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KINO | 08.01.2026

GREENLAND 2

Mit GREENLAND 2 findet das zeitgenössische Katastrophenkino zu einer selten gewordenen Erdung zurück. Ric Roman Waugh verbindet apokalyptisches Spektakel mit humanistischer Ernsthaftigkeit und narrativer Disziplin. Ein Film über das Weiterleben nach dem Untergang und über die fragile Hoffnung auf einen Neuanfang.

von Richard-Heinrich Tarenz


© Tobis Film

Wenn GREENLAND 2 am 08. Januar in den Kinos startet, setzt Ric Roman Waugh seine leise bemerkenswerte Karriere als Chronist eines bodenständigen Genrekinos fort, das sich dem Spektakel nicht verweigert, es jedoch konsequent in den Dienst seiner Figuren stellt. In einer Zeit, in der das Katastrophengenre häufig zur bloßen Reizüberflutung verkommt, behauptet dieser Film eine andere Haltung: eine des handwerklich präzisen Erzählens, der emotionalen Verankerung und eines fast altmodischen Glaubens an moralische Integrität. Waughs filmische Handschrift ist geprägt von einer Biografie, die das Kino nicht als intellektuelles Distinktionsobjekt, sondern als physische Arbeit und kollektive Erfahrung begreift. Seine Herkunft aus der Welt der Stuntarbeit und des zweiten Drehteams ist GREENLAND 2 in jeder Einstellung anzumerken: Die Action ist funktional, klar lesbar und stets aus der Perspektive der Beteiligten gedacht. Zerstörung wird nicht ausgestellt, sondern erlebt. Damit reiht sich der Film in eine Tradition des amerikanischen Genrekino-Handwerks ein, das weniger an auteuristische Selbstvergewisserung als an erzählerische Verlässlichkeit glaubt. Im Zentrum steht erneut John Garrity, verkörpert von Gerard Butler mit jener Mischung aus stoischer Erdung und verletzlicher Entschlossenheit, die den Schauspieler seit Jahren zum idealen Protagonisten dieses Kinos macht. Fünf Jahre nach dem kosmischen Einschlag lebt Garrity mit seiner Familie in einem unterirdischen Bunker in Grönland – ein Ort, der gleichermaßen Schutzraum und Gefängnis ist. Bereits in den ersten Minuten etabliert der Film, dass Überleben allein kein Ziel sein kann. Der Alltag im Bunker, das provisorische Reparieren, das beiläufige Gespräch über Musikgeschmack, markieren den menschlichen Rest, der selbst unter extremen Bedingungen Bestand hat. Diese beiläufige Menschlichkeit ist programmatisch. Das Drehbuch entscheidet sich bewusst gegen die Eskalation um ihrer selbst willen und setzt stattdessen auf eine narrative Bewegung, die man fast als existentielle Heldenreise bezeichnen könnte. Der Aufbruch Richtung Europa – hin zu einem vage mythisierten Ort des Neubeginns – verleiht dem Film eine klare teleologische Struktur. GREENLAND 2 erzählt nicht vom Ende der Welt, sondern von der Frage, was danach kommen könnte.


© Tobis Film

Damit verschiebt sich der Fokus des Katastrophengenres: Weg vom apokalyptischen Ereignis, hin zur moralischen Bewährungsprobe. Formal beeindruckt der Film durch seine Ökonomie. In einer Laufzeit von unter hundert Minuten entfaltet sich eine globale Odyssee, die verschiedene Landschaften, Gefahrenzonen und Überlebensszenarien durchquert, ohne jemals den Kontakt zu ihren Figuren zu verlieren. Die Kamera bleibt auf Augenhöhe, selbst wenn die Bedrohung kosmische Dimensionen annimmt. Diese bewusste Verweigerung des „bigger than life“ unterscheidet Greenland 2 von vielen genreverwandten Produktionen und verleiht ihm eine eigentümliche Intimität. Besonders bemerkenswert ist dabei die unterschwellige politische Lesbarkeit des Films. Die Reise der Garritys durch eine fragmentierte Welt lässt sich als Allegorie auf Flucht, Migration und die Suche nach Schutz lesen, ohne je ins Parabolische abzurutschen. Der Film vertraut darauf, dass seine Bilder sprechen: improvisierte Gemeinschaften, fragile Allianzen, das Nebeneinander unterschiedlicher Weltanschauungen als Überlebensnotwendigkeit. Europa erscheint weniger als geografischer Raum denn als kulturelle Idee – als Hoffnung auf Ordnung, Solidarität und Wiederaufbau. Dass GREENLAND 2 dabei niemals belehrend wirkt, ist eine seiner größten Stärken. Der Film ist zutiefst unprätentiös und gerade darin subversiv. Er glaubt an das Gute im Menschen, ohne dessen Zerbrechlichkeit zu leugnen. Ric Roman Waugh inszeniert keinen zynischen Abgesang auf die Zivilisation, sondern ein aufrichtiges Plädoyer für Zusammenhalt, Verantwortung und die Möglichkeit moralischer Entscheidungen selbst im Angesicht totaler Zerstörung. So erweist sich GREENLAND 2 als ein Werk, das das Katastrophenkino nicht neu erfindet, es aber auf bemerkenswerte Weise verfeinert. Es ist ein Film, der sein Publikum ernst nimmt, der Spannung aus Charakteren gewinnt und Spektakel als erzählerisches Werkzeug begreift. Ein kleiner, konzentrierter Schritt für das Genre – und ein großer für einen Regisseur, der still und beharrlich daran arbeitet, das populäre Kino wieder mit Haltung und Herz zu versehen.


GREENLAND 2

Start: 08.01.26 | FSK 12
R: Ric Roman Waugh | D: Gerard Butler, Morena Baccarin, William Abadie
USA 2025 | Tobis Film


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