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KINO | 06.05.2026

Der Teufel trägt Prada 2

Zwischen Glamour und Krise: Die Modewelt als Spiegel medialer Transformation. Ein Wiedersehen, das weniger fortschreibt als reflektiert. Dieser Film entfaltet seine Stärke im Spiel der Nuancen. Ein eleganter Nachklang über Arbeit, Macht und kulturellen Wandel.

von Richard-Heinrich Tarenz


© 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Reprise und Revision: Das Erbe eines Kultfilms

Mit „Der Teufel trägt Prada 2“ knüpft Regisseur David Frankel an einen jener seltenen Filme an, die sich tief in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben haben. Das Original, The Devil Wears Prada, fungierte einst als ebenso unterhaltsame wie präzise Beobachtung einer Arbeitswelt im Umbruch – und avancierte über die Jahre zum identitätsstiftenden Referenzpunkt für eine ganze Generation. Die Fortsetzung, nunmehr zwei Jahrzehnte später angesiedelt, operiert weniger als lineare Fortschreibung denn als selbstreflexive Variation, die ihre eigene Historizität bewusst in den Blick nimmt.

Medienwandel und Gegenwartsdiagnostik

Zentral für das filmische Gefüge ist die Diagnose eines Medienwandels, der sich nicht nur als ökonomischer, sondern als ästhetischer und epistemischer Prozess manifestiert. Die Figur der Andy Sachs, erneut verkörpert von Anne Hathaway, fungiert dabei als sensibler Seismograf einer Branche, die sich zunehmend unter den Bedingungen digitaler Rationalisierung neu definieren muss. Die Transformation klassischer Publikationsformen in effizientere, aber zugleich entwertete Formate wird im Film nicht als abstrakte Entwicklung verhandelt, sondern konkret in narrative Situationen übersetzt: Redaktionen lösen sich auf, journalistische Arbeit wird prekär, und die Grenzen zwischen Inhalt und Image verschwimmen. Indem Andy aus einer Position idealistischer Distanz heraus erneut in das Machtzentrum des Modemagazins Runway gezogen wird, entsteht eine doppelte Bewegung: Rückkehr und Entfremdung zugleich. Diese Dialektik strukturiert den Film als Reflexion über die Möglichkeit von Integrität innerhalb eines Systems, das zunehmend von ökonomischen Zwängen determiniert wird.

Figuren als Träger von Zeitlichkeit

Im Zentrum dieser Reflexion steht erneut Miranda Priestly, verkörpert von Meryl Streep, deren Darstellung eine Meisterklasse der Reduktion bleibt. Ihre Figur hat sich kaum verändert – und gerade darin liegt ihre Bedeutung. Miranda erscheint als nahezu zeitenthobene Konstante, ein Relikt und zugleich ein Machtzentrum, das sich den Veränderungen der Branche widersetzt, ohne ihnen vollständig entkommen zu können. Streeps Spiel operiert mit minimalen Gesten, mit präzise gesetzten Pausen und einem subkutanen Ausdruck von Autorität, der jede Szene dominiert. Demgegenüber hat sich Andy zu einer souveränen, professionellen Figur entwickelt, deren frühere Unsicherheit einer kontrollierten Selbstgewissheit gewichen ist. Diese Verschiebung verändert die Dynamik zwischen den beiden Frauen grundlegend: Aus dem einstigen Initiationsverhältnis wird ein komplexeres Machtspiel, in dem Anerkennung und Widerstand simultan existieren. Auch Nebenfiguren wie Emily, dargestellt von Emily Blunt, oder Nigel, gespielt von Stanley Tucci, tragen zur Verdichtung dieser Zeitlichkeit bei. Sie fungieren als lebendige Archive des ersten Films und zugleich als Indikatoren für die Verschiebungen innerhalb der erzählten Welt.


© 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Ästhetik zwischen Glamour und Entzauberung

Visuell bewegt sich „Der Teufel trägt Prada 2“ in einem Spannungsfeld zwischen opulenter Oberfläche und subtiler Ernüchterung. Die Kostüme – erneut ein zentrales Ausdrucksmittel – entfalten eine schillernde Präsenz, die den Film fest im Terrain der Modefantasie verankert. Zugleich jedoch legt sich über viele Szenen eine gedämpfte, beinahe graue Lichtstimmung, die als visuelles Korrelat des thematisierten Bedeutungsverlusts gelesen werden kann. Die Welt von Runway erscheint weniger strahlend als einst, ihre Ästhetik ist von einem leichten Schleier der Desillusionierung überzogen. Diese visuelle Strategie korrespondiert mit der narrativen Struktur, die weniger auf dramatische Zuspitzung als auf situative Beobachtung setzt. Der Film entfaltet seine Wirkung nicht in großen Wendepunkten, sondern in der Akkumulation kleiner Momente – Blicke, Gesten, Dialogzeilen –, die ein dichtes Geflecht aus Bedeutungen erzeugen.

Narrative Zirkulation und nostalgische Rekonfiguration

Auffällig ist die Art und Weise, wie der Film Motive und Konstellationen des Originals variiert, ohne sie radikal zu transformieren. Die bekannten Dynamiken – die strengen Anforderungen Mirandas, die subtilen Machtspiele innerhalb der Redaktion, die Spannung zwischen beruflicher Ambition und persönlicher Integrität – werden erneut durchgespielt, jedoch unter veränderten Vorzeichen. Diese Wiederholung ist nicht als Mangel an Innovation zu verstehen, sondern als bewusste Strategie der Rekonfiguration: Der Film inszeniert sich als Echo, als Variation eines vertrauten Themas. Gerade hierin liegt ein wesentlicher Reiz. „Der Teufel trägt Prada 2“ erzeugt ein Gefühl der Vertrautheit, das weniger auf bloßer Nostalgie beruht als auf einer reflektierten Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Die Wiederkehr des Bekannten wird zur Methode, um Differenz sichtbar zu machen.

Arbeit, Macht und die Fragilität von Systemen

Im letzten Drittel verdichtet sich der Film zu einer Auseinandersetzung mit den strukturellen Bedingungen von Macht. Die Zukunft von Runway wird zum Spielball ökonomischer Interessen, und die Frage nach der „Seele“ des Magazins tritt in den Vordergrund. Dabei verschiebt sich der Fokus von individuellen Konflikten hin zu systemischen Dynamiken: Nicht einzelne Figuren stehen auf dem Spiel, sondern die Institution selbst. Diese Verschiebung verleiht dem Film eine unerwartete Schwere, die jedoch durch seinen leichten Tonfall abgefedert wird. „Der Teufel trägt Prada 2“ bleibt stets zugänglich, ja unterhaltsam, ohne dabei seine kritische Perspektive aufzugeben.

Kinostart und zeitgenössische Relevanz

Dass „Der Teufel trägt Prada 2“ am 30. April in den Kinos gestartet ist, unterstreicht seinen Anspruch, nicht nur als nostalgisches Wiedersehen zu funktionieren, sondern als Beitrag zu einer aktuellen Debatte über Arbeit, Medien und kulturelle Produktion. Der Film richtet sich gleichermaßen an ein Publikum, das mit dem Original aufgewachsen ist, wie an eine neue Generation, die sich in einer noch instabileren Arbeitswelt wiederfindet.

Fazit

So erweist sich „Der Teufel trägt Prada 2“ als ein Werk, das seine eigene Existenz reflektiert: als Fortsetzung, als Kommentar, als Spiegel seiner Zeit. Er erreicht vielleicht nicht die ikonische Verdichtung seines Vorgängers, doch gerade in seiner kontrollierten Zurückhaltung entfaltet er eine stille Präzision. Es ist ein Film über Kontinuität und Wandel, über die Persistenz von Machtstrukturen – und über die fragile Schönheit professioneller Routine. Ein eleganter, kluger Nachklang, der zeigt, dass selbst im Modus der Wiederholung noch Erkenntnis möglich ist.


DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2

Start: 30.04.26 | FSK 0
R: David Frankel | D: Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt
USA 2026 | Walt Disney Germany


 


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