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KINO | 21.01.2026

WOODWALKERS 2

„Woodwalkers 2“ entfaltet im Gewand des Jugendfantasyfilms eine leise Kritik an Ausbeutung, Entfremdung und ökologischer Zerstörung. Ab dem 29. Januar im Kino wird sichtbar, wie Klassen- und Naturfragen selbst im populären Familienkino verhandelt werden.

von Richard-Heinrich Tarenz


© Studiocanal

Mit „Woodwalkers 2“, der am 29. Januar im Kino startet, setzt das deutsche Jugendfantasykino seine bemerkenswerte Adaption der Romanreihe von Katja Brandis fort und vertieft zugleich jene sozialen und ideologischen Spannungsfelder, die bereits im ersten Teil angelegt waren. Unter einer gesellschaftskritischen Lesart erweist sich der Film als ambivalentes, aber aufschlussreiches Textgefüge: Einerseits reproduziert er bewährte narrative Muster des kommerziellen Familienkinos, andererseits formuliert er – bewusst oder unbewusst – eine Kritik an Herrschaftsverhältnissen, Eigentumslogiken und der Ausbeutung von Natur und Subjekt. Zentral bleibt die Figur des Puma-Gestaltwandlers Carag, dessen innere Zerrissenheit zwischen menschlicher und animalischer Existenz nicht nur als individuelle Identitätskrise, sondern als Allegorie auf entfremdete Subjektivität gelesen werden kann. Carag erscheint als ein Wesen zwischen Klassen und Produktionsweisen: Er gehört weder vollständig zur Welt der Menschen, die sich Natur als Ressource aneignen, noch zur Welt der Tiere, deren Lebensräume zunehmend ökonomischen Interessen geopfert werden. Diese Zwischenstellung wird im zweiten Teil stärker politisiert, indem das Engagement für den Schutz natürlicher Lebensräume in den Vordergrund rückt und schließlich in einen expliziten Protest kulminiert. Bemerkenswert ist dabei, wie „Woodwalkers 2“ ökologische Anliegen mit kollektiven Handlungsformen verbindet. Der Protest-Showdown markiert einen seltenen Moment im Jugendfilm, in dem Widerstand nicht als heroischer Einzelakt, sondern als gemeinschaftliche Praxis inszeniert wird. Das liest sich als vorsichtige Hinwendung von individualisierter Moral hin zu einem Klassenbewusstsein, das erkennt, dass strukturelle Probleme – Umweltzerstörung, Verdrängung, Gewalt – nur durch solidarisches Handeln adressiert werden können. Gleichzeitig bleibt der Film vorsichtig: Die Konflikte werden actionreich, aber stets entschärft inszeniert, um das junge Zielpublikum nicht zu überfordern. Radikalität wird angedeutet, jedoch nie konsequent ausgespielt. Die Figurenkonstellationen verstärken diese Ambivalenz.


© Studiocanal

Während Carags Mentor eine autoritäre Wissens- und Machtposition verkörpert, die an hierarchische Erziehungs- und Produktionsverhältnisse erinnert, gewinnen Nebenfiguren wie Holly und Tikaani an Gewicht, die alternative Formen von Gemeinschaft und Kooperation repräsentieren. Besonders Holly fungiert mit ihrer humorvollen Unangepasstheit als Störfaktor innerhalb rigider Ordnungen – eine Figur, die als subversives Moment gelesen werden kann, weil sie Normen unterläuft, ohne selbst zur neuen Autorität zu werden. Demgegenüber treten antagonistische Figuren auf, prominent besetzt und klar codiert, deren Rolle weniger in psychologischer Tiefe als in der Repräsentation struktureller Gegnerschaft liegt. Formal bleibt „Woodwalkers 2“ dem etablierten Franchise-Kino verpflichtet. Die dramaturgische Konstruktion folgt bekannten Mustern, Rückblenden und dialogische Zusammenfassungen sichern Zugänglichkeit und Marktbreite. Auch die beeindruckenden Gebirgskulissen Südtirols, die eine US-amerikanische Wildnis simulieren, sind doppelt lesbar: als ästhetischer Mehrwert und zugleich als Symptom globalisierter Produktionslogiken, in denen Orte austauschbar werden. Hier wird eine visuelle Metapher für den spätkapitalistischen Umgang mit Raum erkennbar, der Landschaften ihrer konkreten sozialen Geschichte entkleidet. Regisseur Sven Unterwaldt inszeniert den Stoff routiniert und publikumsnah, was dem Film handwerkliche Solidität verleiht, ihn jedoch auch an die Grenzen seiner politischen Implikationen bindet. Woodwalkers 2 will gefallen, unterhalten und erfolgreich sein – und gerade darin liegt seine Spannung: Der Film artikuliert eine deutliche Sympathie für Natur, Gemeinschaft und Widerstand gegen zerstörerische Interessen, ohne die ökonomischen Strukturen, die diese Konflikte hervorbringen, offen zu benennen oder infrage zu stellen. So erweist sich „Woodwalkers 2“ als ein Werk, das im Gewand des familienfreundlichen Abenteuerfilms leise Klassen- und Herrschaftsfragen verhandelt, diese jedoch stets in symbolischer Form belässt. Der Film zeigt, wie weitreichende gesellschaftliche Widersprüche selbst im populären Jugendkino präsent sind – und wie sie zugleich durch Marktlogiken gezähmt werden. Zwischen ökologischem Bewusstsein, kollektiver Aktion und kommerzieller Absicherung entfaltet sich ein Text, der weniger revolutionär als symptomatisch ist – und gerade deshalb ein aufschlussreiches Dokument seiner Produktionsbedingungen.


WOODWALKERS 2

Start: 29.01.26 | FSK 6
R: Sven Unterwaldt | D: Emile Chérif, Lilli Falk, Johan von Ehrlich, Oliver Masucci
Deutschland 2025 | StudioCanal Deutschland


 


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