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KINO | 18.03.2026

AMSTERDAMNED II - Verfluchtes Amsterdam

Vier Jahrzehnte nach einem europäischen Kultfilm kehrt der Schrecken in die Grachten zurück. „Amsterdamned II – Verfluchtes Amsterdam“ verbindet nostalgische Referenzen mit moderner Thrillerdramaturgie. Zwischen humorvoller Selbstreflexion, Genretradition und erzählerischer Überladung entsteht ein ambivalentes Sequel.

von Richard-Heinrich Tarenz


© Splendid Film

Die gegenwärtige Kinolandschaft ist von einer bemerkenswerten Rückkehr vergangener Filmstoffe geprägt. Remakes, Reboots und späte Fortsetzungen versuchen, vertraute Erzählwelten für ein neues Publikum wiederzubeleben. Mit „Amsterdamned II – Verfluchtes Amsterdam“, der am 19. März in die Kinos kommt, erreicht diese nostalgische Bewegung nun auch einen der bekanntesten niederländischen Genreklassiker. Der Film knüpft an Dick Maas’ Kultthriller aus dem Jahr 1988 an, der seinerzeit mit seiner ungewöhnlichen Mischung aus Horrorfilm, Polizeithriller und spektakulären Stunts internationale Aufmerksamkeit erregte. Die Fortsetzung steht damit vor einer heiklen Aufgabe: Sie muss einerseits den Mythos des Originals respektieren, andererseits genügend Eigenständigkeit entwickeln, um nicht lediglich als nostalgische Wiederholung zu wirken. Der Film beginnt mit einer klassischen Konstellation des späten Sequels: Der einstige Held ist in die Jahre gekommen. Kommissar Eric Visser, der im Original mit riskanten Alleingängen und halsbrecherischen Aktionen zum Publikumsliebling wurde, lebt inzwischen im Ruhestand. Die ländliche Umgebung, in die er sich zurückgezogen hat, wirkt wie ein Kontrast zur hektischen Urbanität Amsterdams, die einst sein Jagdrevier war. Doch das scheinbar ruhige Leben erweist sich als trügerisch. Eine Serie brutaler Morde erschüttert erneut die Stadt, und die Spuren führen zurück zu jenen rätselhaften Angriffen, die Visser Jahrzehnte zuvor aufklärte. Der pensionierte Ermittler wird in den Fall hineingezogen – weniger als aktiver Protagonist denn als Verbindungsglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Diese narrative Entscheidung ist sehr interessant. Das Sequel nutzt die Figur Vissers als nostalgische Referenz, ohne sie vollständig ins Zentrum der Handlung zu stellen. Dadurch entsteht eine doppelte Perspektive: Der Film würdigt die ikonische Figur des Originals, während er zugleich eine neue Generation von Ermittlern etabliert. Die eigentliche Ermittlungsarbeit übernehmen nun jüngere Figuren, insbesondere eine entschlossene Kommissarin und ihr etwas unbeholfener Kollege. Diese Konstellation erinnert bewusst an das Ermittlerduo des ersten Films und reproduziert dessen Dynamik in variierter Form. Die Figur der Kommissarin erscheint dabei als moderne Variation des klassischen Action-Helden: souverän, physisch präsent und in der Lage, sich in einer von Gewalt geprägten Welt zu behaupten. Gleichzeitig wird ihr Partner als humoristische Gegenfigur inszeniert – eine Figur, die durch seine leicht altmodische Erscheinung an die Polizeifilme vergangener Jahrzehnte erinnert.


© Splendid Film

Diese Mischung aus Aktualisierung und Rückgriff auf vertraute Typologien prägt den gesamten Film. Das Sequel bewegt sich ständig zwischen Innovation und Reproduktion. Wie schon im Original spielt Amsterdam selbst eine zentrale Rolle. Die Grachten, Brücken und engen Straßen der Stadt bilden nicht nur eine Kulisse, sondern fungieren als strukturierendes Element der Handlung. Der geheimnisvolle Mörder – offenbar ein Taucher, der aus den dunklen Kanälen auftaucht – nutzt die Wasserwege als unsichtbares Transportnetz. Diese Idee verleiht dem Film eine besondere räumliche Logik: Die Stadt wird zu einem Labyrinth aus Wasser und Stein, in dem der Täter jederzeit aus der Tiefe hervortreten kann. Die Inszenierung greift dabei mehrfach ikonische Bildmotive des Originals auf. Besonders auffällig sind visuelle Variationen bekannter Einstellungen, die für Kenner des ersten Films eine Reihe subtiler Wiedererkennungs-effekte erzeugen. Diese Strategie entspricht einem typischen Verfahren des nostalgischen Sequels: Die Vergangenheit wird zitiert, aber leicht modifiziert. Trotz dieser gelungenen Rückbezüge zeigt sich jedoch ein strukturelles Problem des Films. Das Drehbuch versucht, eine Vielzahl von Figuren und Nebenhandlungen zu integrieren. Während das Original durch eine relativ klare narrative Linie geprägt war, wirkt die Fortsetzung deutlich komplexer – und gelegentlich auch überladen. Die Vielzahl der Charaktere führt dazu, dass einzelne Figuren nur begrenzt entwickelt werden können. Einige Nebenhandlungen erscheinen eher funktional als dramaturgisch notwendig. Diese narrative Verdichtung beeinträchtigt gelegentlich die Spannung, da die Geschichte Zeit benötigt, um ihre unterschiedlichen Handlungsebenen miteinander zu verbinden. Ein weiteres auffälliges Merkmal ist die ungewöhnliche Rhythmik der Actionsequenzen.


© Splendid Film

Während das Original für seine unmittelbare Dynamik und spektakulären Verfolgungsjagden bekannt war, nimmt sich das Sequel deutlich mehr Zeit, bevor es zu größeren Actionmomenten kommt. Wenn diese schließlich eintreten, zeigen sie jedoch weiterhin jene handwerkliche Präzision, die Dick Maas’ Inszenierungsstil auszeichnet. Besonders die Stunts und physisch inszenierten Aktionen besitzen eine greifbare Körperlichkeit, die im digitalen Actionkino der Gegenwart selten geworden ist. Was den Film letztlich zusammenhält, ist sein ironischer Unterton. Der Humor, der im ersten Teil bereits in Ansätzen vorhanden war, wird hier stärker betont. Er manifestiert sich sowohl in den Dialogen als auch in der Darstellung der Figuren, insbesondere des gealterten Protagonisten. Diese humoristische Dimension verleiht dem Film eine gewisse Selbstreflexivität. „Amsterdamned II“ scheint sich seiner eigenen Genretradition bewusst zu sein und spielt gelegentlich mit den Erwartungen des Publikums. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die den Thriller nicht vollständig ernst nimmt, ohne ihn in reine Parodie zu verwandeln.

FAZIT
„Amsterdamned II – Verfluchtes Amsterdam“ ist ein Sequel, das sich bewusst im Spannungsfeld zwischen Nostalgie und Erneuerung bewegt. Dick Maas gelingt es, zahlreiche Motive seines Kultfilms von 1988 wiederaufzugreifen und zugleich in eine neue erzählerische Konstellation einzubetten. Dennoch erreicht die Fortsetzung nicht ganz die formale Klarheit und narrative Direktheit des Originals. Die größere Figurenanzahl und die verzögerte Dramaturgie schwächen gelegentlich die Spannung. Gleichzeitig besitzt der Film genügend Charme, handwerkliche Kompetenz und ironisches Selbstbewusstsein, um als respektvolle Rückkehr in eine der ungewöhnlichsten urbanen Horrorwelten des europäischen Kinos zu funktionieren. So bleibt „Amsterdamned II“ letztlich ein ambivalentes, aber durchaus reizvolles Beispiel dafür, wie sich Genretraditionen über Jahrzehnte hinweg weiterentwickeln können.


AMSTERDAMNED II - VERFLUCHTES AMSTERDAM

Start: 19.03.26 | FSK 12
R: Dick Maas | D: Huub Stapel, Holly Mae Brood, Tatum Dagelet
Niederlande 2025 | Splendid Film GmbH


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