Startseite > Kultur > Literatur | 15.01.2020

LITERATUR
Macht das glücklich,
oder kann das weg?

Die Hamburger Modelegende Ella Castello, die den Sternen mehr vertraut als den Menschen um sich herum, zieht es zurück in ihre Heimat Rom. Doch zuvor muss sie sich von ihrer Villa an der Alster trennen – und von ihren Vintagekleidern, die sie wie einen Schatz hütet.

von Eve Pohl


© Rowohlt Taschenbuch

Die Hamburger Modelegende Ella Castello, die den Sternen mehr vertraut als den Menschen um sich herum, zieht es zurück in ihre Heimat Rom. Doch zuvor muss sie sich von ihrer Villa an der Alster trennen – und von ihren Vintagekleidern, die sie wie einen Schatz hütet. Um endlich loslassen zu können, sucht die alte Dame Hilfe bei Aufräumberaterin Merle. Bei der disziplinierten jungen Frau scheint alles strikt nach Plan zu laufen. Aber nach und nach zeigt sich, dass auch in Merles Leben nur oberflächlich Ordnung herrscht, vor allem in Liebesdingen... Kann sie womöglich noch etwas von der temperamentvollen Ella lernen? Und schafft sie es endlich, auch in ihr eigenes Herz Klarheit zu bringen?

„Wenn man Marie Kondo, xxx und eine verrückte Designerin in einen Topf wirft, bekommt man eine explosive Mischung, die sich ganz wunderbar in einen Roman packen lässt. Und genau das passiert hier. Während die Aufräumexpertin Merle in ihrem Leben alles geordnet hat, präsentiert sich die ehemals berühmte und exzentrische Modedesignerin Ella Castello als ein Hort der Unordnung. Aber dennoch hat sie Ideen davon, wie Dinge zu laufen haben, vor allem gestützt von Übernatürlichem in Form von Astrologie.

Die beiden Hauptpersonen könnten nicht unterschiedlicher sein und trotzdem ergänzen sie sich auf eine interessante Art und Weise. Merle ordnet alles, vergisst dabei aber manchmal zu leben. Ihr Leben läuft nach Plan. Ella hingegen hat eine turbulente Vergangenheit. Die Erinnerungen, an diese glücklichere Zeit manifestieren sich in Gegenständen. Nun hat sie sich aber in den Kopf gesetzt in ein viel kleineres Domizil umzuziehen, obwohl es ihr schwerfällt sich von Dingen zu trennen oder sich sogar mit einigen Besitztümern zu konfrontieren, obwohl diese an eine Zeit erinnern, die glücklich war, auf die sich aber eine dicke Schicht Traurigkeit und vielleicht auch Einsamkeit gelegt hat.

Im Laufe des Buches entwickeln sich die beiden Frauen weiter und machen eine Transformation durch. Merle beginnt das Leben zu genießen und etwas „Chaos“ in ihr Leben zu lassen. Das könnte man genauso gut Spontanität nenne. Ella hingegen bringt Ordnung in ihres, lässt unliebsame Erinnerungen gehen und findet so auch zu ihrer inneren Zufriedenheit.

Der Roman ist packend und hält für so eine simpel gestrickte Ausgangslage einige spannende Wendungen bereit, die man nicht unbedingt kommen sieht. Sobald man ihn ausgelesen hat, überkommt einen das seltsame Bedürfnis sowohl weniger Dinge zu besitzen, als auch das Leben in vollen Zügen zu genießen und keine Gelegenheit gehen zu lassen.


Ulrike Schäfer | Macht das glücklich, oder kann das weg? | Rowohlt Taschenbuch

 

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