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DVD & BLU-RAY | 29.08.2023

1923: A Yellowstone Origin Story - Staffel 2

Ein unerbittlicher Winter bringt neue Herausforderungen und zwingt Jacob und Cara, sich mit ungelösten Angelegenheiten auf der Dutton Ranch auseinanderzusetzen. Während raue Bedingungen und feindliche Widersacher das Erbe der Duttons bedrohen, begibt sich Spencer auf eine beschwerliche Reise nach Hause und versucht in einem Kampf gegen die Zeit, seine Familie in Montana zu retten.

von Franziska Keil


© 2024 Viacom International Inc. All Rights Reserved. 1923 and all related titles, logos and characters are trademarks of Viacom International Inc.

Mit der am 28. August erschienenen Heimkinoveröffentlichung der zweiten Staffel von „1923: A Yellowstone Origin Story“ liegt ein Werk vor, das weit über die gängigen Maßstäbe des US-amerikanischen Serienmarkts hinausweist. Taylor Sheridan, Schöpfer des expandierenden „Yellowstone“-Universums, führt hier sein wohl ambitioniertestes Projekt fort – eine Erzählung, die gleichermaßen als Historiengemälde, Gesellschaftspanorama und intime Charakterstudie gelesen werden kann. Sheridan gelingt das Kunststück, zahlreiche Handlungsstränge zu orchestrieren, ohne in bloße Fragmentierung zu verfallen. Wo die erste Staffel mitunter an tonal abrupte Wechsel litt, überzeugt die zweite durch eine neue Geschlossenheit: Die Erzählungen von Teonnas Flucht vor kolonialer Gewalt, von Spencers abenteuerlicher Reise durch Amerika und Alexandras bitterer Erfahrung im Einwanderungssystem bilden nun ein Geflecht, dessen Fäden sich zwar räumlich trennen, aber inhaltlich aufeinander verweisen. Damit entfaltet „1923“ eine narrative Polyphonie, die zugleich das Fundament der großen US-amerikanischen Romantradition wie auch das filmische Erbe des Westerns in sich trägt. Es geht nicht allein um Figuren und Schicksale, sondern um die Darstellung historischer Kräftefelder – von Migration über Ökonomie bis hin zu institutioneller Gewalt. Das historische Setting der 1920er Jahre erweist sich nicht als nostalgische Folie, sondern als Projektionsfläche für Fragen, die bis in die Gegenwart reichen. Sheridans Werk beleuchtet koloniale Verbrechen, ökonomische Ausbeutung und die Brüchigkeit gesellschaftlicher Ordnungen, ohne diese Themen didaktisch zu überfrachten. Stattdessen vertraut die Serie auf die Kraft des konkreten Schicksals: Teonnas Kampf um Würde, Alexandras Erniedrigungen auf Ellis Island, Spencers Verstrickung in mafiöse Strukturen – all dies verweist auf universale Erfahrungen von Gewalt, Macht und Widerstand. Bemerkenswert ist dabei Sheridans dramaturgische Balance: Er zeigt Gewalt nie als selbstzweckhaftes Spektakel, sondern stets als Symptom systemischer Verwerfungen. Gerade darin liegt die politische Schlagkraft des Werks – subtil, aber unübersehbar.


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In visueller Hinsicht operiert „1923“ an der Schnittstelle von Kino und Fernsehen. Monumentale Landschaftspanoramen, die den klassischen Western beschwören, wechseln mit intimen Nahaufnahmen, in denen das psychologische Drama der Figuren greifbar wird. Die Weite Montanas kontrastiert mit der Beklemmung institutioneller Räume; epische Gesten stehen neben stillen Momenten der Verletzlichkeit. Die Darstellerinnen und Darsteller verleihen diesem ästhetischen Konzept zusätzliche Tiefe: Helen Mirren und Harrison Ford tragen die Gravitas des Alters und der Erfahrung, während Aminah Nieves und Julia Schlaepfer die Generation der Suchenden verkörpern. Das Ensemble erzeugt so eine Spannweite, die der Serie den Charakter eines vielschichtigen Gesellschaftsporträts verleiht. Die zweite Staffel von „1923: A Yellowstone Origin Story“ ist mehr als ein weiterer Mosaikstein im expandierenden „Yellowstone“-Kosmos: Sie ist ein eigenständiges Kunstwerk, das den Western nicht nur revitalisiert, sondern als Form für gegenwärtige Diskurse neu erschließt. Mit der Heimkinoveröffentlichung wird die Serie nun einem breiteren Publikum zugänglich – ein Glücksfall, denn „1923“ verbindet große epische Gesten mit feinsinniger Charakterzeichnung, historische Reflexion mit zeitgenössischer Relevanz. Sheridan hat damit nicht nur ein weiteres Kapitel seiner Saga geschaffen, sondern ein Werk, das seinen Platz in der Seriengeschichte behaupten wird.


1923: A YELLOWSTONE ORIGIN STORY - STAFFEL 2

VÖ: 28.08.25: DVD | FSK 16
C: Taylor Sheridan | D: Helen Mirren, Harrison Ford, Brandon Sklenar
USA 2025 | Paramount Pictures



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