FILME | SERIEN | MUSIK | BÜCHER | PANORAMA | INTERVIEWS


KINO | 11.03.2026

THE BRIDE!
Es lebe die Braut

Ein Klassiker der Schauerromantik wird neu zusammengesetzt – doch die Nähte bleiben sichtbar. Maggie Gyllenhaals „The Bride! – Es lebe die Braut“ will Mythos, Feminismus und Genrekino zugleich sein. Zwischen visueller Kühnheit und erzählerischer Überdeutlichkeit verliert sich jedoch die eigentliche Tragik der Kreatur. So entsteht ein Film, der ambitioniert wirkt, dessen ästhetischer Überschwang aber seine dramaturgische Schwäche kaum kaschieren kann.

von Richard-Heinrich Tarenz


© 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Mit ihrem Regiedebüt „Frau im Dunkeln“ hatte Maggie Gyllenhaal einen bemerkenswerten Einstand vorgelegt: ein präzis komponiertes Psychodrama über Mutterschaft, Schuld und weibliche Selbstbehauptung, das durch formale Strenge und psychologische Nuancierung überzeugte. Vor diesem Hintergrund erscheint ihr zweiter Spielfilm, „The Bride! – Es lebe die Braut“, der am 05. März in den Kinos gestartet ist, als ein überraschend radikaler Richtungswechsel. Gyllenhaal wendet sich hier dem fantastischen Genrekino zu und greift den Mythos um Frankensteins Kreatur auf, um ihn aus einer dezidiert weiblichen Perspektive neu zu denken. Das Vorhaben ist ambitioniert: Statt den bekannten männlichen Monsterfiguren folgt der Film der titelgebenden Braut – einer Figur, die in der klassischen Tradition meist nur als groteskes Beiwerk erscheint. In dieser Neuinterpretation rückt sie ins Zentrum eines erzählerischen Experiments, das Gothic-Horror, romantische Tragödie und filmhistorische Selbstreflexion miteinander verschränken will. Doch gerade dieser ambitionierte Zugriff offenbart zugleich die strukturellen Probleme des Films. Im Mittelpunkt steht eine Frau, die zunächst als rebellische Außenseiterin in einer von männlicher Gewalt geprägten Gesellschaft erscheint. Nach ihrem Tod wird ihr Körper exhumiert und – im Sinne des Frankenstein-Mythos – zum Leben erweckt, um dem einsamen Monster Frank eine Gefährtin zu verschaffen.


© 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Diese narrative Konstruktion eröffnet theoretisch ein faszinierendes Spannungsfeld: Die Figur der Braut könnte als Allegorie einer weiblichen Existenz gelesen werden, die buchstäblich aus den Trümmern patriarchaler Gewalt hervorgeht. Jessie Buckley verkörpert diese Figur mit einer Intensität, die zu den stärkeren Elementen des Films zählt. Ihre Darstellung ist von eruptiver Energie geprägt; sie spricht, klagt, argumentiert und rebelliert in einem beinahe ununterbrochenen Strom von Worten. Die Figur erscheint dabei weniger als schweigende Kreatur denn als intellektuelle Furie, deren Monologe philosophische, literarische und gesellschaftskritische Reflexionen miteinander verbinden. Doch gerade diese Wortfülle erweist sich als dramaturgisches Problem. Statt die emotionale Wucht der Figur aus dem Bild, der Körperlichkeit oder der Situation entstehen zu lassen, erklärt der Film seine Themen unablässig in Dialogen. Die Wut der Braut wird nicht entfaltet, sondern kommentiert – und verliert dadurch an Wirkung. Gyllenhaals Film versteht sich offensichtlich als cinephile Collage. Das Werk spielt in den 1930er-Jahren und bewegt sich in einer stilisierten Welt, die bewusst auf die Ästhetik klassischer Hollywood-Genres verweist. Noirhafte Schatten, expressionistische Bildkompositionen und eine bewusst künstliche Ausstattung erzeugen eine Atmosphäre, die zwischen Retro-Fantasie und ironischer Stilisierung oszilliert. In dieser Welt begegnet das monströse Paar einer Reihe von Figuren, darunter ein charismatischer Filmstar, dessen Präsenz die Handlung in Richtung einer reflexiven Betrachtung des Kinos selbst verschiebt. Die Figuren werden zu Wanderern durch eine filmhistorische Landschaft, in der Gangsterfilm, Horrormotivik und romantische Roadmovie-Elemente miteinander verschmelzen. Visuell besitzt der Film zweifellos eine eigene Handschrift. Kostümgestaltung, Farbdramaturgie und Szenenbild sind mit bemerkenswerter Detailverliebtheit gestaltet.


© 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Die Bildwelt wirkt exzessiv und bewusst überhöht, fast wie eine Mischung aus Gothic-Oper und Pop-Art-Fantasie. Doch diese visuelle Opulenz ersetzt nicht die narrative Kohärenz, die dem Film zunehmend entgleitet. Thematisch möchte „The Bride! – Es lebe die Braut“ offensichtlich eine feministische Umdeutung des Frankenstein-Mythos liefern. Die titelgebende Figur soll nicht länger Objekt männlicher Projektionen sein, sondern ihre eigene Geschichte erzählen. In diesem Ansatz liegt grundsätzlich eine produktive Idee: Mary Shelleys ursprünglicher Roman enthält bereits eine tiefe Skepsis gegenüber männlicher Schöpfungsfantasie und wissenschaftlicher Hybris. Der Film jedoch entscheidet sich für eine vergleichsweise einfache Zuspitzung. Die emanzipatorische Botschaft wird im Finale so eindeutig formuliert, dass sie beinahe didaktisch wirkt. Statt die Ambivalenzen der monströsen Existenz auszuloten – jene existenzielle Tragik, die den Frankenstein-Mythos seit jeher prägt –, reduziert der Film seine Aussage auf einen moralisch eindeutigen Triumph der Selbstbehauptung. Gerade hierin liegt eine paradoxe Schwäche des Projekts. Der Frankenstein-Stoff lebt von seiner philosophischen Mehrdeutigkeit: von der Frage nach Verantwortung, nach Identität, nach der Grenze zwischen Mensch und Monster. Indem der Film diese Ambivalenzen zugunsten einer klaren Botschaft glättet, verliert er einen Teil jener existenziellen Tiefe, die das Ausgangsmaterial so nachhaltig macht. Trotz dieser Kritikpunkte bleibt Gyllenhaals filmische Kühnheit bemerkenswert. „The Bride! – Es lebe die Braut“ ist kein vorsichtig kalkuliertes Studio-Produkt, sondern ein Werk, das sichtbar von Experimentierfreude geprägt ist. Die Regisseurin versucht, den Mythos radikal umzudeuten, filmische Genres zu vermischen und eine visuell exzentrische Welt zu erschaffen. Doch gerade diese Ungebundenheit führt dazu, dass der Film selten ein stabiles Gleichgewicht findet. Die Vielzahl ästhetischer Ideen – vom Gothic-Horror über Film-noir-Anspielungen bis hin zum romantischen Outlaw-Motiv – bleibt nebeneinander stehen, ohne sich zu einer kohärenten Vision zu verdichten. So hinterlässt „The Bride! – Es lebe die Braut“ letztlich den Eindruck eines Films, der vor Ideen überquillt, diese jedoch nicht zu einer überzeugenden filmischen Form zu bündeln vermag. Was als mutige Revision eines klassischen Mythos gedacht ist, wirkt deshalb eher wie ein faszinierendes, aber unausgereiftes Experiment.


THE BRIDE! - ES LEBE DIE BRAUT

Start: 05.03.26 | FSK 16
R: Maggie Gyllenhaal | D: Jessie Buckley, Christian Bale, Jake Gyllenhaal
USA 2026 | Warner Bros. GmbH


AGB | IMPRESSUM