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KINO | 01.04.2026

THEY WILL KILL YOU

Ein Film zwischen Exzess und Ekstase, zwischen Zitat und eigener Handschrift. Ein Blutrausch, der sich in cinephiler Selbstreflexion spiegelt. Zazie Beetz als eruptive Kraft im Zentrum eines stilistischen Orkans.

von Richard-Heinrich Tarenz


© 2026 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Mit „They Will Kill You“, der am 26. März in den Kinos startet, legt Regisseur Kirill Sokolov einen Film vor, der sich demonstrativ in die Traditionslinien eines hyperstilisierten, selbstreflexiven Genrekinos einschreibt. Es ist ein Werk, das sich nicht scheut, seine genealogischen Bezugspunkte offen zur Schau zu stellen – und gerade darin seine ambivalente Faszination entfaltet. Zwischen Exploitation-Ästhetik, postmodernem Zitatenkino und digitaler Gewaltchoreografie oszillierend, entfaltet sich ein audiovisuelles Spektakel, das zugleich affirmiert und problematisiert, was es zu sein vorgibt. Im Zentrum steht die Figur der Asia Reaves, verkörpert von Zazie Beetz, deren Performance den Film nicht nur trägt, sondern ihm überhaupt erst eine emotionale Gravitation verleiht. Ihre Darstellung oszilliert zwischen physischer Präsenz und innerer Zerrissenheit, zwischen archaischer Rachefigur und verletzlicher Suchender. In einer filmischen Umgebung, die sich häufig in Oberflächenreizen verliert, fungiert Beetz als Ankerpunkt einer affektiven Kohärenz, die dem Werk eine unerwartete Tiefe verleiht. Narrativ entfaltet sich „They Will Kill You“ als Variation des klassischen Initiations- und Rachemotivs, eingebettet in ein hermetisches Setting, das zugleich als Ort der Prüfung wie als Allegorie auf ein moralisch entgrenztes Universum fungiert. Das titelgebende Hotel wird zur Topografie des Unheimlichen, ein Raum, in dem physische Gesetze ebenso außer Kraft gesetzt sind wie ethische Kategorien. Die Bewohner dieses Ortes – durch einen Pakt mit dunklen Mächten ihrer Sterblichkeit enthoben – transformieren Gewalt von einer finalen Konsequenz in ein zirkuläres Spektakel permanenter Wiederholung. Gerade hierin liegt eine der zentralen Ambivalenzen des Films: Die ästhetische Radikalität seiner Gewaltdarstellung, die sich in exzessiven Körperfragmentierungen und choreo-grafierten Zerstörungsakten manifestiert, unterläuft zugleich ihre eigene Wirkung. Wo Tod keine Endgültigkeit mehr besitzt, verliert Gewalt ihre ontologische Schwere und wird zum ornamentalen Ereignis. Sokolov bewegt sich hier bewusst in einem Spannungsfeld zwischen filmischer Immersion und distanzierender Reflexivität – ein Ansatz, der an die Arbeiten von Quentin Tarantino oder Sam Raimi erinnert, ohne jedoch deren präzise Balance zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit vollständig zu erreichen. Formal operiert der Film mit einer Ästhetik, die stark von Comic-Panels und Videospiel-Logiken geprägt ist.


© 2026 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Die Bildkompositionen sind häufig tableauartig angelegt, die Montage rhythmisiert Gewalt als Serie von Höhepunkten, während die Narration episodisch fragmentiert erscheint. Diese Struktur erzeugt eine spezifische Form der Rezeption: weniger ein kontinuierliches Erzählen als vielmehr eine Abfolge von Attraktionen im Sinne des frühen Kinos. Die filmische Zeit wird nicht als Entwicklung, sondern als Akkumulation von Momenten erfahrbar. Und doch entfaltet sich gerade in dieser Fragmentierung eine eigentümliche Qualität. „They Will Kill You“ ist kein kohärentes Meisterwerk, sondern vielmehr ein energetisches Experiment, ein Film, der sich in seiner eigenen Überdeterminiertheit beinahe erschöpft – und gerade dadurch eine eigentümliche Authentizität gewinnt. Seine Schwächen, insbesondere in der narrativen Verdichtung und der thematischen Durchdringung, treten offen zutage, werden jedoch von einer inszenatorischen Vehemenz überlagert, die sich dem reinen Konsum widersetzt. In dieser Hinsicht lässt sich der Film als Symptom eines gegenwärtigen Genrekinos lesen, das zwischen Referenzialität und Eigenständigkeit, zwischen Hommage und Innovation oszilliert. Sokolovs Werk steht exemplarisch für eine Generation von Filmemachern, die im Spannungsfeld medialer Übercodierung operieren und deren ästhetische Praxis weniger auf Originalität im klassischen Sinne zielt als auf die produktive Reorganisation vorhandener Formen. Letztlich bleibt „They Will Kill You“ ein Film der Extreme: visuell berauschend, narrativ fragmentiert, emotional punktuell überraschend wirkungsvoll. Es ist ein Werk, das seine eigenen Grenzen offenlegt – und gerade darin eine eigentümliche Faszination entfaltet. Ein Film, der nicht vollständig überzeugt, aber nachhaltig irritiert. Und vielleicht ist es gerade diese Irritation, die ihn im Gedächtnis verankert.

Kirill Sokolov ist ein russischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der sich insbesondere im Bereich des stilisierten Genrekinos profiliert hat. Geboren in Russland, studierte er Film und visuelle Künste mit einem Schwerpunkt auf Regie und Montage. Früh machte er durch Kurzfilme auf sich aufmerksam, die bereits eine ausgeprägte Affinität zu schwarzem Humor und exzessiver Bildsprache erkennen ließen. Sein Durchbruch gelang ihm mit seinem Langfilmdebüt „Why don’t you just die!“, das international große Beachtung fand. Sokolovs Arbeiten zeichnen sich durch eine markante Verbindung aus visueller Radikalität und narrativer Dekonstruktion aus. Er greift häufig auf Motive des Exploitation- und Actionkinos zurück, transformiert diese jedoch in eigenwillige, oft ironisch gebrochene Formen. Seine Inszenierungen sind geprägt von präziser Choreografie, dynamischer Montage und einem ausgeprägten Gespür für physische Präsenz im Raum. Thematisch interessiert ihn insbesondere die Darstellung von Gewalt, Machtstrukturen und moralischer Ambivalenz.


THEY WILL KILL YOU

Start: 26.03.26 | FSK 16
R: Kirill Sokolov | D: Zazie Beetz, Tom Felton, Heather Graham
USA, Südafrika 2026 | Warner Bros. GmbH


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