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KINO
Downton Abbey
Ich streite nicht, ich erkläre

Es ist inzwischen 1927 geworden, das viktorianische Zeitalter mit großen Gütern und einflussreichen Adelsfamilien ist dem Untergang geweiht, die Moderne erhält langsam Einzug. Und genau in dieser Zeit erhält die Familie Crawley eine Mitteilung, dass die Königin und ihr Mann zu einem Besuch nach Downton Abbey kommen werden. Das führt zu einigen Problemen und Komplikationen zwischen dem Personal der Königsfamilie und den Bediensteten der Familie, da diese sich zurücklehnen und alle Aufgaben innerhalb des Hauses an die royalen Dienstboten abgeben sollen. Daraufhin schmieden sie einen Plan um ihr Gesicht nicht zu verlieren, während die Herrschaft „Upstairs“ die Queen und ihren Mann empfangen. Zusätzlich hat der Film Liebe, Drama und sogar Kritiker der Monarchie zu bieten.

von Eve Pohl


© 2019 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

Selbst wenn man die Fernsehserie Downton Abbey aus den Jahren 2010 bis 2015 nicht kennen sollte, bekommt man hier eine opulente Vorstellung geboten, was auch ohne dieses Vorwissen gut funktioniert. Bereits die allererste Szene vermittelt einen Eindruck über die Szenerie und viele wunderbare Bilder, die dem Zuschauer in diesem Film geboten werden. Es gibt so viele Highlights, dass es schwierig ist hier einige herauszunehmen. Dennoch gibt es sie natürlich, die Momente im Film, in denen man nicht mehr aufhören kann zu staunen oder lachen muss, da die Dialoge spitz und spritzig sind.

Vordergründig geht es natürlich um den Besuch der Königsfamilie auf Downton Abbey, das ist allerdings nur die erste Ebene, nur eben nicht die einzige. Zuerst spielt der Film in den ausgehenden 20er Jahren und die Zeit der großen Familiensitze gehört Vergangenheit an. Das kann man das ein oder andere Mal sehen, es gibt viel weniger Personal, also packt Lady Mary kurzerhand selber mit an als es darum geht die Stühle vom Wagen herunterzuladen. Bereits am Anfang merkt sie an, dass die Finanzen nicht ausreichen um dieses Haus ordentlich in Schuss zu halten. In all diesen Szenen wird schnell klar, dass die alte Weltordnung überholt ist und der krasse Unterschied zwischen „Upstairs“ und „Downstairs“ sich immer weiter verwischt. Und dann passiert etwas sehr interessantes, es tritt eine dritte Klasse in Form des königlichen Personals auf den Plan. Diese steht nämlich über den Downton-Bediensteten. Ob das Absicht ist oder nicht sei dahingestellt, es kommt trotzdem als Schmankerl daher.


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Das heimliche Highlight von Downton Abbey ist selbstredend die Großmutter Violet Crawley (Maggie Smith), die mit Schlagfertigkeit und rhetorischer Brillianz alle möglichen Situationen abschmettert oder eskalieren lässt. Sie ist gleichzeitig die Verkörperung der "früheren Aristokratie", was sehr klug gemacht ist. Außerdem hat der Film gefühlt tausend nette Nebenplots, die so charmant sind, dass man ihm die zusätzliche Länge gar nicht übel nimmt. Sei es nun die Liebesgeschichte zwischen dem aufrührerisch denkenden Küchenmädchen mit einem der Servierer, die empfindlich gestört wird, als ein Kontrahent auftaucht, der wirklich sehr schöne Muskeln zu bieten hat (Achtung: Hier ging es gerade nur um Äußerlichkeiten!). Oder aber die Aufklärung von Diebstählen im Haus, die zuerst gar nicht bemerkt wurden. To be continued!

Grandios sind vor allem die Kostüme, den Spagat zwischen der Mode der „Roaring Twenties“ und dem konservativen Haushalt einer alten Familie auf dem Land in Großbritannien hinzubekommen, lässt das Modeherz höher schlagen Auch die Einrichtung und die Szenerie sieht toll aus, die Musik des Filmes versetzt einen mitten in eine frühere Zeit und das ist positiv gemeint!

Diesem Film gelingt eine wunderbare Symbiose zwischen bissigen Dialogen, einer oppulent-wunderbaren Kulisse, einer etwas klischeebehafteten aber sehr charmanten Geschichte und wunderbar sympathischen Charakteren. Auch wenn man die Serie als Einstimmung nicht gesehen hat, funktioniert der Film ganz wunderbar als eigenständige Geschichte.


Großbritannien 2019 | Universal Pictures Germany | Start: 19. September 2019 (FSK 0)
R: Michael Engler | D: Michelle Dockery, Hugh Bonneville, Maggie Smith


 

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