FILME | SERIEN | MUSIK | BÜCHER | PANORAMA | INTERVIEWS


KINO | 01.07.2026

EVIL DEAD BURN
Das Böse stirbt nie

Mit „Evil Dead Burn“ kehrt eines der einflussreichsten Horror-Franchises der Filmgeschichte auf die große Leinwand zurück. Der neue Ableger setzt eine Tradition fort, die seit über vier Jahrzehnten die Grenzen zwischen Splatter, schwarzer Komödie und Albtraumkino neu definiert. Von Sam Raimis revolutionärem Independent-Schocker bis zu den modernen Reinterpretationen erzählt die Reihe zugleich die Geschichte des zeitgenössischen Horrorfilms.

von Franziska Keil


© 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Es gibt Horror-Franchises, die erfolgreich sind. Und es gibt Horror-Franchises, die ein Genre nachhaltig verändern. Die Evil-Dead-Reihe gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Seit dem Erscheinen des ersten Films Anfang der 1980er Jahre hat sie Generationen von Filmemachern beeinflusst, die Bildsprache des Horrorkinos erweitert und eine Popkultur hervorgebracht, deren Spuren sich bis heute in Filmen, Serien, Videospielen und Internetkulturen finden lassen. Mit „Evil Dead Burn“, der am 9. Juli in den deutschen Kinos startet, erhält dieses außergewöhnliche Universum nun ein weiteres Kapitel. Da keine Pressevorführung stattgefunden hat, verbietet sich eine seriöse filmkritische Bewertung des Werkes. Gleichwohl bietet der Kinostart Anlass, die bemerkenswerte Geschichte eines Franchises zu würdigen, das seit mehr als vier Jahrzehnten zu den prägendsten Erscheinungen des internationalen Horrorkinos zählt. Der neue Film unter der Regie von Sébastien Vanicek erzählt von einer trauernden Frau, die nach dem Verlust ihres Ehemannes Zuflucht bei ihrer Schwiegerfamilie sucht, ehe dämonische Mächte das abgelegene Familienanwesen in einen Ort des Grauens verwandeln. Die bekannten Deadites kehren zurück und setzen die Tradition des Franchise in neuer Form fort.

Die Revolution aus der Waldhütte

Die Geschichte von Evil Dead beginnt dort, wo viele filmische Legenden ihren Ursprung haben: im unabhängigen Kino. Als der junge Regisseur Sam Raimi 1981 gemeinsam mit Produzent Rob Tapert und Hauptdarsteller Bruce Campbell „The Evil Dead“ realisierte, entstand der Film unter denkbar bescheidenen Bedingungen. Doch gerade die finanziellen Einschränkungen wurden zum Motor kreativer Innovation. Die berühmten rasenden Kamerafahrten durch den Wald, die subjektive Perspektive des unsichtbaren Bösen und die exzessive physische Energie der Inszenierung verliehen dem Film eine Dynamik, die Anfang der 1980er Jahre nahezu beispiellos war. Während viele Horrorfilme jener Epoche auf Atmosphäre und Suspense setzten, entwickelte Raimi eine Form des Horrors, die von Bewegung, kinetischer Kraft und visueller Entgrenzung geprägt war. Filmhistorisch markierte „The Evil Dead“ einen entscheidenden Moment: Das Genre wurde wieder jung, wild und unberechenbar.

Vom Terror zur grotesken Komödie

Eine der bemerkenswertesten Leistungen des Franchise besteht in seiner Fähigkeit zur ständigen Transformation. Mit „Evil Dead II“ gelang Raimi eine ungewöhnliche Weiterentwicklung. Der Film blieb Horrorfilm, entwickelte zugleich jedoch eine zunehmend absurde Komik. Körperliche Verstümmelung, dämonische Besessenheit und groteske Gewalt wurden mit Elementen des Slapsticks kombiniert. Hier entstand jene einzigartige Mischung aus Schrecken und Humor, die bis heute das Markenzeichen der Reihe bildet. Filmwissenschaftlich betrachtet bewegt sich Evil Dead damit in einer Tradition, die bis zu den grotesken Überzeichnungen des expressionistischen Kinos und den anarchischen Komödien der Stummfilmzeit zurückreicht. Die Gewalt wird nicht nur als Bedrohung inszeniert, sondern zugleich als exzessives Spektakel.

Ash Williams und die Geburt einer Ikone

Mit der Entwicklung der Reihe entstand auch eine der bedeutendsten Figuren der modernen Horrorkultur. Ash Williams, gespielt von Bruce Campbell, begann als gewöhnlicher Überlebender eines Albtraums. Im Verlauf der Filme entwickelte er sich jedoch zu einer popkulturellen Ikone. Seine Kettensäge als Prothese, seine übertriebene Männlichkeit, seine Selbstüberschätzung und sein trockener Humor machten ihn zu einer Figur, die klassische Heldenbilder zugleich verkörperte und parodierte. Ash ist weder makelloser Actionheld noch tragischer Horrorprotagonist. Er ist eine groteske Mischung aus beidem. Gerade deshalb wurde er zu einer Identifikationsfigur für mehrere Generationen von Genrefans.

„Army of Darkness“ und die Öffnung des Universums

Mit „Army of Darkness“ entfernte sich die Reihe schließlich weit vom klassischen Horrorfilm. Der Film verband Fantasy, Abenteuerkino, Mittelalterparodie und Horror zu einem hybriden Spektakel, das heute Kultstatus genießt. Damit bewies das Franchise eine bemerkenswerte Flexibilität. Wo andere Horrorreihen ihre Konzepte wiederholen, entwickelte sich Evil Dead ständig weiter. Die Filme verstanden ihre eigene Mythologie nie als Einschränkung, sondern als Einladung zur Neuerfindung.


© 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Die Renaissance des modernen Horrors

Nach längerer Pause kehrte das Franchise 2013 mit „Evil Dead“ zurück. Der Film verzichtete weitgehend auf die komödiantischen Elemente der Vorgänger und präsentierte stattdessen eine kompromisslose, düstere Neuinterpretation. Damit spiegelte er zugleich eine Entwicklung des modernen Horrorkinos wider. Die frühen 2010er Jahre waren geprägt von einer Rückkehr körperlicher Intensität und psychologischer Härte. Der Reboot integrierte diese Tendenzen und bewahrte dennoch die zentralen Motive der Reihe: Isolation, Besessenheit und die Macht des Necronomicons.

„Evil Dead Rise“ und der urbane Albtraum

Mit „Evil Dead Rise“ erfolgte schließlich eine weitere entscheidende Veränderung. Erstmals wurde die klassische Waldhütte konsequent verlassen und der Horror in ein urbanes Umfeld verlegt. Diese Verschiebung erwies sich als außerordentlich produktiv. Die Bedrohung wurde aus der Wildnis in den Alltag übertragen. Das Böse wohnte nicht länger fernab der Zivilisation, sondern mitten in ihr. Der Film demonstrierte eindrucksvoll, wie flexibel die Mythologie des Franchise inzwischen geworden war.

Die kulturelle Bedeutung von Evil Dead

Die Bedeutung von Evil Dead reicht weit über die einzelnen Filme hinaus. Kaum eine Horrorreihe hat so viele Regisseure, Autoren und Künstler beeinflusst. Spuren des Franchise finden sich in den Werken zahlreicher Horrorfilmer ebenso wie in Videospielen, Comics und Fernsehserien. Selbst moderne Survival-Horror-Spiele greifen häufig auf Motive zurück, die durch Raimis Filme popularisiert wurden. Darüber hinaus gehört Evil Dead zu jenen Werken, die früh bewiesen, dass Horror und Komik keine Gegensätze sein müssen. Die Reihe etablierte eine Ästhetik des grotesken Exzesses, die später von zahllosen Produktionen aufgegriffen wurde.

Horror als Popkultur

Besonders bemerkenswert ist die popkulturelle Durchdringung des Franchise. Ash Williams wurde zur Ikone auf Conventions, in Videospielen und im Merchandising. Das Necronomicon gehört längst zu den bekanntesten fiktiven Büchern der Filmgeschichte. Die Deadites wiederum zählen zu den prägnantesten Monstergestalten des modernen Horrors. Gleichzeitig hat sich Evil Dead eine bemerkenswerte Authentizität bewahrt. Trotz wachsender Budgets blieb die Reihe ihren Independent-Wurzeln verpflichtet. Sie wirkt bis heute weniger wie ein industriell produziertes Franchise als wie ein fortlaufendes kreatives Experiment.

Die Zukunft des Bösen

„Evil Dead Burn“ markiert den nächsten Schritt dieser Entwicklung. Der französische Regisseur Sébastien Vanicek erhielt von den Franchise-Verantwortlichen bewusst großen kreativen Freiraum, um einen eigenständigen Beitrag zum Universum zu schaffen. Das Werk soll als unabhängige Geschichte funktionieren und zugleich die bekannten Elemente der Reihe weiterführen. Vorab veröffentlichte Informationen deuten auf einen besonders kompromisslosen Horroransatz hin. Berichte aus der Produktion sprechen von einer Intensität, die selbst innerhalb der traditionsreichen Reihe neue Maßstäbe setzen könnte.

Fazit

Der Kinostart von „Evil Dead Burn“ ist mehr als die Veröffentlichung eines weiteren Horrorfilms. Er steht für die erstaunliche Langlebigkeit eines Franchises, das seit über vierzig Jahren die Entwicklung des Genres begleitet und geprägt hat. Von der improvisierten Waldhütte des Independent-Kinos über die groteske Komödie bis hin zum modernen Horrorspektakel hat Evil Dead immer wieder bewiesen, dass Innovation und Tradition keine Gegensätze sein müssen. Ob „Evil Dead Burn“ diese Geschichte erfolgreich fortschreibt, wird sich zeigen. Unabhängig davon bleibt die Reihe jedoch eines der bedeutendsten und einflussreichsten Horror-Franchises der Filmgeschichte – ein Werkkomplex, der Generationen von Zuschauern gelehrt hat, dass das Böse niemals wirklich verschwindet, sondern stets neue Formen findet, um zurückzukehren.


EVIL DEAD BURN

Start: 09.07.26 | FSK 18
R: Sébastien Vanicek | D: Souheila Yacoub, Hunter Doohan, Luciane Buchanan
USA 2026 | Sony Pictures Germany


 


AGB | IMPRESSUM