Die
Familie Kobayashi kann endlich aus ihrer winzigen, beengten Wohnung
in Tokio in das Haus ihrer Träume am Stadtrand umziehen. Doch
die Dinge sind nicht so perfekt, wie sie scheinen: Das Haus ist von
Termiten befallen und die Familie beginnt, verrückt zu werden.
Die
Familie Kobayashi kann endlich aus ihrer winzigen, beengten Wohnung
in Tokio ausziehen und sich ihr Traumhaus am Stadtrand leisten. Aber
nicht alles ist gut: Das Haus ist von Termiten befallen und die Familie
beginnt durchzudrehen: Sohn Masaki (Yoshiki Arizono) lernt so besessen
für seine Prüfungen, dass er den Verstand verliert; Tochter
Erika (Youki Kudoh) vergisst alles außer ihrem bevorstehenden
Vorsprechen bei einer Plattenfirma, Großvater Yasukuni (Hitoshi
Ueki) bekommt Flashbacks aus dem Zweiten Weltkrieg und Vater Katsuhiko
(Katsuya Kobayashi) ist so besorgt über die „Krankheit"
seiner Familie, dass er glaubt, sie könne nur durch Gruppenselbstmord
geheilt werden.
„Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“
von Sogo Ishii ist ein filmisches Werk, das sich der Konvention entzieht
und den Zuschauer in eine surreale und zugleich erschreckend vertraute
Welt entführt. Der Film, der nun auf Blu-ray in restaurierter
Form erhältlich ist, bleibt auch Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung
ein bemerkenswertes Zeugnis des japanischen Avantgarde-Kinos. Ishii
dekonstruiert die scheinbare Normalität einer japanischen Familie,
die in ihr neu erworbenes Eigenheim einzieht. Doch die Idylle trügt,
denn das Haus ist von Termiten befallen, die nicht nur die Bausubstanz,
sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen zersetzen.
Die
Familie zerfällt in ein Chaos aus Wut, Frustration und Gewalt.
Ishii inszeniert den Film als einen visuellen Rausch, der den Zuschauer
in einen Strudel aus expressiven Bildern und schnellen Schnitten zieht.
Die Kameraarbeit ist dynamisch und unkonventionell, die Musik ist
laut und dissonant. Ishii scheut sich nicht, Tabus zu brechen und
die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Die Darsteller
agieren in einem Zustand der permanenten Überforderung, ihre
Emotionen sind ungefiltert und exzessiv. Ishii entfesselt eine Energie,
die den Zuschauer gleichermaßen fasziniert und verstört.
Die Darsteller agieren in einem Stil, der zwischen Theater und Performance-Kunst
oszilliert. „Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“
ist mehr als nur eine bizarre Komödie. Der Film ist eine Abrechnung
mit der japanischen Gesellschaft der 1980er Jahre, mit ihrem Konformitätsdruck
und ihrer Unterdrückung von Individualität.
Ishii
seziert die bürgerliche Fassade und zeigt die Abgründe,
die sich dahinter verbergen. Die radikale Inszenierung und die exzessive
Darstellung der Figuren können den Zuschauer überfordern.
Ishii fordert vom Publikum eine hohe Bereitschaft zur Provokation
und zur Konfrontation mit dem Unbequemen. „Die Familie mit dem
umgekehrten Düsenantrieb“ ist ein Kultfilm, der durch seine
Originalität und seine kompromisslose Inszenierung besticht.
Ishii hat ein Werk geschaffen, das auch nach Jahrzehnten nichts von
seiner Sprengkraft verloren hat. Der Film ist ein Muss für alle,
die sich für das japanische Avantgarde-Kino interessieren und
sich von konventionellen Sehgewohnheiten verabschieden möchten.
DIE FAMILIE MIT DEM UMGEKEHRTEN DÜSENANTRIEB
ET:
17.10.24: Blu-ray | FSK 12
R: Sogo Ishii | D: Katsuya Kobayashi, Mitsuko Baishô, Yoshiki
Arizono
Japan 1984 | Rapid Eye Movies