"Zoomania
2" entfaltet erneut ein visionäres Tiermetropolis, das gesellschaftliche
Machtstrukturen mit feiner erzählerischer Präzision reflektiert.
Die Fortsetzung verbindet visuelle Opulenz mit subtextueller Tiefe
und untersucht die fragilen Grundlagen urbaner Utopien. Ein Film,
der die politische Potenz des Animationskinos eindrucksvoll bestätigt.
Mit
„Zoomania 2“, das am 13. März im Heimkino mit zahlreichen
tollen Extras startet, kehrt Disney in jenes schillernde Tier-Metropolenpanorama
zurück, das 2016 als „Zoomania“ Maßstäbe
für das politisch aufgeladene Animationskino setzte. Die Fortsetzung
knüpft an diese Erfolgsgeschichte an – allerdings unter
veränderten Vorzeichen: Die Erwartungshaltung des Publikums ist
höher, die Streaming- und Animationslandschaft fragmentierter,
und die Frage, wie sich eine satirisch zugespitzte Tiergesellschaft
sinnvoll weiterentwickeln lässt, wird zu einer ästhetischen
und erzählerischen Herausforderung. Im Zentrum steht erneut das
ungleiche Ermittler-Duo: die idealistische Häsin Judy Hopps und
der geläuterte Fuchs Nick Wilde, beide inzwischen fest im Polizeialltag
des ZPD etabliert. Ihre Partnerschaft, die im ersten Teil als Triumph
des interspezies Überwindungswillens fungierte, erfährt
hier eine neue Dimension. Ein mysteriöser Diebstahl – ein
serpentiner Außenseiter soll das Tagebuch einer alteingesessenen
Luchs-Dynastie entwendet haben – dient als Katalysator, um erneut
die Grundpfeiler der zoomanischen Utopie zu prüfen. Die Schlange
als gesellschaftlich ausgeschlossene Figur markiert geschickt jene
Grenzen der Toleranz, die jede idealisierte Gesellschaft in sich trägt.
Auch Zoomania verfügt über ihre „blinden Flecken“
– und gerade dieser narrative Schwerpunkt hebt den Film auf
eine symbolisch dichte Ebene. Das Herzstück von „Zoomania“
war stets sein urbaner Organismus: ein Stadtgewebe, das durch künstlich
erzeugte Klimazonen räumliche und biologische Vielfalt ermöglichen
soll. In der Fortsetzung rückt dieses architektonisch-ökologische
Experiment stärker ins Zentrum. Die gestohlenen Aufzeichnungen
über die Errichtung der sogenannten „Wetterwände“
entpuppen sich als Schlüssel zu einer größeren politischen
Intrige, deren Fäden bis in die höchsten Ebenen der Stadtverwaltung
reichen. Der Film nutzt diese Konstellation, um eine subtile Allegorie
über Machterhalt, Geschichtsschreibung und die Konstruktion von
Wahrheiten zu entfalten. Der utopische Impuls gerät ins Wanken,
sobald seine historischen Grundlagen hinterfragt werden – ein
klassisches Motiv dystopischer Stadtfiktionen, das hier in kindgerechtem,
aber keineswegs simplifizierendem Gewand erscheint.
Der
im Ausgangstext kritisierte Aspekt einer gewissen „Vorhersehbarkeit“
der Gags lässt sich nicht völlig von der Hand weisen. „Zoomania
2“ verweigert sich dem anarchischen Witz des Originals zugunsten
eines reibungslosen, industriell geschliffenen Humors. Dennoch gelingt
es dem Film, humoristische Taktung und dramaturgische Entwicklung
harmonisch zu verbinden. Die Komik wirkt weniger spontan, aber dramaturgisch
sauber eingebettet. Visuell liefert die Fortsetzung – wie nicht
anders zu erwarten – ein beeindruckend detailliertes Panorama.
Die Texturen der tierischen Protagonisten, die architektonischen Feinheiten
der diversen Stadtbezirke, die dynamische Lichtregie: All dies unterstreicht
Disneys technische Überlegenheit. Allerdings fehlt jener Innovationsschub,
der „Zoomania“ einst zu einer ästhetischen Überraschung
machte. „Zoomania 2“ perfektioniert das Bekannte, wagt
jedoch selten den stilistischen Sprung ins Unbekannte. Trotz struktureller
Vorsicht und tonal gelegentlicher Glätte entfaltet „Zoomania
2“ eine bemerkenswerte allegorische Schärfe. Die Frage
nach dem gesellschaftlichen Umgang mit „anderen“, nach
der Unsichtbarkeit von Minderheiten und der Konstruktion kollektiver
Narrative bleibt zentral. Besonders stark ist der Film, wenn er zeigt,
dass selbst in einer scheinbar idealen Welt der Ausschluss bestimmter
Gruppen als gesellschaftliches Grundrauschen bestehen bleibt. Damit
schließt „Zoomania 2“ thematisch an globale Diskurse
über Diversität und Inklusion an, ohne belehrend zu wirken.
Der Film bietet gerade dem jüngeren Publikum relevante Ansätze
zum Nachdenken – und schafft es zugleich, sein erwachsenes Publikum
mit subtextuellen Tiefen zu erreichen.
FAZIT
„Zoomania 2“ ist ein visuell brillantes, erzählerisch
solides und thematisch überraschend selbstbewusstes Sequel, das
die Stärken seines Vorgängers weiterführt, ohne ihn
vollständig zu übertreffen. Trotz gewisser erzählerischer
Sicherheitsmechanismen bleibt die Rückkehr in die Tiermetropole
ein lohnendes cineastisches Erlebnis – insbesondere durch die
klug verwebte Parabel über gesellschaftliche Macht, Ausgrenzung
und den fragilen Charakter jeder Utopie.
ZOOMANIA 2
ET:
13.03.26: Blu-ray, DVD & limitiertes Blu-ray Steelbook | FSK
6
R: Byron Howard, Jared Bush | Animationsfilm
USA 2025 | Walt Disney / LEONINE
Featurettes:
„Die Zoowärter“, „Eine Stadt der Stars“,
„Jeder kann zeichnen!“, „
Überraschende Geheimnisse von Zoomania“, „Wilde
Zeiten bei der Aufnahme“, „Der Treat Trolley“,
„Musikvideo von Shakira / Gelöschte Szenen — Sehen
Sie sich die Szenen an, die es nicht in die endgültige Fassung
geschafft haben, mit einer allgemeinen Einführung der Regisseure
Jared Bush und Byron Howard.