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KINO | 11.03.2026

DER ASTRONAUT - PROJECT HAIL MARY

Eine Mission am Rand der kosmischen Verzweiflung – und ein Astronaut, der erst verstehen muss, warum er überhaupt unterwegs ist. „Der Astronaut – Project Hail Mary“ verbindet klassische Science-Fiction mit humorvoller Selbstironie. Zwischen existenzieller Bedrohung, technischer Problemlösung und unerwarteter Freundschaft entfaltet sich ein Film von wechselhaften Tonlagen. Das Ergebnis ist ein ebenso unterhaltsames wie ambivalentes Genreexperiment, das zwischen wissenschaftlicher Fantasie und populärem Abenteuerkino oszilliert.

von Richard-Heinrich Tarenz


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Mit „Der Astronaut – Project Hail Mary“, der am 19. März in den Kinos startet, setzt Hollywood seine anhaltende Faszination für wissenschaftlich grundierte Science-Fiction fort. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andy Weir folgt einem Muster, das bereits mit „Der Marsianer - Rettet Mark Watney“ große Resonanz fand: die Verbindung präziser naturwissenschaftlicher Spekulation mit einer populären Erzählform, die Humor, Abenteuer und technologische Problemlösung miteinander verknüpft. Das Resultat ist ein Film, der zwischen zwei Traditionen des Genres pendelt: dem existenziellen Weltraumdrama einerseits und der optimistischen Ingenieursfantasie andererseits. Die narrative Ausgangssituation besitzt eine klassische science-fictionale Eleganz. Der Astronaut Ryland Grace erwacht allein an Bord eines interstellaren Raumschiffs, ohne Erinnerung an seine Mission. Die beiden übrigen Crewmitglieder sind tot; die Erde steht vor einer kosmischen Katastrophe, da eine außerirdische biologische Erscheinung die Energieproduktion der Sonne bedroht. Diese Konstellation etabliert ein erzählerisches Rätsel, das zunächst stark an die Tradition des „mystery-driven storytelling“ erinnert. Die Handlung entfaltet sich durch das schrittweise Wiedererlangen von Erinnerungen, die erklären sollen, wie Grace überhaupt zu diesem verzweifelten Rettungsunternehmen gelangt ist. Gleichzeitig zwingt die Isolation im Raumschiff die Figur dazu, wissenschaftliche Probleme in Echtzeit zu lösen – ein dramaturgisches Prinzip, das Weirs Werk generell prägt. Ryan Gosling verleiht dieser Figur eine erstaunliche Leichtigkeit. Sein Spiel kombiniert ironische Selbstreflexion mit einer sympathischen Unerschütterlichkeit, die verhindert, dass die Geschichte in reine Katastrophenrhetorik kippt. Gerade diese gelassene Präsenz trägt erheblich dazu bei, dass der Film auch in seinen ruhigeren Passagen zugänglich bleibt. Im Zentrum des Films steht – wie schon in früheren Adaptionen von Weirs Arbeiten – das Konzept der Wissenschaft als narratives Abenteuer. Die Handlung entwickelt sich nicht primär über Konflikte zwischen Figuren, sondern über eine Serie technischer und naturwissenschaftlicher Herausforderungen. Der Protagonist fungiert dabei als eine Art moderner Problemlöser im Sinne des klassischen „competence hero“. Diese Figurentypologie, die in der Science-Fiction seit den 1950er-Jahren verbreitet ist, zeichnet sich durch rationales Denken, Improvisationsfähigkeit und technologische Kreativität aus. Die Spannung entsteht weniger aus emotionaler Tragik als aus der Frage, ob ein bestimmtes Problem rechtzeitig gelöst werden kann.


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Die Regisseure Phil Lord und Chris Miller – bislang vor allem durch komödiantische Arbeiten bekannt – bringen in diese Struktur einen ausgeprägt spielerischen Ton ein. Die Inszenierung vermeidet konsequent jene metaphysische Ehrfurcht vor dem Kosmos, die etwa Christopher Nolans „Interstellar“ prägt. Stattdessen präsentiert sich das Weltall als ein Raum praktischer Herausforderungen, der eher neugierig als ehrfürchtig betrachtet wird. Ein wesentlicher Teil der Dramaturgie besteht aus Rückblenden, die erklären, wie Ryland Grace überhaupt in die Mission verwickelt wurde. In diesen Passagen tritt auch die Figur der Projektleiterin Eva Stratt hervor, eine kühle technokratische Instanz, die das globale Rettungsprojekt organisiert. Interessant ist dabei weniger die Handlung selbst als die Funktion dieser Sequenzen. Formal erscheinen sie weniger als echte Erinnerungen des Protagonisten denn als narrative Einschübe, die die Gegenwartshandlung rhythmisieren. Die Frage nach der Zuverlässigkeit oder Subjektivität der Erinnerung spielt kaum eine Rolle. Die wohl bemerkenswerteste narrative Wendung ist die Begegnung des Astronauten mit einem außerirdischen Wesen, das sich als unerwarteter Verbündeter erweist. Diese Figur, eine technisch hochbegabte Kreatur mit ungewöhnlicher körperlicher Gestalt, führt eine klassische Science-Fiction-Konstellation ein: die Möglichkeit interspezifischer Kooperation. Diese Beziehung erinnert an eine Reihe populärer Motive, von Steven Spielbergs E.T. bis zu verschiedenen Buddy-Konstellationen des Genres. Auch hier entwickelt sich zwischen Mensch und Alien eine Form der Zusammenarbeit, die zugleich komisch und rührend wirkt. Gerade in dieser Mischung aus kosmischer Bedrohung und humorvoller Leichtigkeit liegt die ambivalente Qualität des Films. Einerseits wirkt die Entscheidung, ein Szenario planetarer Vernichtung mit komödiantischen Elementen zu verbinden, erfrischend. Sie verhindert die pathetische Überhöhung, die viele moderne Science-Fiction-Filme prägt. Andererseits führt dieser Tonfall gelegentlich zu Brüchen. Einige Momente wirken überraschend verspielt, fast kindlich, obwohl der Film zuvor eine gewisse Ernsthaftigkeit etabliert hat. Diese Schwankungen zwischen existenzieller Dramatik und leichtem Abenteuerkino erzeugen eine gewisse stilistische Uneinheitlichkeit. Visuell folgt der Film einer etablierten Ikonografie des Weltraumkinos. „Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist ein Science-Fiction-Film, der seine Wirkung weniger aus philosophischer Tiefe als aus erzählerischer Zugänglichkeit bezieht. Die Mischung aus wissenschaftlicher Problemlösung, humorvoller Selbstironie und interstellarer Freundschaft verleiht dem Werk eine populäre Leichtigkeit, die zweifellos unterhaltsam ist.


DER ASTRONAUT - PROJECT HAIL MARY

Start: 12.03.26 | FSK 12
R: Phil Lord, Christopher Miller | D: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Milana Vayntrub
USA 2026 | Sony Pictures Germany


 


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