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KINO | 11.02.2026

DIE ÄLTERN

Ein Film über den leisen Zerfall einer bürgerlichen Komfortzone – präzise beobachtet, aber selten riskant. „Die Ältern“ seziert männliche Selbstgewissheiten im Spätstadium der Familienidylle. Zwischen feiner Alltagsbeobachtung und erzählerischer Glätte bleibt die Krise merkwürdig folgenlos. Ein Film, das mehr Fragen aufwirft, als es sich zu stellen traut.

von Richard-Heinrich Tarenz


© Constantin Film Distribution / Gordon A. Timpen

Mit „Die Ältern“, der am 12. Februar in den Kinos startet, widmet sich der Film einem Sujet, das im deutschen Gegenwartskino immer wiederkehrt: der Krise des saturierten Mannes in der zweiten Lebenshälfte. Im Zentrum steht Hannes, ein Erfolgsautor, Familienvater und Inbegriff liberaler Selbstzufriedenheit, dessen sorgfältig eingerichtetes Leben nicht durch äußere Katastrophen, sondern durch schleichende Verschiebungen ins Wanken gerät. Der Film entscheidet sich bewusst gegen das Drama des großen Knalls – und genau darin liegen sowohl seine Stärke als auch seine Begrenzung. Die Inszenierung entwirft zunächst ein Bild vorbildlicher Harmonie: beruflicher Erfolg, ökonomische Sicherheit, eine architektonisch makellose Wohnwelt und ein Vater, der sich moderner Fürsorge verschrieben hat. Hannes’ Nähe zur Küche, seine pädagogische Geduld und sein demonstrativ ironischer Umgang mit Autorität markieren ihn als Gegenentwurf zum patriarchalen Vatermodell. Filmisch wird diese Ordnung durch eine glatte, wohltemperierte Bildsprache gestützt, in der Konflikte eher angedeutet als ausgestellt werden. Der Zerfall dieser Ordnung vollzieht sich folgerichtig nicht als Bruch, sondern als Entzug: der Sohn gerät schulisch ins Schlingern, die Tochter grenzt sich ab, die Ehefrau artikuliert ihre Unzufriedenheit, ohne sie zu dramatisieren. Der Film beschreibt diese Entwicklungen mit psychologischem Realismus, verweigert ihnen jedoch eine strukturelle Zuspitzung. Die Krise erscheint weniger als existenzielles Problem denn als Irritation einer bislang reibungslos funktionierenden Selbstwahrnehmung. Filmwissenschaftlich interessant ist dabei, dass „Die Ältern“ seine Hauptfigur konsequent im Zentrum hält und die Perspektive kaum verlässt. Alles wird durch Hannes’ Blick gefiltert – auch die vermeintlichen Zumutungen der anderen.


© Constantin Film Distribution / Gordon A. Timpen

Diese formale Entscheidung verstärkt den Eindruck, dass der Film weniger an der Familie als System interessiert ist als an der narzisstischen Erschütterung eines Mannes, der nicht bemerkt hat, wie sehr sich sein Leben bereits von selbst verändert hat. Die Umgebung bleibt dabei auffallend wohlwollend: Probleme lösen sich schnell, neue Optionen stehen bereit, Verluste sind stets reversibel. Gerade hierin liegt der ambivalente Kern des Films. Einerseits überzeugt „Die Ältern“ durch seine präzise Beobachtung kleinbürgerlicher Rituale, durch das Gespür für Situationen, die vielen Zuschauenden vertraut sein dürften, und durch ein ruhiges Erzähltempo, das auf Überzeichnung verzichtet. Andererseits scheut der Film die Konsequenz. Die Trennung der Ehe wird nicht vertieft, die berufliche Krise bleibt episodisch, und neue Beziehungsmöglichkeiten erscheinen beinahe zu reibungslos, um wirklich als Herausforderung zu funktionieren. Auch die Dialogführung trägt zu dieser Glättung bei. Während frühere Ensemblefilme des Regisseurs von sprachlicher Schärfe und pointierter Eskalation lebten, bleiben die Gespräche hier auffallend spannungsarm. Konflikte werden benannt, aber selten ausgefochten. Dadurch entsteht ein Film, der in der Summe weniger über gesellschaftliche Verwerfungen spricht als über das Unbehagen eines Milieus, das sich existenziell bedroht fühlt, ohne es tatsächlich zu sein. Der symbolische Ausbruch der Hauptfigur in eine exotische Landschaft am Ende des Films unterstreicht diese Problematik. Was als Metapher für Selbstsuche und Neuanfang gedacht ist, wirkt eher wie eine narrative Ausweichbewegung, die die zuvor etablierten Konflikte nicht vertieft, sondern ästhetisch entschärft. Die Krise wird externalisiert, statt in den sozialen Beziehungen verhandelt zu werden. „Die Ältern“ ist damit ein sorgfältig gemachter, gut gespielter und angenehm unaufgeregter Film, der jedoch genau dort zögert, wo er schärfer werden könnte. Er beobachtet die Erosion männlicher Selbstgewissheit, ohne sie wirklich infrage zu stellen. Als Spiegel einer wohlhabenden, alternden Generation ist das aufschlussreich – als filmische Krisenerzählung bleibt es kontrolliert, komfortabel und letztlich folgenarm.


DIE ÄLTERN

Start: 12.02.26 | FSK 6
R: Sönke Wortmann | D: Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Kya-Celina Barucki
Deutschland 2026 | Constantin Film Verleih


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