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KINO | 28.01.2026

CHARLIE DER SUPERHUND

„Charlie der Superhund“ verbindet familiäres Melodram mit Science-Fiction und Superheldenmythos. Das Animationsdebüt von ICON Creative Studio überzeugt durch emotionale Erdung und handwerkliche Sorgfalt. Ein eigenwilliger, herzlicher Beitrag zum zeitgenössischen Familienkino, der abseits der Blockbuster neue Akzente setzt.

von Franziska Keil


© Splendid Film

Mit „Charlie der Superhund“ wagt das kanadische ICON Creative Studio, bislang vor allem für hochwertige Animationsarbeiten im Fernsehbereich bekannt, den Schritt auf die große Leinwand. Der Film, der am 29. Januar im Kino startet, positioniert sich bewusst abseits der marktbeherrschenden Großstudios und behauptet dabei selbstbewusst einen eigenen Platz im zeitgenössischen Animationskino. Gerade aus filmwissenschaftlicher Perspektive ist dieser Versuch bemerkenswert, da er die ästhetischen und narrativen Konventionen des Genres nicht nur reproduziert, sondern punktuell reflektiert und variiert. Im Zentrum steht eine klassische Freundschaftserzählung zwischen Mensch und Tier, die sich über Jahre hinweg entfaltet und damit ungewöhnlich viel Zeit für emotionale Verankerung investiert. Die Beziehung zwischen dem Jungen Danny und seinem Hund Charlie wird nicht als bloßer Ausgangspunkt für spektakuläre Abenteuer genutzt, sondern als affektives Fundament, das den späteren fantastischen Eskalationen eine spürbare Erdung verleiht. Wenn Charlie in fortgeschrittenem Alter plötzlich zum Objekt außerirdischer Intervention wird, verschränkt der Film familiäres Melodram mit Science-Fiction-Motiven und greift damit auf eine lange Tradition des populären Kinos zurück, in der das Wunderbare stets aus dem Alltäglichen erwächst. Die Transformation Charlies in eine übermenschlich begabte Figur ist dabei weniger als bloße Superheldenparodie zu lesen denn als kindgerechte Reflexion über Verantwortung, Macht und moralische Integrität. Seine neuen Fähigkeiten dienen nicht der Selbstermächtigung, sondern bleiben konsequent an altruistische Handlungen gebunden.


© Splendid Film

Besonders die Rettungsszenarien, in denen Charlie Menschen vor unmittelbarer Gefahr bewahrt, überzeugen durch klare visuelle Dramaturgie und eine angenehm entschlackte Inszenierung, die auf Überwältigungsästhetik verzichtet und stattdessen auf Übersichtlichkeit setzt. Formal überrascht „Charlie der Superhund“ mit einer soliden, stellenweise bemerkenswert detailreichen Animation, die für ein mittelbudgetiertes Projekt ein hohes Maß an Produktionsqualität erkennen lässt. Die Bildgestaltung bleibt funktional, gewinnt jedoch dort an Ausdruckskraft, wo sie sich auf Bewegung, Rhythmus und räumliche Klarheit konzentriert. In diesen Momenten zeigt sich das handwerkliche Können eines Studios, das seine Erfahrung aus der Serienproduktion produktiv in das Langformat überträgt. Narrativ erlaubt sich der Film eine eigenwillige Mischung aus Genremustern, satirischen Einschüben und bewusst überzeichneten Nebenfiguren. Nicht jede humoristische Volte trifft dabei ins Schwarze, doch gerade diese Unwucht verleiht dem Film einen eigentümlichen, fast anarchischen Charme. Die klare Trennung zwischen heroischer Hauptfigur und antagonistischem Gegenpol bleibt dabei stets lesbar und erfüllt ihre Funktion innerhalb eines primär jungen Zielpublikums. Besondere Erwähnung verdient die stimmliche Gestaltung der Hauptfigur: Charlie gewinnt durch die gelassene, lakonische Tonlage seines Sprechers eine sympathische Präsenz, die Pathos vermeidet und emotionale Momente subtil abfedert. Dadurch bleibt der Film auch dann zugänglich, wenn er inhaltlich größere Sprünge wagt oder bewusst ins Absurde kippt. Insgesamt erweist sich „Charlie der Superhund“ als ein ambitionierter, eigenständiger Beitrag zum Animationskino, der weniger durch narrative Perfektion als durch Herz, formale Redlichkeit und die Ernsthaftigkeit seines Anliegens überzeugt. Der Film erinnert daran, dass animierte Familienfilme nicht zwangsläufig aus den großen Studios kommen müssen, um Wirkung zu entfalten – und dass gerade im vermeintlich kleinen Format Raum für erzählerische Experimente und emotionale Aufrichtigkeit bleibt.


CHARLIE DER SUPERHUND

Start: 29.01.26 | FSK 6
R: Shea Wageman | Animationsfilm
Kanada 2025 | Splendid Film


 


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