auf das physische Duell setzten, inszeniert
„Badlands“ das innere Ringen zwischen Macht und Empathie.
Formal ist „Predator: Badlands“ ein Triumph. Die Kameraarbeit,
in gedeckten Rost- und Bluttönen gehalten, evoziert den sinnlichen
Dreck früherer Teile, während die digitale Klarheit der
Szenen auf Genna die unheimliche Schönheit des Fremden betont.
Trachtenberg beweist ein untrügliches Gespür für Raum
und Rhythmus – seine Actionszenen sind keine Choreografien des
Tötens, sondern Fragmente einer Mythologie, in der jeder Schnitt
eine Bedeutung trägt. Der Film bricht mit der militaristischen
Macho-Ästhetik der 1980er und ersetzt sie durch eine Reflexion
über toxische Männlichkeit und Selbstzerstörung. Dek,
von seinem Vater verachtet, weil er Mitleid zeigt, wird zum Anti-Archetypen
des Jägers – ein Krieger, der erst Mensch wird, als er
aufhört zu kämpfen. In dieser moralischen Volte steckt eine
stille, aber deutliche Kritik an der Ursprungsmythologie des Franchises,
die den Predator einst als Spiegel männlicher Hybris erfand.
Seit fast vier Jahrzehnten fungiert der Predator als Symbol für
das entfesselte Jagdverhalten des Menschen – für Kolonialismus,
Krieg, technologische Überlegenheit. „Badlands“ führt
dieses Motiv weiter, indem es den Predator selbst zur Metapher des
entgleisten Überlebensinstinkts macht. Die
Grenzen zwischen Jäger und Beute, Mensch und Maschine, Natur
und Künstlichkeit zerfließen – und aus diesem Nebel
steigt eine neue, fast tragische Figur hervor: eine Kreatur, die erkennt,
dass Stärke ohne Empathie nur Leere hinterlässt. Dan Trachtenberg
versteht, dass jedes Franchise nur dann überlebt, wenn es sich
selbst in Frage stellt. „Badlands“ ist kein Reboot, keine
Parodie, kein Versuch, Nostalgie zu melken. Es ist eine Reflexion
über die Mythologie des Predators selbst, über seine Symbolkraft
und seine Gefangenschaft im eigenen Mythos
PREDATOR: BADLANDS
ET:
27.02.26: auf DVD, Blu-ray, 4K UHD Blu-ray und als limitiertes 4K
UHD Blu-ray Steelbook
R: Dan Trachtenberg | D: Elle Fanning, Dimitrius Schuster-Koloamatangi,
Michael Homick
USA 2025 | LEONINE | FSK 16
Bonus:
Gelöschte & Prävisualisierungsszenen mit optionalem
Audiokommentar, Featurettes