SACHBUCH
| 14.01.2026
Was
2025 nicht in der Zeitung stand
verheimlicht – vertuscht – vergessen
Ein
Buch gegen das Vergessen: pointiert, unbequem und von analytischer Schärfe.
Zwischen Chronik und Intervention legt es die blinden Flecken eines
ganzen Jahres frei. Eine notwendige Lektüre für alle, die
Gegenwart nicht mit Gewissheit verwechseln.
von
Anna Winter

Der
bekannte Enthüllungsjournalist Gerhard Wisnewski legt nun sein
neues Jahrbuch „verheimlicht - vertuscht - vergessen 2026“
vor: Zum 19. Mal hat er hinter die Kulissen des Vorjahres geschaut und
zur Feder gegriffen, um seine Recherchen niederzuschreiben. Und erneut
ist es dem erfahrenen Chronisten gelungen, einen atemberaubenden Ritt
durch das Vorjahr hinzulegen. Wieder einmal sind 2025 die Ereignisse
eines Jahres über uns hinweggewalzt, wie eine Kolonne Bulldozer.
Und kaum hatten wir uns aufgerappelt, kam schon der nächste daher.
Es
gehört zu den paradoxen Erfahrungen der Gegenwart, dass wir in
einer Epoche permanenter Information leben und zugleich unter einem
strukturellen Gedächtnisverlust leiden. Kaum ein Ereignis ist noch
alt, da ist es bereits von neuen Schlagzeilen überlagert, relativiert
oder gänzlich aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt.
„verheimlicht – vertuscht – vergessen 2026“
setzt genau an diesem neuralgischen Punkt an und versteht sich als Gegenmittel
zur kulturellen Amnesie eines beschleunigten Medienzeitalters. Der Band
folgt einer klaren, beinahe asketischen Ordnung: Monat für Monat
wird das Jahr 2025 seziert, jeweils eingeleitet durch eine dichte Auflistung
zentraler Ereignisse. Diese chronologische Struktur erfüllt mehr
als eine bloß orientierende Funktion. Sie wirkt wie ein Erinnerungsreiz,
der verschüttete Diskurse freilegt und dem Lesepublikum die eigene
Vergesslichkeit vor Augen führt. Die anschließenden Analysen
vertiefen diese Stichworte und verwandeln sie in politisch, gesellschaftlich
und medial kontextualisierte Fallstudien. Bemerkenswert ist dabei der
globale Atem des Buches. Nationale Befindlichkeiten stehen gleichberechtigt
neben internationalen Machtspielen, geopolitischen Eskalationen und
medialen Skandalisierungen. Politische Entscheidungsprozesse, wirtschaftliche
Umbrüche, infrastrukturelle Krisen und symbolisch aufgeladene Personalfragen
werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Symptome größerer
systemischer Zusammenhänge gelesen. Das Buch entfaltet so ein Panorama
der Gegenwart, das weniger auf Sensation als auf Zusammenhang zielt.
Zugleich zeichnet sich der Text durch eine investigative Grundhaltung
aus, die nicht im bloßen Misstrauen gegenüber offiziellen
Narrativen verharrt, sondern ihre Argumentation transparent absichert.
Recherchen, Quellenverweise und belegte Zusammenhänge verleihen
dem Buch eine argumentative Robustheit, die es klar von polemischen
Pamphleten unterscheidet. Der Autor sucht nicht den schnellen Effekt,
sondern die nachhaltige Irritation – ein Nachdenken, das sich
erst im zeitlichen Abstand voll entfaltet.

Auffällig
ist auch die Balance zwischen düsteren Befunden und vorsichtigen
Gegenakzenten. Neben politischen Fehlentscheidungen, militärischen
Drohkulissen und institutionellen Peinlichkeiten finden sich Hinweise
auf konstruktive Entwicklungen, gesellschaftliche Gegenbewegungen und
Momente unerwarteter Hoffnung. Diese Kontrapunkte verhindern, dass das
Buch in kulturpessimistischer Totalität erstarrt, und öffnen
stattdessen einen Raum für kritische, aber nicht zynische Reflexion.
In seiner Gesamtheit liest sich „verheimlicht – vertuscht
– vergessen 2026“ weniger als klassisches Sachbuch denn
als Zeitdiagnose. Es zwingt zur Auseinandersetzung mit der Frage, welche
Ereignisse erinnerungswürdig sind – und wer darüber
entscheidet. Gerade darin liegt seine besondere Stärke: Das Buch
versteht Erinnerung nicht als nostalgischen Akt, sondern als politische
Praxis. Wer es liest, wird das Jahr 2025 nicht nur wiedererkennen, sondern
neu bewerten. So erweist sich dieser Band als unverzichtbares Kompendium
für alle, die sich nicht mit der Oberfläche des Nachrichtengeschehens
zufriedengeben wollen. Er hält der Gegenwart den Spiegel vor –
nicht um zu belehren, sondern um das Vergessen selbst als Problem sichtbar
zu machen.
FAZIT
„verheimlicht – vertuscht – vergessen 2026“
erweist sich als ein ebenso klug komponiertes wie notwendig unbequemes
Buch, das Erinnerung als aktiven, politischen Akt begreift. Das Essay
macht überzeugend deutlich, dass Vergessen kein Zufall ist, sondern
häufig das Ergebnis medialer Routinen, strategischer Verdrängung
und gesellschaftlicher Bequemlichkeit. Gerade in seiner ruhigen, analytischen
Konsequenz entfaltet der Text eine nachhaltige Wirkung: Er fordert nicht
Empörung, sondern Aufmerksamkeit, nicht schnelle Urteile, sondern
gedankliche Verantwortung. Das Buch geht weit über eine bloße
Jahresrückschau hinaus. Es fungiert als Korrektiv zur Flüchtigkeit
der Gegenwart und als Einladung, Öffentlichkeit neu zu denken –
kritischer, wacher und weniger bereit, komplexe Zusammenhänge dem
nächsten Nachrichtenzyklus zu opfern. In dieser Haltung liegt seine
eigentliche Stärke und seine bleibende Relevanz.
VERHEIMLICHT
- VERTUSCHT - VERGESSEN 2026
Gerhard
Wisnewski (Autor) | Kopp Verlag | 288 Seiten
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