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DVD & BLU-RAY | 22.04.2026

RIDLEY - Staffel 1

Zwischen sanften Landschaften und dunklen Verbrechen entfaltet RIDLEY eine überraschend vielschichtige Krimiserie. Adrian Dunbar verleiht der Figur eine melancholische Tiefe, die weit über das Genre hinausweist. Die Serie verbindet klassische Ermittlungsdramaturgie mit einer leisen Studie über Verlust und Heilung.

von Linda Sjöberg


© West Road Pictures & A3MI

Mit der ersten Staffel von RIDLEY, die am 24. April auf DVD für das Heimkino erscheint, etabliert sich ein Krimiformat, das auf den ersten Blick vertraute Wege beschreitet, bei näherer Betrachtung jedoch eine bemerkenswerte emotionale und ästhetische Eigenständigkeit entfaltet. Im Zentrum steht der titelgebende Ermittler, verkörpert von Adrian Dunbar, dessen Präsenz unweigerlich Erinnerungen an seine ikonische Rolle in „Line of Duty“ wachruft. Doch RIDLEY ist keine bloße Variation dieses Erfolgsmodells. Vielmehr handelt es sich um eine bewusste Neujustierung des britischen Krimigenres – leiser, introspektiver und stärker auf die innere Verfasstheit seiner Hauptfigur ausgerichtet. Die narrative Ausgangssituation ist denkbar klassisch und zugleich existenziell aufgeladen: Ein ehemaliger Detective kehrt, gezeichnet von persönlicher Tragödie, in den Polizeidienst zurück. Ridley hat Frau und Tochter durch ein Gewaltverbrechen verloren und wurde infolgedessen aus dem aktiven Dienst entlassen. Diese biografische Zäsur fungiert als zentrales Movens der Serie. Anders als viele Genrevertreter, die Trauma lediglich als Hintergrundrauschen nutzen, integriert RIDLEY den Verlust konsequent in die Figurenentwicklung. Die Ermittlungsarbeit wird nicht als souveräne Tätigkeit inszeniert, sondern als fragile Balance zwischen professioneller Distanz und emotionaler Überforderung. Dunbars Darstellung zeichnet sich dabei durch eine bemerkenswerte Zurückhaltung aus. Sein Ridley ist kein exzentrischer Genie-Ermittler, sondern eine Figur der leisen Gesten – ein Mann, dessen Autorität aus Erfahrung und Verletzlichkeit gleichermaßen erwächst. Die erste Staffel umfasst vier abendfüllende Episoden, die jeweils einen abgeschlossenen Kriminalfall behandeln. Diese Struktur knüpft an die Tradition britischer Formate wie VERA an und setzt bewusst auf narrative Klarheit statt auf komplexe, übergreifende Verschwörungsplots. Die Fälle selbst sind dabei weniger durch ihre überraschende Konstruktion als durch ihre atmosphärische Dichte geprägt. Häufig lassen sich zentrale Wendungen bereits im Verlauf der Handlung antizipieren – doch gerade diese Transparenz verschiebt den Fokus von der Frage nach dem „Wer?“ hin zum „Warum?“. Die Serie interessiert sich weniger für die Mechanik des Verbrechens als für dessen emotionale und soziale Konsequenzen. In dieser Perspektive wird das Krimigenre zu einem Vehikel für moralische Reflexion. Ein wesentlicher Bestandteil der Serienästhetik ist die Inszenierung des ländlichen Raums.


© West Road Pictures & A3MI

Die Schauplätze in Yorkshire und Lancashire werden nicht nur als malerische Kulisse genutzt, sondern als integraler Bestandteil der Erzählung. Die weiten Landschaften, ruhigen Ortschaften und scheinbar unberührten Naturbilder stehen in einem spannungsvollen Kontrast zu den dunklen Ereignissen, die sich in ihnen abspielen. Diese Gegenüberstellung erzeugt eine spezifische Form der Irritation: Das Verbrechen erscheint nicht als Fremdkörper, sondern als latente Möglichkeit innerhalb einer scheinbar harmonischen Welt. Neben Dunbar überzeugt insbesondere das Ensemble. Bronagh Waugh als DI Carol Farman verkörpert eine moderne Ermittlerin, die Intelligenz, Durchsetzungsvermögen und emotionale Sensibilität miteinander verbindet. Ihre Figur fungiert als Gegenpol zu Ridley: pragmatisch, zukunftsorientiert und zugleich offen für die Erfahrungen ihres älteren Kollegen. Auch die Nebenfiguren tragen maßgeblich zur Dichte der Serie bei. Die forensische Expertin, gespielt von Georgie Glen, bringt eine nüchterne Präzision in die Ermittlungen, während die Jazzclub-Besitzerin, dargestellt von Julie Graham, eine emotionale Gegenwelt eröffnet. Gerade diese Vielschichtigkeit des Figurenensembles verleiht RIDLEY eine bemerkenswerte Tiefe. Ein ungewöhnliches Element der Serie sind die musikalischen Einlagen. Ridley tritt in einem Jazzclub als Sänger auf – eine Entscheidung, die auf den ersten Blick irritierend wirken mag, sich jedoch als dramaturgisch funktional erweist. Die Musik fungiert als Ausdrucksmittel für Emotionen, die sich im Rahmen der Ermittlungen nicht artikulieren lassen. Sie schafft einen Raum, in dem die Figur ihre Trauer, ihre Zweifel und ihre Sehnsucht verarbeiten kann. Auch wenn die Integration dieser Elemente nicht immer vollständig bruchlos gelingt, tragen sie doch zur Besonderheit der Serie bei. Sie erweitern das Genre um eine introspektive Dimension, die über konventionelle Krimiformate hinausgeht. RIDLEY ist keine Serie, die das Genre revolutionieren möchte. Ihre Stärke liegt vielmehr in der bewussten Variation etablierter Muster. Sie kombiniert klassische Ermittlungsstrukturen mit einer intensiven Figurenstudie und einer atmosphärisch dichten Inszenierung. In dieser Hinsicht steht sie exemplarisch für eine Entwicklung innerhalb des britischen Fernsehens, das zunehmend auf Qualität und Differenzierung setzt, ohne seine traditionellen Wurzeln zu verleugnen. Die erste Staffel von RIDLEY erweist sich als ein fein austariertes Krimidrama, das durch seine emotionale Tiefe und seine ästhetische Geschlossenheit überzeugt. Adrian Dunbar gelingt es, eine Figur zu erschaffen, die gleichermaßen verletzlich und souverän wirkt, während das Ensemble und die Inszenierung eine glaubwürdige, vielschichtige Welt formen.


RIDLEY - Staffel 1

ET: 24.04.26: DVD | FSK 12
C: Paul Matthew Thompson | D: Adrian Dunbar, Bronagh Waugh
Großbritannien 2022 | Polyband


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