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KINO | 08.04.2026

How To Make A Killing – Todsicheres Erbe

Zwischen schwarzer Komödie und sozialer Diagnose entfaltet sich ein Spiel um Gier und Zugehörigkeit. Ein Film, der das Verbrechen als Symptom gesellschaftlicher Ordnungen liest. „How To Make A Killing“ verbindet narrative Raffinesse mit bitterer Ironie. Ein ebenso unterhaltsames wie beunruhigendes Porträt moderner Aufstiegsfantasien.

von Richard-Heinrich Tarenz


© Studiocanal

Mit „How To Make A Killing – Todsicheres Erbe“ legt Regisseur John Patton Ford eine ebenso pointierte wie vielschichtige schwarze Komödie vor, die ihre Genremechanik als Vehikel für eine präzise Analyse sozialer Dynamiken nutzt. Bereits mit „Emily The Criminal“ hatte Ford ein feines Gespür für die Wechselwirkungen zwischen ökonomischem Druck und moralischer Erosion bewiesen; sein neuer Film führt diese Linie fort und radikalisiert sie zugleich, indem er das Motiv des sozialen Aufstiegs mit einem dezidiert kriminellen Impuls verschränkt. Die Erzählstruktur des Films ist von bemerkenswerter Komplexität. Anstatt einer linearen Progression folgt die Handlung einer retrospektiven Logik, die sich aus einem bekenntnishaften Erzählen speist. Diese Rahmung erzeugt eine doppelte Zeitlichkeit: Das Geschehen erscheint zugleich als bereits abgeschlossen und doch in seiner Genese nachvollziehbar. Der Zuschauer wird so in eine Position versetzt, die zwischen Wissen und Spannung oszilliert – ein Verfahren, das weniger auf Überraschung als auf Erkenntnis zielt. Die Entscheidung, den narrativen Einstieg nahe am Ende der Handlung zu setzen, verstärkt diesen Effekt. Der Film interessiert sich weniger für das „Was“ als für das „Warum“: Welche psychologischen, sozialen und ökonomischen Faktoren treiben eine Figur dazu, moralische Grenzen zu überschreiten? Im Zentrum steht Beckett Redfellow, gespielt von Glen Powell, eine Figur, die sich an der Peripherie jener sozialen Sphäre bewegt, zu der sie zu gehören glaubt. Diese prekäre Position bildet den Ausgangspunkt einer Erzählung, die sich mit bemerkenswerter Präzision den Mechanismen von Klassenzugehörigkeit widmet. Der Film entwirft ein Szenario, in dem Herkunft nicht nur als biografische Tatsache, sondern als strukturelle Begrenzung erscheint. Der Tod der Mutter fungiert dabei als initialer Impuls, der Beckett auf einen radikalen Pfad führt. Ihr Vermächtnis – die Aufforderung, ein „richtiges“ Leben zu erreichen – wird zur ideologischen Triebfeder eines Projekts, das die Grenzen zwischen legitimer Ambition und destruktiver Gier zunehmend verwischt. In dieser Zuspitzung offenbart der Film eine zentrale These: Der Wunsch nach sozialem Aufstieg kann, unter bestimmten Bedingungen, in eine Logik der Gewalt umschlagen. Powells Darstellung operiert im Spannungsfeld von Authentizität und Maskerade. Seine Figur ist gezwungen, unterschiedliche Rollen anzunehmen, sich situativ anzupassen und Identität als performativen Akt zu begreifen. Diese Vielschichtigkeit verleiht der Figur eine ambivalente Qualität:


© Studiocanal

Beckett ist zugleich Täter und Produkt eines Systems, das Anpassung und Täuschung belohnt. An seiner Seite entwickelt Margaret Qualley eine faszinierende Variation der Femme-fatale-Figur, die klassische Genremuster aufnimmt und zugleich unterläuft. Ihr Spiel bewegt sich zwischen spielerischer Leichtigkeit und latenter Bedrohung, wodurch eine Dynamik entsteht, die den Film immer wieder in unerwartete Richtungen lenkt. Auch die Beziehung zu Ruth, dargestellt von Jessica Henwick, fungiert als emotionaler Anker. Sie verkörpert eine alternative Perspektive auf Becketts Handeln und eröffnet einen Möglichkeitsraum jenseits der Logik von Gier und Gewalt. In dieser Konstellation gewinnt der Film eine moralische Dimension, ohne in didaktische Eindeutigkeit zu verfallen. Eine der größten Stärken des Films liegt in seiner Fähigkeit, disparate Tonlagen miteinander zu verbinden. Die Komik speist sich häufig aus der Absurdität der Situationen sowie aus pointierten Nebenfiguren, verkörpert etwa von Topher Grace und Zach Woods. Ihre Auftritte erzeugen Momente der Leichtigkeit, die jedoch nie die zugrunde liegende Ernsthaftigkeit des Themas unterminieren. Gleichzeitig wird Gewalt mit einer beinahe nüchternen Selbstverständlichkeit inszeniert. Diese ästhetische Entscheidung verhindert eine Sensationalisierung und trägt dazu bei, die moralische Ambivalenz des Geschehens zu unterstreichen. Gewalt erscheint nicht als Ausnahme, sondern als integraler Bestandteil eines Systems, das auf Konkurrenz und Ausschluss basiert. Im weiteren Verlauf verdichtet sich der Film zu einer Reflexion über die zyklische Natur sozialer Ungleichheit. Der Versuch, aus einer marginalisierten Position auszubrechen, reproduziert letztlich jene Strukturen, die er zu überwinden sucht. Diese Erkenntnis verleiht dem Film eine leise Melancholie, die über die unmittelbare Handlung hinausweist. Die Parallelen zu Fords früherem Werk sind dabei unübersehbar, doch „How To Make A Killing“ entwickelt eine eigenständige Perspektive, indem er die individuelle Geschichte stärker in einen strukturellen Kontext einbettet. Das Verbrechen wird hier nicht als Ausnahmezustand inszeniert, sondern als logische Konsequenz eines Systems, das permanenten Wettbewerb und ungleiche Ausgangsbedingungen erzeugt. Dass „How To Make A Killing – Todsicheres Erbe“ am 09. April in den Kinos startet, unterstreicht seine Position als zeitgenössischer Kommentar zu Fragen sozialer Mobilität und ökonomischer Unsicherheit. Der Film trifft einen Nerv, indem er individuelle Schicksale mit strukturellen Bedingungen verschränkt und dabei stets unterhaltsam bleibt.


HOW TO MAKE A KILLING - TODSICHERES ERBE

Start: 09.04.26 | FSK 12
R: John Patton Ford | D: Glen Powell, Margaret Qualley, Jessica Henwick
Großbritannien, Frankreich, USA 2025 | StudioCanal Deutschland


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