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DVD & BLU-RAY | 11.03.2026

Der Hochstapler - Roofman

Zwischen Gaunerstück, Liebesgeschichte und Charakterstudie entfaltet „Der Hochstapler – Roofman“ seine eigentümliche Faszination. Derek Cianfrance erzählt die Geschichte eines notorischen Einbrechers mit unerwarteter Zärtlichkeit. Dabei entsteht ein Film, der Charme, Melancholie und ironische Leichtigkeit miteinander verbindet.

von Franziska Keil


© LEONINE

Biografische Filme über Kriminelle bewegen sich traditionell im Spannungsfeld zwischen moralischer Distanz und narrativer Faszination. Das Kino hat seit jeher eine besondere Vorliebe für Figuren entwickelt, deren Leben zwischen Gesetzesbruch und Charisma oszilliert. In „Der Hochstapler – Roofman“ greift Regisseur Derek Cianfrance diese Tradition auf und formt daraus ein Werk, das zugleich Heist-Komödie, Liebesgeschichte und melancholische Charakterstudie ist. Im Zentrum steht Jeffrey Manchester, ein ehemaliger Reservist der US-Armee, dessen spektakuläre Einbruchserie in den späten 1990er-Jahren ihm den Spitznamen „Roofman“ einbrachte. Sein Vorgehen ist ebenso simpel wie eigentümlich: Über ungesicherte Dächer dringt er in Filialen amerikanischer Fast-Food-Ketten ein, um sie auszurauben. Die eigentliche narrative Bewegung des Films beginnt jedoch erst nach seiner Verurteilung, als Manchester aus einem Gefängnis in North Carolina flieht und sich in einem ungewöhnlichen Versteck verbirgt – einer kaum zugänglichen Nische im Inneren eines Spielwarenhauses. Cianfrance nutzt dieses Setting, um eine Geschichte zu erzählen, die weniger von krimineller Raffinesse als von menschlicher Sehnsucht handelt. Der Protagonist lebt monatelang verborgen im Gebäude, beobachtet die Routinen der Angestellten und entwickelt dabei eine besondere Aufmerksamkeit für Details – eine Fähigkeit, die im Film mehrfach als seine eigentliche Stärke hervorgehoben wird. Aus dieser Beobachtungsperspektive entsteht schließlich eine Beziehung zu Leigh, einer Mitarbeiterin des Geschäfts, die als alleinerziehende Mutter ihren eigenen Alltag zwischen Verantwortung und emotionaler Unsicherheit organisiert. Der Film entfaltet seine Wirkung vor allem durch die darstellerische Präsenz von Channing Tatum. Seine Interpretation des Jeffrey Manchester verbindet entwaffnenden Charme mit einem leisen Gefühl der Verletzlichkeit. Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie Tatum komplexe emotionale Zustände häufig ohne große Gesten vermittelt: Ein Blick, eine kurze Verzögerung in der Reaktion, ein zögerndes Lächeln – all dies trägt dazu bei, die Figur jenseits des klassischen Gaunerarchetyps zu verorten. Diese Darstellung erzeugt eine paradoxe Zuschauererfahrung. Obwohl Manchester eindeutig moralisch fragwürdige Entscheidungen trifft, entwickelt sich eine gewisse Empathie für ihn. Der Film lädt das Publikum dazu ein, den Protagonisten nicht nur als Täter, sondern als Suchenden zu betrachten – einen Mann, der in seinen ungeschickten Versuchen, Nähe und Stabilität zu finden, immer wieder scheitert.


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Eine zentrale Rolle spielt dabei Kirsten Dunst als Leigh. Mit ihrer charakteristischen Mischung aus emotionaler Offenheit und subtiler Ironie verleiht sie der Figur eine bemerkenswerte Authentizität. Leigh ist weder idealisierte Retterfigur noch bloßes dramaturgisches Gegenüber; vielmehr wird sie zu einer eigenständigen Persönlichkeit, deren Lebenserfahrung und pragmatische Haltung dem Film eine zusätzliche emotionale Erdung verleihen. Die Szenen zwischen ihr und Tatum besitzen eine ruhige Intimität, die den Film immer wieder aus dem Genrehaften heraushebt. Auch formal zeigt sich Cianfrance experimentierfreudig. Der Regisseur, der zuvor vor allem für seine intensiven Charakterdramen bekannt war, erweitert hier sein erzählerisches Repertoire um humorvolle und beinahe verspielte Momente. Besonders die Sequenzen im nächtlichen Spielwarenladen besitzen eine eigenartige Poesie: Zwischen Regalen voller Spielsachen bewegt sich der Protagonist wie ein unsichtbarer Bewohner einer künstlichen Welt, in der Kindheitserinnerungen und Fluchtfantasien miteinander verschmelzen. Die komödiantischen Elemente sind dabei sorgfältig dosiert. Immer wieder entstehen Situationen, die aus der absurden Logik des Verstecks heraus eine beinahe slapstickhafte Qualität entwickeln. Gleichzeitig verliert der Film nie ganz den melancholischen Unterton, der Manchester als tragikomische Figur erscheinen lässt. Gerade diese Balance zwischen Humor und Nachdenklichkeit macht einen wesentlichen Reiz des Films aus. Nebenfiguren treten zwar teilweise in stärker typisierten Rollen auf – etwa der autoritäre Filialleiter oder die moralisch gefestigten Mitglieder der Kirchengemeinde –, doch erfüllen sie eine wichtige dramaturgische Funktion. Sie bilden den sozialen Hintergrund, vor dem Manchester versucht, eine neue Identität zu konstruieren. Sein Versuch, als scheinbar gewöhnlicher Mann ein anderes Leben zu beginnen, wirkt dadurch zugleich glaubwürdig und prekär. Eine besondere Wirkung entfaltet schließlich der Umgang des Films mit dokumentarischem Material. Am Ende werden historische Fernsehberichte über die tatsächlichen Ereignisse eingeblendet. Diese Aufnahmen verleihen der zuvor erzählten Geschichte eine zusätzliche Realitätsschicht und erinnern daran, dass hinter der charmanten Filmfigur ein realer Kriminalfall steht. Die mediale Darstellung dieser Ereignisse erscheint überraschend leichtfüßig – ein Tonfall, der die ambivalente Wahrnehmung des „Roofman“-Mythos widerspiegelt. Der Spielfilm erscheint am 13. März auf DVD, Blu-ray und digital für das Heimkino.


DER HOCHSTAPLER - ROOFMAN

ET: 13.03.26: DVD, Blu-ray & digital | FSK 12
R: Derek Cianfrance | D: Channing Tatum, Kirsten Dunst, Ben Mendelsohn
USA 2025 | LEONINE


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