„Woodwalkers
2“ entfaltet im Gewand des Jugendfantasyfilms eine leise Kritik
an Ausbeutung, Entfremdung und ökologischer Zerstörung.
Ab dem 29. Januar im Kino wird sichtbar, wie Klassen- und Naturfragen
selbst im populären Familienkino verhandelt werden.
Mit
„Woodwalkers 2“, der am 29. Januar im Kino startet, setzt
das deutsche Jugendfantasykino seine bemerkenswerte Adaption der Romanreihe
von Katja Brandis fort und vertieft zugleich jene sozialen und ideologischen
Spannungsfelder, die bereits im ersten Teil angelegt waren. Unter
einer gesellschaftskritischen Lesart erweist sich der Film als ambivalentes,
aber aufschlussreiches Textgefüge: Einerseits reproduziert er
bewährte narrative Muster des kommerziellen Familienkinos, andererseits
formuliert er – bewusst oder unbewusst – eine Kritik an
Herrschaftsverhältnissen, Eigentumslogiken und der Ausbeutung
von Natur und Subjekt. Zentral bleibt die Figur des Puma-Gestaltwandlers
Carag, dessen innere Zerrissenheit zwischen menschlicher und animalischer
Existenz nicht nur als individuelle Identitätskrise, sondern
als Allegorie auf entfremdete Subjektivität gelesen werden kann.
Carag erscheint als ein Wesen zwischen Klassen und Produktionsweisen:
Er gehört weder vollständig zur Welt der Menschen, die sich
Natur als Ressource aneignen, noch zur Welt der Tiere, deren Lebensräume
zunehmend ökonomischen Interessen geopfert werden. Diese Zwischenstellung
wird im zweiten Teil stärker politisiert, indem das Engagement
für den Schutz natürlicher Lebensräume in den Vordergrund
rückt und schließlich in einen expliziten Protest kulminiert.
Bemerkenswert ist dabei, wie „Woodwalkers 2“ ökologische
Anliegen mit kollektiven Handlungsformen verbindet. Der Protest-Showdown
markiert einen seltenen Moment im Jugendfilm, in dem Widerstand nicht
als heroischer Einzelakt, sondern als gemeinschaftliche Praxis inszeniert
wird. Das liest sich als vorsichtige Hinwendung von individualisierter
Moral hin zu einem Klassenbewusstsein, das erkennt, dass strukturelle
Probleme – Umweltzerstörung, Verdrängung, Gewalt –
nur durch solidarisches Handeln adressiert werden können. Gleichzeitig
bleibt der Film vorsichtig: Die Konflikte werden actionreich, aber
stets entschärft inszeniert, um das junge Zielpublikum nicht
zu überfordern. Radikalität wird angedeutet, jedoch nie
konsequent ausgespielt. Die Figurenkonstellationen verstärken
diese Ambivalenz.
Während
Carags Mentor eine autoritäre Wissens- und Machtposition verkörpert,
die an hierarchische Erziehungs- und Produktionsverhältnisse
erinnert, gewinnen Nebenfiguren wie Holly und Tikaani an Gewicht,
die alternative Formen von Gemeinschaft und Kooperation repräsentieren.
Besonders Holly fungiert mit ihrer humorvollen Unangepasstheit als
Störfaktor innerhalb rigider Ordnungen – eine Figur, die
als subversives Moment gelesen werden kann, weil sie Normen unterläuft,
ohne selbst zur neuen Autorität zu werden. Demgegenüber
treten antagonistische Figuren auf, prominent besetzt und klar codiert,
deren Rolle weniger in psychologischer Tiefe als in der Repräsentation
struktureller Gegnerschaft liegt. Formal bleibt „Woodwalkers
2“ dem etablierten Franchise-Kino verpflichtet. Die dramaturgische
Konstruktion folgt bekannten Mustern, Rückblenden und dialogische
Zusammenfassungen sichern Zugänglichkeit und Marktbreite. Auch
die beeindruckenden Gebirgskulissen Südtirols, die eine US-amerikanische
Wildnis simulieren, sind doppelt lesbar: als ästhetischer Mehrwert
und zugleich als Symptom globalisierter Produktionslogiken, in denen
Orte austauschbar werden. Hier wird eine visuelle Metapher für
den spätkapitalistischen Umgang mit Raum erkennbar, der Landschaften
ihrer konkreten sozialen Geschichte entkleidet. Regisseur Sven Unterwaldt
inszeniert den Stoff routiniert und publikumsnah, was dem Film handwerkliche
Solidität verleiht, ihn jedoch auch an die Grenzen seiner politischen
Implikationen bindet. Woodwalkers 2 will gefallen, unterhalten und
erfolgreich sein – und gerade darin liegt seine Spannung: Der
Film artikuliert eine deutliche Sympathie für Natur, Gemeinschaft
und Widerstand gegen zerstörerische Interessen, ohne die ökonomischen
Strukturen, die diese Konflikte hervorbringen, offen zu benennen oder
infrage zu stellen. So erweist sich „Woodwalkers 2“ als
ein Werk, das im Gewand des familienfreundlichen Abenteuerfilms leise
Klassen- und Herrschaftsfragen verhandelt, diese jedoch stets in symbolischer
Form belässt. Der Film zeigt, wie weitreichende gesellschaftliche
Widersprüche selbst im populären Jugendkino präsent
sind – und wie sie zugleich durch Marktlogiken gezähmt
werden. Zwischen ökologischem Bewusstsein, kollektiver Aktion
und kommerzieller Absicherung entfaltet sich ein Text, der weniger
revolutionär als symptomatisch ist – und gerade deshalb
ein aufschlussreiches Dokument seiner Produktionsbedingungen.
WOODWALKERS 2
Start:
29.01.26 | FSK 6
R: Sven Unterwaldt | D: Emile Chérif, Lilli Falk, Johan von
Ehrlich, Oliver Masucci
Deutschland 2025 | StudioCanal Deutschland