Eine
Ikone kehrt zurück – und mit ihr die Maske des Schreckens.
SCREAM 7 führt Sidney Prescott erneut an die Grenze zwischen
Trauma und Überleben. Am 26. Februar entscheidet sich im Kino,
ob Ghostface das Genre abermals neu definiert.
Am
26. Februar startet der siebte Teil der „Scream“-Reihe
in den deutschen Kinos – ein Ereignis, welches hohe Aufmerksamkeit
in Genre- und Mainstream-Kreisen erzeugt. In einer Zeit, in der Fortsetzungen,
Reboots und Franchise-Ökonomien den Kinomarkt dominieren, steht
SCREAM 7 bereits vor dem öffentlichen Debüt nicht nur als
weiterer Eintrag in eine langlebige Horrorreihe, sondern als Symbol
einer Filmsaga, die nicht nur ihr Genre verändert, sondern auch
filmhistorisch narrativ wie formell neu definiert hat.
INHALT
Eigentlich wollte sich Sidney Prescott (Neve Campbell) ein neues Leben
in einer kleinen Stadt aufbauen, doch der Frieden findet schnell ein
jähes Ende, denn ein neuer Ghostface-Killer erscheint auf der
Bildfläche und sorgt für Angst und Schrecken. Der maskierte
Mörder hat es aber nicht nur auf Sidney abgesehen, sondern auch
auf ihre Tochter (Isabel May). Sidney muss nun alles geben, um ihre
Familie zu beschützen, was auch bedeutet, dass sie sich ihrer
Vergangenheit stellen muss.
Der zentrale Plot um Sidney Prescott –
Figur und Ikone zugleich – ist nicht nur narrative Fortschreibung,
sondern auch eine Reflexionsfläche dafür, wie das Franchising
des Horrorfilms im 21. Jahrhundert funktioniert. Bevor wir in den
spekulativen Raum zu SCREAM 7 vordringen, lohnt sich ein Blick zurück
auf das, was dieses Franchise einmalig macht. Als „Scream“
1996 erschien, war der konventionelle Slasher-Film bereits in eine
kreative Sackgasse geraten. Die Welle, die Mitte der 1970er mit „Halloween“
ihren Anfang nahm und in den 1980ern mit zahllosen Fortsetzungen und
Variationen wie „Freitag der 13.“ und 13th und „Nightmare
– Mörderische Träume“ ihr kulturelles Domizil
gefunden hatte, war Mitte der 1990er unweigerlich zu einem zitierten,
doch oft parodierten Subgenre mutiert. Der Horrorfilm lief Gefahr,
seine eigenen Codes in endlosen Variationen zu reproduzieren –
und damit Wirkung und Bedeutung zu verlieren. Kevin Williamson und
Wes Craven stellten genau diese Mechanismen in Frage – indem
sie sie explizit machten. „Scream – Schrei!“ war
kein bloßer Slasher, sondern ein Meta-Slasher: ein Film über
Horrorfilme, über das Publikum, über die Regeln des Genres.
Figuren wie Randy („Neun Regeln, um einen Killer zu überleben“)
referenzierten nicht nur die filmische Tradition, sondern luden das
Publikum ein, sich selbst als Teil eines Kodex zu begreifen. Diese
Reflexivität öffnete dem Genre eine neue Ebene – die
Selbstbewusstheit, die Selbstverortung und die bewusste Zitation eigener
Mechanismen. Damit war „Scream – Schrei!“ nicht
nur ein Remake- oder Reboot-Anwärter, sondern eine Neubestimmung
des Slasherfilms als postmoderner Reflexionsraum.
Die
Figur von Sidney Prescott (Neve Campbell) ist keine klassische Final
Girl-Konvention mehr, sondern ein bewusstes Spiel mit der Erwartung
– eine Heldin, die weiß, wie Filme funktionieren, und
sich dennoch den realen Konsequenzen stellen muss. Der erste „Scream“-Film
ist mehr als ein Genre-Horror geworden: Er ist ein Reflexionsraum
über das Kino selbst. Indem er Konventionen wie die maskierte
Angstfigur („Ghostface“), die Ermordung durch definierte
Rhythmen, klassische Szenarien auf hintergründige Weise zitiert
und gleichzeitig dem Publikum bewusst machte, dass es Genres kennt,
hat er eine Ebene des Selbstbewusstseins eingeführt, die dem
Genre zuvor fremd war. Mit „Scream 2“ (1997), „Scream
3“ (2000), „Scream 4“ (2011) und dem späteren
Reboot „Scream“ (2022) und „Scream VI“ (2023)
wurde diese Meta-Dramaturgie weiter verhandelt: Moderne Medien, Serienkiller-Kultur,
Social Media-Ängste und kollektive Zuschauererfahrungen wurden
verhandelt, zitiert und reflektiert. Insbesondere die Rezeption des
jüngeren Scream-Films zeigte, wie sehr dieses Franchise ironisch
und doch emotional resonant die Tendenzen der Populärkultur aufnimmt.
Was alle Teile gemeinsam haben: Sie sind nicht nur Horrorgeschichten,
sie sind Diskurse über Horror – über unsere Rezeption,
unsere Medienkultur, unser Verhältnis zur Gewalt und unser Verstehen
von Fiktion. Dieses meta-reflexive Element
ist Teil des historischen Zugangs, der „Scream“ von bloßem
Genre-Entertainment unterscheidet. Ein zentraler Grund, warum „Scream“
mehr ist als eine Slasher-Saga, ist die Figur Sidney Prescott. Sie
ist weit mehr als das klassische „Final Girl“. In ihrer
narrativen Entwicklung wächst sie von einer traumatisierten Überlebenden
zu einer bewussten Protagonistin heran, die nicht nur um ihr Überleben
kämpft, sondern die Mechanismen des Horrors an sich versteht.
In SCREAM 7 – so die knappe offizielle Synopsis – geht
ihr Kampf weiter, nun mit dem Motiv der Familie: Ihre Tochter wird
zur Zielscheibe. Dieser narrative Impuls spiegelt eine Entwicklung,
die über bloßes Franchise-Storytelling hinausweist: die
Idee, dass Trauma, Rache und Überleben nicht in der Vergangenheit
verhaftet bleiben, sondern weiterwirken, sich verwandeln, Generationen
übergreifend. Dieses Motiv ist typisch für die post-90er
Scream-Erzählweise: Horror ist nicht abgeschlossen, sondern eine
sich fortschreibende psychologische Landschaft. Am 26. Februar kommt
SCREAM 7 in die Kinos. Und auch wenn wir derzeit noch nichts über
den konkreten Inhalt sagen können, ist bereits jetzt eines sicher:
Die Saga um Sidney Prescott wird weitergehen – und mit ihr die
Diskussion über das Kino selbst.
SCREAM 7
Start:
26.02.26 | FSK 16
R: Kevin Williamson | D: Neve Campbell, Courteney Cox, Isabel May
USA 2026 | Sony Pictures Germany