Eine
Mission am Rand der kosmischen Verzweiflung – und ein Astronaut,
der erst verstehen muss, warum er überhaupt unterwegs ist. „Der
Astronaut – Project Hail Mary“ verbindet klassische Science-Fiction
mit humorvoller Selbstironie. Zwischen existenzieller Bedrohung, technischer
Problemlösung und unerwarteter Freundschaft entfaltet sich ein
Film von wechselhaften Tonlagen. Das Ergebnis ist ein ebenso unterhaltsames
wie ambivalentes Genreexperiment, das zwischen wissenschaftlicher
Fantasie und populärem Abenteuerkino oszilliert.
Mit
„Der Astronaut – Project Hail Mary“, der am 19.
März in den Kinos startet, setzt Hollywood seine anhaltende Faszination
für wissenschaftlich grundierte Science-Fiction fort. Die Verfilmung
des gleichnamigen Romans von Andy Weir folgt einem Muster, das bereits
mit „Der Marsianer - Rettet Mark Watney“ große Resonanz
fand: die Verbindung präziser naturwissenschaftlicher Spekulation
mit einer populären Erzählform, die Humor, Abenteuer und
technologische Problemlösung miteinander verknüpft. Das
Resultat ist ein Film, der zwischen zwei Traditionen des Genres pendelt:
dem existenziellen Weltraumdrama einerseits und der optimistischen
Ingenieursfantasie andererseits. Die narrative Ausgangssituation besitzt
eine klassische science-fictionale Eleganz. Der Astronaut Ryland Grace
erwacht allein an Bord eines interstellaren Raumschiffs, ohne Erinnerung
an seine Mission. Die beiden übrigen Crewmitglieder sind tot;
die Erde steht vor einer kosmischen Katastrophe, da eine außerirdische
biologische Erscheinung die Energieproduktion der Sonne bedroht. Diese
Konstellation etabliert ein erzählerisches Rätsel, das zunächst
stark an die Tradition des „mystery-driven storytelling“
erinnert. Die Handlung entfaltet sich durch das schrittweise Wiedererlangen
von Erinnerungen, die erklären sollen, wie Grace überhaupt
zu diesem verzweifelten Rettungsunternehmen gelangt ist. Gleichzeitig
zwingt die Isolation im Raumschiff die Figur dazu, wissenschaftliche
Probleme in Echtzeit zu lösen – ein dramaturgisches Prinzip,
das Weirs Werk generell prägt. Ryan Gosling verleiht dieser Figur
eine erstaunliche Leichtigkeit. Sein Spiel kombiniert ironische Selbstreflexion
mit einer sympathischen Unerschütterlichkeit, die verhindert,
dass die Geschichte in reine Katastrophenrhetorik kippt. Gerade diese
gelassene Präsenz trägt erheblich dazu bei, dass der Film
auch in seinen ruhigeren Passagen zugänglich bleibt. Im Zentrum
des Films steht – wie schon in früheren Adaptionen von
Weirs Arbeiten – das Konzept der Wissenschaft als narratives
Abenteuer. Die Handlung entwickelt sich nicht primär über
Konflikte zwischen Figuren, sondern über eine Serie technischer
und naturwissenschaftlicher Herausforderungen. Der Protagonist fungiert
dabei als eine Art moderner Problemlöser im Sinne des klassischen
„competence hero“. Diese Figurentypologie, die in der
Science-Fiction seit den 1950er-Jahren verbreitet ist, zeichnet sich
durch rationales Denken, Improvisationsfähigkeit und technologische
Kreativität aus. Die Spannung entsteht weniger aus emotionaler
Tragik als aus der Frage, ob ein bestimmtes Problem rechtzeitig gelöst
werden kann.
Die
Regisseure Phil Lord und Chris Miller – bislang vor allem durch
komödiantische Arbeiten bekannt – bringen in diese Struktur
einen ausgeprägt spielerischen Ton ein. Die Inszenierung vermeidet
konsequent jene metaphysische Ehrfurcht vor dem Kosmos, die etwa Christopher
Nolans „Interstellar“ prägt. Stattdessen präsentiert
sich das Weltall als ein Raum praktischer Herausforderungen, der eher
neugierig als ehrfürchtig betrachtet wird. Ein wesentlicher Teil
der Dramaturgie besteht aus Rückblenden, die erklären, wie
Ryland Grace überhaupt in die Mission verwickelt wurde. In diesen
Passagen tritt auch die Figur der Projektleiterin Eva Stratt hervor,
eine kühle technokratische Instanz, die das globale Rettungsprojekt
organisiert. Interessant ist dabei weniger die Handlung selbst als
die Funktion dieser Sequenzen. Formal erscheinen sie weniger als echte
Erinnerungen des Protagonisten denn als narrative Einschübe,
die die Gegenwartshandlung rhythmisieren. Die
Frage nach der Zuverlässigkeit oder Subjektivität der Erinnerung
spielt kaum eine Rolle. Die wohl bemerkenswerteste narrative Wendung
ist die Begegnung des Astronauten mit einem außerirdischen Wesen,
das sich als unerwarteter Verbündeter erweist. Diese Figur, eine
technisch hochbegabte Kreatur mit ungewöhnlicher körperlicher
Gestalt, führt eine klassische Science-Fiction-Konstellation
ein: die Möglichkeit interspezifischer Kooperation. Diese Beziehung
erinnert an eine Reihe populärer Motive, von Steven Spielbergs
E.T. bis zu verschiedenen Buddy-Konstellationen des Genres. Auch hier
entwickelt sich zwischen Mensch und Alien eine Form der Zusammenarbeit,
die zugleich komisch und rührend wirkt. Gerade in dieser Mischung
aus kosmischer Bedrohung und humorvoller Leichtigkeit liegt die ambivalente
Qualität des Films. Einerseits wirkt die Entscheidung, ein Szenario
planetarer Vernichtung mit komödiantischen Elementen zu verbinden,
erfrischend. Sie verhindert die pathetische Überhöhung,
die viele moderne Science-Fiction-Filme prägt. Andererseits führt
dieser Tonfall gelegentlich zu Brüchen. Einige Momente wirken
überraschend verspielt, fast kindlich, obwohl der Film zuvor
eine gewisse Ernsthaftigkeit etabliert hat. Diese Schwankungen zwischen
existenzieller Dramatik und leichtem Abenteuerkino erzeugen eine gewisse
stilistische Uneinheitlichkeit. Visuell folgt der Film einer etablierten
Ikonografie des Weltraumkinos. „Der Astronaut – Project
Hail Mary“ ist ein Science-Fiction-Film, der seine Wirkung weniger
aus philosophischer Tiefe als aus erzählerischer Zugänglichkeit
bezieht. Die Mischung aus wissenschaftlicher Problemlösung, humorvoller
Selbstironie und interstellarer Freundschaft verleiht dem Werk eine
populäre Leichtigkeit, die zweifellos unterhaltsam ist.
DER ASTRONAUT - PROJECT HAIL MARY
Start:
12.03.26 | FSK 12
R: Phil Lord, Christopher Miller | D: Ryan Gosling, Sandra Hüller,
Milana Vayntrub
USA 2026 | Sony Pictures Germany