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KINO | 27.05.2026

MASTERS OF THE UNIVERSE

Mit „Masters of the Universe“ kehrt eines der prägendsten Fantasy-Franchises der 1980er-Jahre auf die große Leinwand zurück. Der Film verbindet nostalgische Mythologie mit zeitgenössischem Blockbuster-Kino und reflektiert zugleich die kulturelle Geschichte seiner eigenen Marke. Zwischen Ironie, Pathos und opulenter Weltenschöpfung entsteht ein faszinierendes Werk über Heldenbilder, Erinnerung und Popkultur.

von Richard-Heinrich Tarenz


© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

Kaum ein Franchise verkörpert die Verschmelzung von Spielzeugkultur, Fernsehunterhaltung und populärer Mythologie so umfassend wie „Masters of the Universe“. Seit seiner Einführung durch Mattel Anfang der 1980er-Jahre hat sich das Universum um He-Man, Skeletor und Eternia weit über seine ursprüngliche Funktion als Spielzeuglinie hinaus entwickelt. Zeichentrickserien, Comics, Romane, Videospiele und Neuinterpretationen unterschiedlichster Art haben ein transmediales Kosmos geschaffen, das mehrere Generationen geprägt hat. Mit dem neuen Kinofilm „Masters of the Universe“, der am 4. Juni in die Kinos kommt, unternimmt Regisseur Travis Knight den ambitionierten Versuch, dieses komplexe kulturelle Erbe in eine zeitgemäße Form zu überführen. Das Ergebnis ist weit mehr als eine nostalgische Wiederbelebung einer bekannten Marke. Der Film entwickelt sich zu einer bemerkenswerten Reflexion über die Mechanismen populärer Mythologie und über die Frage, wie kulturelle Ikonen in einer sich wandelnden Medienlandschaft fortbestehen können.

Das Franchise als moderner Mythos

„Masters of the Univers“ ist ein faszinierendes Beispiel für die Transformation klassischer Mythen innerhalb der Konsumkultur des späten 20. Jahrhunderts. Die Grundstruktur der Erzählung folgt archetypischen Mustern: der verbannte Prinz, die magische Waffe, die verlorene Heimat und der Kampf gegen eine Verkörperung des Chaos. Die Figur des Adam beziehungsweise He-Man steht dabei in einer langen Tradition mythischer Heldenfiguren. Seine Reise ähnelt den klassischen Initiationsgeschichten, wie sie von der Antike bis zur modernen Fantasy-Literatur tradiert wurden. Der Film greift diese Strukturen bewusst auf und verbindet sie mit einer Selbstreflexivität, die den Abstand zwischen den Entstehungsbedingungen des Franchises und der Gegenwart produktiv macht. Besonders interessant ist dabei die Entscheidung, Adams Identität nicht ausschließlich über seine physische Transformation zu definieren. Stattdessen konzentriert sich der Film auf die Erfahrung von Entwurzelung, Verlust und Selbstfindung. Dadurch gewinnt die Figur eine emotionale Komplexität, die über die einfache Heldenfantasie der frühen Franchise-Jahre hinausgeht.

Zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit

Eine der größten Stärken des Films liegt in seinem Balanceakt zwischen nostalgischer Selbstironie und aufrichtiger emotionaler Beteiligung. Der Film ist sich seiner kulturellen Herkunft vollkommen bewusst. Er weiß um die Exzentrik seiner Figuren, um die eigenwillige Ästhetik des Franchise und um die Tatsache, dass He-Man für viele Zuschauer gleichermaßen Kultfigur und Kuriosität ist. Doch anstatt diese Aspekte zu verstecken, integriert Travis Knight sie in die Erzählung. Der Film begegnet seinem Stoff mit Sympathie, ohne ihn jemals der Lächerlichkeit preiszugeben. Diese Strategie erinnert an die erfolgreichsten Franchise-Neuinterpretationen der letzten Jahre, die verstanden haben, dass kulturelle Ikonen nur dann überleben können, wenn sie zugleich respektiert und neu befragt werden. Die humorvollen Momente entstehen deshalb nicht aus Spott gegenüber dem Material, sondern aus der Reibung zwischen fantastischer Mythologie und moderner Wahrnehmung. Gerade diese Spannung verleiht dem Film eine bemerkenswerte Leichtigkeit.

Nicholas Galitzine und die Neuerfindung des Helden

Im Zentrum des Films steht die überzeugende Darstellung von Nicholas Galitzine. Seine Interpretation von Adam vermeidet die Falle eindimensionaler Heroisierung und entwickelt stattdessen eine Figur, die zwischen Selbstzweifel und Verantwortung oszilliert. Galitzine gelingt es, die Widersprüche der Figur sichtbar zu machen. Sein Adam ist weder der unerschütterliche Krieger noch der ironisch gebrochene Antiheld, der viele zeitgenössische Blockbuster dominiert. Vielmehr verkörpert er eine moderne Form von Heldentum, die Verletzlichkeit und Entschlossenheit miteinander verbindet. Diese Darstellung verleiht dem Film seine emotionale Glaubwürdigkeit. Die Rückkehr nach Eternia wird nicht lediglich zur Rettungsmission, sondern zu einer Suche nach Identität und Zugehörigkeit.


© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

Eternia als ästhetischer Erinnerungsraum

Visuell entfaltet „Masters of the Universe“ eine bemerkenswerte Weltenschöpfung. Das Produktionsdesign verbindet mittelalterliche Fantasyelemente mit futuristischen Einflüssen und bewahrt damit jene eigentümliche Mischung aus Science-Fiction und Sword-and-Sorcery, die das Franchise seit seinen Anfängen charakterisiert. Die Gestaltung Eternias ist dabei besonders gelungen. Die Welt erscheint weder als realistische Fantasy-Landschaft noch als vollständig digitales Spektakel. Stattdessen entwickelt sie eine bewusst artifizielle Qualität, die an die Ursprünge der Marke erinnert. Der Film erkennt, dass die Faszination von Masters of the Universe nie aus realistischer Glaubwürdigkeit entstand, sondern aus der Kraft ikonischer Bilder. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die Musik von Daniel Pemberton, die klassische Fantasy-Motive mit der energiegeladenen Klangästhetik der 1980er-Jahre verbindet. Der Score fungiert als akustische Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und trägt wesentlich zur atmosphärischen Dichte des Films bei.

Skeletor und die Ikonografie des Bösen

Eine zentrale Rolle spielt auch die Figur Skeletors. Seit Jahrzehnten gehört er zu den bekanntesten Schurken der Popkultur und verkörpert eine Form des Bösen, die gleichermaßen bedrohlich und theatralisch erscheint. Der Film nutzt diese Tradition geschickt. Skeletor bleibt eine überlebensgroße Figur, deren Präsenz die Erzählung dominiert. Gleichzeitig wird er nicht bloß als Gegenspieler des Helden inszeniert, sondern als Spiegelbild jener Machtfantasien, die das Franchise seit jeher begleiten. Skeletor erfüllt damit eine klassische mythologische Funktion: Er ist weniger Individuum als Symbol. Seine Existenz definiert die moralische Ordnung des Universums und verleiht dem Kampf um Eternia seine epische Dimension.

Die kulturelle Bedeutung eines langlebigen Franchise

Die eigentliche Bedeutung von „Masters of the Universe“ liegt jedoch im Franchise selbst. Nur wenige Medienmarken haben eine vergleichbare Wandlungsfähigkeit bewiesen. Über Jahrzehnte hinweg wurde das Universum immer wieder neu interpretiert, ohne seinen Kern zu verlieren. Diese Beständigkeit verweist auf eine zentrale Eigenschaft moderner Popkultur: ihre Fähigkeit, kollektive Erinnerungen zu erzeugen. Für viele Zuschauer ist He-Man nicht lediglich eine Figur, sondern Teil einer generationsübergreifenden kulturellen Erfahrung. Das Franchise fungiert als Erinnerungsarchiv, in dem Kindheitsfantasien, Konsumgeschichte und mediale Mythen miteinander verschmelzen. Der neue Film versteht diese Funktion bemerkenswert gut. Er präsentiert Eternia nicht als museales Relikt, sondern als lebendigen kulturellen Raum, der weiterhin Geschichten hervorbringen kann.

Fazit

„Masters of the Universe“ erweist sich als überraschend intelligente und visuell eindrucksvolle Neuinterpretation eines oft unterschätzten Franchise. Travis Knight gelingt es, die ikonischen Elemente der Vorlage zu bewahren und zugleich deren mythologische Potenziale neu freizulegen. Der Film überzeugt durch seine Weltenschöpfung, seine selbstbewusste Balance zwischen Humor und Pathos sowie durch einen charismatischen Nicholas Galitzine in der Hauptrolle. Vor allem aber versteht er, dass die wahre Stärke von „Masters of the Universe“ niemals allein in seinen Figuren oder seiner Handlung lag, sondern in seiner Fähigkeit, Generationen von Zuschauern einen Zugang zu modernen Mythen zu eröffnen. Zum Kinostart am 4. Juni präsentiert sich „Masters of the Universe“ daher nicht als nostalgische Pflichtübung, sondern als überzeugender Beweis dafür, dass selbst die langlebigsten Franchises noch neue Geschichten erzählen können – sofern sie ihre Vergangenheit nicht nur reproduzieren, sondern kreativ weiterdenken.


MASTERS OF THE UNIVERSE

Start: 04.06.26 | FSK 12
R: Travis Knight | D: Nicholas Galitzine, Camila Mendes, Alison Brie
USA 2026 | Sony Pictures Germany


 


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