KINO | 05.03.2025

MICKEY 17

„Wie fühlt es sich eigentlich an, zu sterben?“ Diese Frage, die sich wohl jeder schon einmal gestellt hat, kann Mickey, der bereits in seinem siebzehnten Körper lebt, nicht mehr hören. Als seine neuste Selbstmord-Mission dann auch noch anders verläuft als geplant und es plötzlich zwei Mickeys gibt, muss er nicht nur um seine eigene Existenz, sondern auch um die einer außerirdischen Spezies kämpfen.

von Laura Sternberg


© Wolfgang Ennebach/Alamode Film

„Wie fühlt es sich eigentlich an, zu sterben?“ Diese Frage, die sich wohl jeder schon einmal gestellt hat, kann Mickey nicht mehr hören, denn er lebt bereits in seinem siebzehnten Körper. Solch eine dystopische Zukunft, in der die Grenzen zwischen Menschlichkeit und Technologie verschwimmen und sich über den Tod hinweggesetzt wird, zeigt uns Regisseur Bong Joon-ho in seinem neuen Film „Mickey 17“. Der Film basiert auf dem Roman „Mickey7“ von Edward Ashton aus dem Jahr 2022 und markiert Bongs Rückkehr zum Science-Fiction-Genre.

Die Handlung ist im Jahr 2054 angesiedelt und folgt Mickey Barnes (Robert Pattinson), einem sogenannten „Expendable“, auf einer Mission zur Kolonisierung des Eisplaneten Niflheim. Als Expendable hat Mickey die ehrenvolle Aufgabe, wieder und wieder zum Wohle der Menschheit zu sterben, denn es ist einfach möglich, seinen Körper neu zu drucken und ihm seine alten Erinnerungen wieder einzupflanzen. So dient er als Versuchskaninchen für tödliche Viren und neu entwickelte Impfstoffe oder muss den unbekannten Bewohnern Niflheims gegenübertreten.

Während der siebzehnte Mickey seinen Einsatz in der rauen Kälte auf wundersame Weise überlebt, geht man an Bord des Raumschiffs von seinem Tod aus. Als dann ein frisch gedruckter Mickey 18 plötzlich seiner vergangenen Version gegenübersteht, beginnt ein Kampf zwischen den beiden “Multiples“, also Doppelgängern, und gegen die Machenschaften des machtgierigen Expeditionsleiters Kenneth Marshall (Mark Ruffalo). Denn wenn es zwei Versionen des selben Individuums gibt, besagt das Gesetz, dass diese sofort eliminiert werden müssen.


© Wolfgang Ennebach/Alamode Film

Bong Joon-ho bleibt seiner Vorliebe für gesellschaftskritische Themen treu. Wie bereits in seinen vorherigen Werken wie „Snowpiercer“ und „Parasite“ untersucht er in „Mickey 17“ Machtstrukturen und soziale a
Ungleichheiten, während er dieses Mal außerdem einen großen Schwerpunkt auf ethische Fragen der menschlichen Existenz und Identität legt. Trotz dieser guten inhaltlichen Ansätze muss man sagen, dass sich der Film an einigen Stellen zwischen seinen vielen Ebenen und Handlungssträngen verliert. Die Balance zwischen Satire und ernsthafter Gesellschaftskritik zu halten, während die Handlung quasi alle fünf Minuten zwischen einer Love Triangle, einer Mafia-Vergangenheit und einer Weltrettungsaktion wechselt, ist durchaus schwierig und nicht immer gelungen.

Persönlich hat mich „Mickey 17“ vor allem mit seinen Spezialeffekten überzeugt. Besonders die Kreaturen, die Niflheim bewohnen, sind mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet und können sich in Sachen CGI auf jeden Fall sehen lassen. Sie verleihen dem kargen Eisplaneten seinen Charme und tragen sehr zur Immersion bei. Auch die Szenen, in denen beide Mickeys interagieren, sind nahtlos. Robert Pattinson meistert die Herausforderung, sowohl Mickey 17 als auch 18 zu verkörpern, mit bemerkenswerter Nuancierung. Die Chemie zwischen den beiden Charakteren war so gut, dass mir tatsächlich erst einige Stunden nach dem Kino Besuch in den Kopf gekommen ist, dass es ja nur einen Robert Pattinson gibt und der doppelte Mickey auf der Leinwand nur eine filmische Trickserei ist.

„Mickey 17“ ist ein vielschichtiger Film, der mit seiner Mischung aus Sci-Fi, gesellschaftskritischer Satire und philosophischen Fragestellungen über den menschlichen Geist und die Ethik von Technologie zum Nachdenken anregt. Regisseur Bong Joon-ho zeigt einmal mehr sein Talent, komplexe Themen in einen visuell beeindruckenden und emotional packenden Kontext zu setzen. Trotz der teils überladenen Handlung bleibt der Film durch seine kreativen Ideen, die starken schauspielerischen Leistungen und die beeindruckenden Spezialeffekte ein sehenswertes und durchweg unterhaltsames Erlebnis.


MICKEY 17

Start: 06.03.25 | FSK 12
R: Bong Joon Ho | D: Robert Pattinson, Naomi Ackie, Steven Yeun
USA 2024 | Warner Bros. GmbH


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