Vier
Jahrzehnte nach einem europäischen Kultfilm kehrt der Schrecken
in die Grachten zurück. „Amsterdamned II – Verfluchtes
Amsterdam“ verbindet nostalgische Referenzen mit moderner Thrillerdramaturgie.
Zwischen humorvoller Selbstreflexion, Genretradition und erzählerischer
Überladung entsteht ein ambivalentes Sequel.
Die
gegenwärtige Kinolandschaft ist von einer bemerkenswerten Rückkehr
vergangener Filmstoffe geprägt. Remakes, Reboots und späte
Fortsetzungen versuchen, vertraute Erzählwelten für ein
neues Publikum wiederzubeleben. Mit „Amsterdamned II –
Verfluchtes Amsterdam“, der am 19. März in die Kinos kommt,
erreicht diese nostalgische Bewegung nun auch einen der bekanntesten
niederländischen Genreklassiker. Der Film knüpft an Dick
Maas’ Kultthriller aus dem Jahr 1988 an, der seinerzeit mit
seiner ungewöhnlichen Mischung aus Horrorfilm, Polizeithriller
und spektakulären Stunts internationale Aufmerksamkeit erregte.
Die Fortsetzung steht damit vor einer heiklen Aufgabe: Sie muss einerseits
den Mythos des Originals respektieren, andererseits genügend
Eigenständigkeit entwickeln, um nicht lediglich als nostalgische
Wiederholung zu wirken. Der Film beginnt mit einer klassischen Konstellation
des späten Sequels: Der einstige Held ist in die Jahre gekommen.
Kommissar Eric Visser, der im Original mit riskanten Alleingängen
und halsbrecherischen Aktionen zum Publikumsliebling wurde, lebt inzwischen
im Ruhestand. Die ländliche Umgebung, in die er sich zurückgezogen
hat, wirkt wie ein Kontrast zur hektischen Urbanität Amsterdams,
die einst sein Jagdrevier war. Doch das scheinbar ruhige Leben erweist
sich als trügerisch. Eine Serie brutaler Morde erschüttert
erneut die Stadt, und die Spuren führen zurück zu jenen
rätselhaften Angriffen, die Visser Jahrzehnte zuvor aufklärte.
Der pensionierte Ermittler wird in den Fall hineingezogen –
weniger als aktiver Protagonist denn als Verbindungsglied zwischen
Vergangenheit und Gegenwart. Diese narrative Entscheidung ist sehr
interessant. Das Sequel nutzt die Figur Vissers als nostalgische Referenz,
ohne sie vollständig ins Zentrum der Handlung zu stellen. Dadurch
entsteht eine doppelte Perspektive: Der Film würdigt die ikonische
Figur des Originals, während er zugleich eine neue Generation
von Ermittlern etabliert. Die eigentliche Ermittlungsarbeit übernehmen
nun jüngere Figuren, insbesondere eine entschlossene Kommissarin
und ihr etwas unbeholfener Kollege. Diese Konstellation erinnert bewusst
an das Ermittlerduo des ersten Films und reproduziert dessen Dynamik
in variierter Form. Die Figur der Kommissarin erscheint dabei als
moderne Variation des klassischen Action-Helden: souverän, physisch
präsent und in der Lage, sich in einer von Gewalt geprägten
Welt zu behaupten. Gleichzeitig wird ihr Partner als humoristische
Gegenfigur inszeniert – eine Figur, die durch seine leicht altmodische
Erscheinung an die Polizeifilme vergangener Jahrzehnte erinnert.
Diese
Mischung aus Aktualisierung und Rückgriff auf vertraute Typologien
prägt den gesamten Film. Das Sequel bewegt sich ständig
zwischen Innovation und Reproduktion. Wie schon im Original spielt
Amsterdam selbst eine zentrale Rolle. Die Grachten, Brücken und
engen Straßen der Stadt bilden nicht nur eine Kulisse, sondern
fungieren als strukturierendes Element der Handlung. Der geheimnisvolle
Mörder – offenbar ein Taucher, der aus den dunklen Kanälen
auftaucht – nutzt die Wasserwege als unsichtbares Transportnetz.
Diese Idee verleiht dem Film eine besondere räumliche Logik:
Die Stadt wird zu einem Labyrinth aus Wasser und Stein, in dem der
Täter jederzeit aus der Tiefe hervortreten kann. Die Inszenierung
greift dabei mehrfach ikonische Bildmotive des Originals auf. Besonders
auffällig sind visuelle Variationen bekannter Einstellungen,
die für Kenner des ersten Films eine Reihe subtiler Wiedererkennungs-effekte
erzeugen. Diese Strategie entspricht einem typischen Verfahren des
nostalgischen Sequels: Die Vergangenheit wird zitiert, aber leicht
modifiziert. Trotz dieser gelungenen Rückbezüge zeigt sich
jedoch ein strukturelles Problem des Films. Das Drehbuch versucht,
eine Vielzahl von Figuren und Nebenhandlungen zu integrieren. Während
das Original durch eine relativ klare narrative Linie geprägt
war, wirkt die Fortsetzung deutlich komplexer – und gelegentlich
auch überladen. Die Vielzahl der Charaktere führt dazu,
dass einzelne Figuren nur begrenzt entwickelt werden können.
Einige Nebenhandlungen erscheinen eher funktional als dramaturgisch
notwendig. Diese narrative Verdichtung beeinträchtigt gelegentlich
die Spannung, da die Geschichte Zeit benötigt, um ihre unterschiedlichen
Handlungsebenen miteinander zu verbinden. Ein weiteres auffälliges
Merkmal ist die ungewöhnliche Rhythmik der Actionsequenzen.
Während
das Original für seine unmittelbare Dynamik und spektakulären
Verfolgungsjagden bekannt war, nimmt sich das Sequel deutlich mehr
Zeit, bevor es zu größeren Actionmomenten kommt. Wenn diese
schließlich eintreten, zeigen sie jedoch weiterhin jene handwerkliche
Präzision, die Dick Maas’ Inszenierungsstil auszeichnet.
Besonders die Stunts und physisch inszenierten Aktionen besitzen eine
greifbare Körperlichkeit, die im digitalen Actionkino der Gegenwart
selten geworden ist. Was den Film letztlich zusammenhält, ist
sein ironischer Unterton. Der Humor, der im ersten Teil bereits in
Ansätzen vorhanden war, wird hier stärker betont. Er manifestiert
sich sowohl in den Dialogen als auch in der Darstellung der Figuren,
insbesondere des gealterten Protagonisten. Diese humoristische Dimension
verleiht dem Film eine gewisse Selbstreflexivität. „Amsterdamned
II“ scheint sich seiner eigenen Genretradition bewusst zu sein
und spielt gelegentlich mit den Erwartungen des Publikums. Dadurch
entsteht eine Atmosphäre, die den Thriller nicht vollständig
ernst nimmt, ohne ihn in reine Parodie zu verwandeln.
FAZIT
„Amsterdamned II – Verfluchtes Amsterdam“ ist ein
Sequel, das sich bewusst im Spannungsfeld zwischen Nostalgie und Erneuerung
bewegt. Dick Maas gelingt es, zahlreiche Motive seines Kultfilms von
1988 wiederaufzugreifen und zugleich in eine neue erzählerische
Konstellation einzubetten. Dennoch erreicht die Fortsetzung nicht
ganz die formale Klarheit und narrative Direktheit des Originals.
Die größere Figurenanzahl und die verzögerte Dramaturgie
schwächen gelegentlich die Spannung. Gleichzeitig besitzt der
Film genügend Charme, handwerkliche Kompetenz und ironisches
Selbstbewusstsein, um als respektvolle Rückkehr in eine der ungewöhnlichsten
urbanen Horrorwelten des europäischen Kinos zu funktionieren.
So bleibt „Amsterdamned II“ letztlich ein ambivalentes,
aber durchaus reizvolles Beispiel dafür, wie sich Genretraditionen
über Jahrzehnte hinweg weiterentwickeln können.
AMSTERDAMNED II - VERFLUCHTES AMSTERDAM
Start:
19.03.26 | FSK 12
R: Dick Maas | D: Huub Stapel, Holly Mae Brood, Tatum Dagelet
Niederlande 2025 | Splendid Film GmbH