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DVD & BLU-RAY | 12.03.2026

STAR TREK: STRANGE NEW WORLDS – Staffel 3
Der optimistische Kosmos kehrt zurück

Zwischen Retro-Uniformen, Raumgefechten und Herzschmerz im Warp-Antrieb zeigt „Star Trek – Strange New Worlds“ in Staffel 3, wie überraschend lebendig eine 60 Jahre alte Vision noch sein kann. Die Serie balanciert Nostalgie und Gegenwart, Pathos und Selbstironie mit bemerkenswerter Eleganz.

von Linda Sjöberg


© 2024 CBS Studios Inc. All Rights Reserved.

Wenn eine langlebige Science-Fiction-Reihe ihre eigene Vergangenheit betritt, geschieht dies selten ohne Ambivalenz. Kaum ein Franchise trägt diese Spannung so sichtbar mit sich wie „Star Trek: Strange New Worlds“. Die dritte Staffel der Serie, die nun für das Heimkino erscheint, führt diese Bewegung zwischen Tradition und Erneuerung weiter – und macht daraus ein bewusstes ästhetisches Prinzip. Seit ihrem Start positioniert sich die Reihe als Rückkehr zum episodischen Abenteuer der klassischen Trek-Ära. Während ihr Vorgänger „Star Trek: Discovery“ lange Zeit eine stärker serialisierte und emotional aufgeladene Dramaturgie bevorzugte, verfolgt „Strange New Worlds“ eine andere Strategie: narrative Klarheit, konzentrierte Figurenstudien und eine fast demonstrative Liebe zur ikonografischen Geschichte des Franchise. Diese dritte Staffel bestätigt diese Ausrichtung – und macht sie zugleich produktiver. Visuell wie strukturell greift die Serie bewusst auf die Formen des klassischen Fernsehens zurück. Die farblich klar codierten Uniformen, die hell ausgeleuchtete Brücke der Enterprise und die klar abgegrenzten Abenteuer jeder Episode wirken beinahe wie eine Re-Inszenierung der Grundidee von Star Trek. Doch statt diese Rückkehr als nostalgische Regression zu verstehen, lässt sich sie auch als eine Art medienhistorische Reflexion lesen. In einer Streaminglandschaft, die häufig auf epische Serialität setzt, wirkt die episodische Struktur beinahe radikal: Jede Folge experimentiert mit einem eigenen Tonfall, von romantischer Komödie bis zu düsterem Survival-Abenteuer. Ein besonders verspieltes Beispiel ist eine Episode, in der Spock in eine alternative Realität gerät, in der eine unerfüllte Liebesgeschichte plötzlich zu einem idealisierten Happy End zu führen scheint. Was zunächst wie ein romantischer Eskapismus wirkt, entpuppt sich als Reflexion über Wunschfantasien und emotionale Selbsttäuschung. Die Episode nutzt klassische Genre-Motive, um die innere Zerrissenheit einer Figur zu erkunden, die traditionell als Inbegriff rationaler Kontrolle gilt. Die vielleicht größte Stärke dieser Staffel liegt in ihrer Figurenorientierung. Die Serie scheint weniger daran interessiert zu sein, das Franchise mythologisch auszubauen, als vielmehr seine Figuren emotional zu vertiefen. Christopher Pike, gespielt von Anson Mount, bleibt dabei das charismatische Zentrum. Seine Version des Sternenflotten-Kapitäns ist bemerkenswert unheroisch: empathisch, reflektiert und stets bemüht, moralische Entscheidungen nicht als heroische Gesten, sondern als menschliche Verantwortung zu begreifen. Parallel dazu gewinnt Spock in der Interpretation von Ethan Peck zunehmend an emotionaler Tiefe.


© 2024 CBS Studios Inc. All Rights Reserved.

Die Serie zeigt ihn nicht als fertige Ikone, sondern als Figur im Prozess – jemand, der zwischen vulkanischer Rationalität und menschlicher Empfindsamkeit navigiert. Diese Konzentration auf Figuren zeigt sich auch im übergeordneten Konflikt der Staffel. Der Kampf gegen die reptilienartigen Gorn – eine Bedrohung, die bereits zuvor eingeführt wurde – dient weniger als klassisches Monster-of-the-week-Szenario, sondern als erzählerischer Rahmen für Traumata, Schuldgefühle und moralische Dilemmata innerhalb der Crew. Ein weiteres bemerkenswertes Element dieser Staffel ist ihr spielerischer Umgang mit der eigenen Mythologie. Eine besonders meta-humorvolle Episode führt die Crew in eine holografische Simulation, die eine fiktive Science-Fiction-Produktion der 1960er-Jahre nachstellt. Die Schauspieler spielen dort bewusst überzeichnete Varianten klassischer Trek-Figuren – inklusive einer augenzwinkernden Parodie auf William Shatner. Diese Szene funktioniert nicht nur als Komödie, sondern auch als Kommentar zur Geschichte des Genres selbst. Damit reflektiert die Serie indirekt das Vermächtnis ihres Schöpfers Gene Roddenberry, dessen utopische Vision bis heute den moralischen Kern des Franchise bildet. Anstatt diesen Mythos ehrfürchtig zu konservieren, erlaubt sich die Serie eine ironische Distanz – ein Zeichen kultureller Reife. „Strange New Worlds“ ist weniger radikal ist als einige frühere Inkarnationen des Franchise. Serien wie Star Trek: The Next Generation oder Star Trek: Deep Space Nine wagten in ihrer Zeit oft mutigere gesellschaftliche Allegorien. Doch gerade in ihrer Zurückhaltung liegt auch eine Stärke. Die Serie versteht sich weniger als revolutionärer Neuanfang denn als kuratorisches Projekt: Sie sammelt Motive, Tonlagen und Figurenkonstellationen aus der langen Geschichte von Star Trek und arrangiert sie zu einem neuen Gesamtbild. Diese Serie ist kein radikaler Neubeginn – sondern eine elegante Komposition aus vertrauten Elementen. Am Ende erweist sich die dritte Staffel von „Star Trek – Strange New Worlds“ als bemerkenswert kohärentes Kapitel innerhalb der langen Trek-Geschichte. Sie kombiniert nostalgische Formen mit moderner Figurenpsychologie und beweist, dass Science-Fiction nicht immer lauter, düsterer oder komplexer werden muss, um relevant zu bleiben. Gerade ihre Klarheit wirkt heute beinahe subversiv. Die Enterprise dieser Serie ist kein Ort für dystopische Spektakel, sondern ein Labor moralischer Möglichkeiten – ein Raum, in dem Menschlichkeit, Neugier und Hoffnung weiterhin die treibenden Kräfte sind. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Serie existiert: um uns daran zu erinnern, dass Zukunftsvisionen auch freundlich sein dürfen.


STAR TREK: STRANGE NEW WORLDS – Staffel 3

ET: 13.03.26: DVD, Blu-ray sowie als limitiertes 4K UHD Steelbook | FSK 16
C : Akiva Goldsman, Alex Kurtzman, Jenny Lumet | D: Anson Mount, Ethan Peck, Rebecca Romijn
USA 2026 | Paramount Pictures / LEONINE

Bonusmaterial: Durch die Linse der Zeit: Entfallene Szene, Hegemonie Teil II: Erweiterte Szenen, Hochzeitsglocken-Blues: Erweiterte & Entfallene Szenen,
Neue Welten entdecken / Persönliches Logbuch / Virtuelle Visionäre / VFX-Flüge / Gag Reel, Neues Leben und neue Zivilisationen: Entfallene Szenen,
Shuttle nach Kenfori: Erweiterte & Entfallene Szenen, Vier und ein halber Vulkanier: Erweiterte & Entfallene Szenen, Was ist die Sternenflotte?:
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